Würzburg

Natur Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau animiert zur Gestaltung von „Trachtenfließbändern“

Bäume bieten Bienen Labsal

Immer weniger Bienen und andere Insekten schwirren in den Gärten. Klaus Körber von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim hat eine Idee, dem entgegenzuwirken.

Veitshöchheim. Das Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten schrumpft. Dabei wäre es gar nicht so schwer, Insekten zu helfen, sich zu regenerieren, sagt Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG). Mit der Anlage von Blühwiesen wird mittlerweile auch schon eine Menge getan. Ideal wäre es, diese Wiesen mit „Bienenbäumen“ zu ergänzen.

Bienen tummeln sich vor allem dann gern in einem Garten, wenn es dort ein sogenanntes Trachtfließband gibt. Was bedeutet: Zwischen Ende Februar und Anfang September wird kontinuierlich etwas Leckeres aufgetischt. Klaus Körber dokumentiert in der LWG, welche Bienenarten zu welchen Zeiten an welchen Bäumen Nektar und Pollen finden.

Kornelkirsche heiß begehrt

Zu den frühesten Blühern gehört zum Beispiel die gern als Heckenpflanze benutzte Kornelkirsche. Weil sie mitunter schon im Februar zu blühen beginnt, ist sie laut Körber ein sehr wichtiges Bienengehölz. Aber nicht nur die Biene labt sich an dem Baum: „Mönchsgrasmücken zum Beispiel trinken den Saft aus dem Holz“, so Körber.

Vögel lieben es überdies, die Früchte der Kornelkirsche zu verschmausen. Ein von Klaus Körber erstelltes Arbeitspapier zum Thema „Biodiversität“, das der Gartenbauingenieur im Januar präsentierte, listet 15 Vogelarten auf, die sich an der „Cornus mas“ laben. Neben Amseln und Drosseln sind dies zum Beispiel der Dompfaff und der Seidenschwanz. Außerdem wurden 18 Säugetiere, darunter der Siebenschläfer und die Haselmaus, beim Fressen der Früchte beobachtet.

Teilweise noch bis in den September hinein blüht der Schnurbaum, der damit am Ende des Trachtenfließbands steht. „Dieser Baum ist einer der besten Bienenbäume im nahrungsarmen Zeitraum ab Juli. Darum sollte er viel häufiger gepflanzt werden, als das bisher geschieht“, sagt Körber. An den perlschnurartigen Fruchtständen konnten laut dem Experten für Biodiversität acht Vogelarten beobachtet werden, darunter die Ringeltaube, der Seidenschwanz und der Eichelhäher. Vor allem auf armen, heißen Standorten sei der Schnurbaum ein „Top-Klimagehölz“. Davon, dass er nicht einheimisch ist, sollte man sich nicht abschrecken lassen, betont der Bienenfan.

Laut Körber konnten Studierende in einem LWG-Projekt die Hypothese widerlegen, dass „fremde“ Bäume in puncto Biodiversität schlechter abschneiden als einheimische. Im Frühjahr und Sommer 2019 untersuchten die jungen Leute, wie stark heimische und gebietsfremde Linden und Ahorne von Wildbienenarten besucht wurden. Ein wichtiges Ergebnis in Bezug auf die Linden war, dass sich mehr als die Hälfte aller Bienen an beiden Lindenarten laben. Vor allem die Breitkopf-Schmalbiene ist hierbei in keiner Weise wählerisch.

Verschiedene Lindenarten

Bäume, die „fremd“ sind, zu boykottieren, wäre ein Riesenfehler, betont Klaus Körber mit Blick auf die verschiedenen Lindenarten: „Ausnahmslos alle werden nach unseren Erfahrungen sehr gut beflogen.“ Wer Bienen etwas Gutes tun möchte, sollte mindestens drei verschiedene Lindenarten pflanzen, erläutert der LWG-Mitarbeiter. Die Sommerlinde hilft, den Tisch für die Bienen schon recht früh im Jahr zu decken. Zwei Wochen später beginnt die Winterlinde zu blühen. Anschließend versorgt die Silberlinde die Bienen mit Nahrung. Letztere stammt aus Südeuropa. Weil sie „fremd“ ist, geriet sie vor ein paar Jahren in Verruf. Dabei ist sie für Bienen und Hummeln äußerst wichtig.

Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat, schaut, dass möglichst viel blüht. Nur so kann dem Insektensterben Einhalt geboten werden. Dabei sollten vor allem auch „unspektakuläre“ Gewächse beachtet werden. Eine echte „Biodiversitätsbombe“ ist laut Klaus Körber zum Beispiel die bescheidene Salweide. Von der „Salix“, wie der Botaniker sie nennt, profitieren über 200 Tier- und Insektenarten: „Nämlich 68 Käfer, 31 Wanzen, 26 Blattwespen und 77 Kleinschmetterlinge.“ Die Salweide ist auch deshalb von großer Bedeutung, so Körber, weil die Königinnen aller Hummeln im Frühjahr zuerst auf die Weiden gehen.

Dass das Quecksilber im Sommer immer höher klettert, mitunter auf 40 Grad, bereitet Botanikern große Sorgen. „Der Klimawandel ist ein wirkliches Problem“, bestätigt Körber. Zu sehen, wie Bäume durch die Hitze kaputt gehen, sei deprimierend.

Umso lieber befasst sich Körber mit der Frage, wie man Wildbienen, Hummeln und anderen Insekten Gutes tun und den Artenschwund aufhalten kann: „In diesem Bereich ist es möglich, mit kleinen Maßnahmen eine Menge zu erreichen.“ Dazu braucht es nicht einmal den eigenen Garten: „Es genügt der Lavendel auf dem Balkon.“ Oder man lässt, hat man einen Garten, einfach die Brennnessel stehen.

Es geht um alle Insekten

Klaus Körber engagiert sich mit großer Ausdauer dafür, dass noch mehr Menschen beim Insektenschutz mitmachen. Insgeheim geht es ihm nicht in allererster Linie um die Biene, sondern wirklich um alle Insekten – also um sämtliche heimischen Käfer, Fliegen und Falter. „Doch die Biene ist ein Türöffner“, schmunzelt er. Sie wird von vielen gemocht: „Durch sie erreichen wir es, dass sich die Menschen für Biodiversität zu interessieren beginnen.“