Würzburg

Amtsgericht 63-Jährige muss zwei Jahre in Haft

Auf falschen US-General hereingefallen

Würzburg.Kontrastprogramm beim Amtsgericht: Sie habe doch nur Gutes tun wollen für Waisenkinder in Afrika, sagte eine Rentnerin auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt war überzeugt, dass sie eine internationale Bande logistisch unterstützt hat, und der Vorsitzende Richter Thomas Behl fragte die Frau mit der Bitte um Nachsicht: „Wie bescheuert kann man eigentlich sein?“

Beihilfe zum Betrug

Wegen Beihilfe zum Betrug in Höhe von knapp 100 000 Euro wurde die 63-jährige zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Vermutlich für die seit Jahrzehnten bekannte kriminelle „Nigeria Connection“ hat die Frau in Würzburg auftragsgemäß bei drei Banken auf ihren Namen Konten eröffnet, ankommende Geldbeträge sofort abgehoben und an eine bei Ganoven weltweit gern in Anspruch genommene Bank überwiesen. Sie sei davon ausgegangen, dass schnell geholfen werden müsse, sagte sie.

Um Unterstützung gebeten

Sie wisse auch nicht, so die Rentnerin mit guten Englischkenntnissen, warum ein ehemaliger amerikanischer General namens „Marc Nelson“ ausgerechnet auf ihrem Laptop auftauchte. Er habe sie um Unterstützung gebeten und geschildert, dass er während seiner Zeit bei der Armee nicht nur in Afghanistan großes Leid mit ansehen musste. Deswegen engagiere er sich jetzt im Ruhestand vor allem für Aids-Waisen, kranke und hungernde Kinder in Afrika.

Warum das Geld von Spendern erst auf ihr Konto ging, danach gleich wieder abgehoben und wieder eingezahlt werden musste, dafür habe sie sich gar nicht interessiert, sagte die Frau, sie sei von Natur aus leichtgläubig. Ihr sei es nur um die Kinder gegangen, sie habe selbst früher zwei Patenkinder in Afrika unterstützt.

Am Telefon ging es um Liebe

Die Frage, warum sich der angeblich Ex-General mit der Bitte um Unterstützung gerade an diese Rentnerin gewandt hat, versuchte ihr Verteidiger zu erklären.

Da sei die international bekannte Betrugsmasche „love scamming“ („mit Liebe betrügen“) im Spiel gewesen, so Rechtsanwalt Klaus Spiegel, und der Meinung war auch der für den Fall zuständige Kripo-Beamte.

Über das Internet, unter allen möglichen Chat- Adressen geben alleinstehende Frauen preis, dass sie nichts dagegen hätten, wenn für sie im Herbst des Lebens noch einmal so ein richtiger Frühling der Gefühle ausbricht.

So komme die Bande sowohl an größere Geldbeträge als auch an Unterstützerinnen, die dann den Weg des Geldes verschleiern. In sichergestellten Chat-Protokollen sei es nie um afrikanische Kinder gegangen, sondern immer um Auf- und Ausbau von Liebesbeziehungen, die Angeklagte habe sich allerdings mit „General Nelson“ auch sehr intensiv über religiöse Themen unterhalten.

„Munition“ vor der Haustür

Wenn sie dem „Herrn General“ am Telefon sagte, so die Rentnerin, dass sie nicht mehr weiter machen wolle, dann sei in den folgenden Tagen eine schwarze Limousine mit Hamburger Kennzeichen mehrfach vor ihrem Haus drohend auf - und abgefahren, der General habe ihr mit der Russen-Mafia gedroht, und vor ihrer Haustüre habe sie einmal sogar eine Patrone gefunden. Die hatte ihr Anwalt dabei, das Gericht schaute sich die Munition an und urteilte ohne Zögern: „Platzpatrone“.