Wittighausen

Breitbandausbau Bürgermeister Marcus Wessels beklagt lange Verzögerungen bei der Bereitstellung von schnellem Internet in Wittighausen und seinen Ortsteilen

Im zweiten Quartal wird Surfen schneller

Das Motto „Schnelles Internet im Main-Tauber-Kreis“ gilt nicht überall in den Ortsteilen von Wittighausen. Dies wird sich laut Telekom im zweiten Quartal 2021, jedoch kaum früher, ändern.

Wittighausen.Eigentlich sollten seit den Abschlüssen der Ausbaustufen 1 und 2– diese wurden bereits im Mai 2019 feierlich vermeldet – als Basisversorgung 97,5 Prozent der Haushalte im Main-Tauber-Kreis das Glasfasernetz mit Internetanschlüssen in einer Downloadrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde nutzen können. Die Ausnahmen seien „weiße Flecken“ wie etwa Gebäude außerhalb geschlossener Siedlungsgebiete oder aber Gewerbegebiete, deren Glasfaseranschlüsse weiter verdichtet werden. Diese Erschließungen sollen durch die Ausbauschritte 3 und 4 des Breitbandnetzes im Main-Tauber-Kreis erfolgen. Allerdings sind zumindest in einigen Ortschaften offenbar die Ausbaustufen 1 und 2 noch nicht komplett abgeschlossen.

In Wittighausen hieß es zunächst bei einer Informationsveranstaltung der Deutschen Telekom im Februar 2019, dass spätestens einen Monat später das schnelle Internet in den Ortsteilen buchbar und verfügbar sein sollte. Seither wurden jedoch immer wieder neue Zeitpunkte für die Bereitstellung und Freischaltung von leistungsfähigen Internetanschlüssen genannt.

„Bislang scheinen die Leitungen oder Verteilerkästen nicht vernünftig ausgebaut worden zu sein, so dass viele Bürger – obwohl sie daraufhin einen entsprechenden Vertrag über höhere Datenübertragungsraten mit der Deutschen Telekom abgeschlossen haben – bisher nicht mehr als bestenfalls 16 Megabit pro Sekunde bekommen“, kritisiert Bürgermeister Marcus Wessels. Er hat das bereits mehrfach bei Verantwortlichen des Unternehmens moniert und zugleich einen Termin zur Beseitigung dieser Mängel angefragt.

Die Realität ist hingegen auch momentan noch, dass allein im Hauptort Unterwittighausen etwa ein Drittel aller Haushalte im sogenannten Nahbereich höchstens 11 Megabit pro Sekunde bekommen kann. Selbst die im geförderten Ausbau liegenden Haushalte haben das Problem, meist nicht mehr als 25 Megabit pro Sekunde zu erreichen“, nennt Wessels zahlenmäßige Schätzungen. Aktuell werde diesen Nutzern sogar mitgeteilt, dass es zu Verzögerungen im Netzausbau komme und der Wunschtarif „leider erst etwas später“ bereitgestellt werden könne.

Etwa Mitte November sei ihm vom Infrastrukturvertrieb Region Südwest der Telekom telefonisch mitgeteilt worden, dass inzwischen alle Bauarbeiten abgeschlossen seien. Unterdessen räumte die Pressestelle der Deutsche Telekom auf eine Anfrage der FN Ende November ein, dass es beim Ausbau dieses Nahbereichs zu Verzögerungen gekommen sei.

Zudem ließ der Konzern wissen, dass im Laufe des zweiten Quartals 2021 mit der Fertigstellung des Ausbaus im sogenannten Nahbereich in allen vier Ortsteilen von Wittighausen schnelles Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde angeboten werden könne.

Baufirma gewechselt

„Wir mussten leider die dafür ursprünglich beauftragte Baufirma wechseln, da wir mit deren Leistung nicht zufrieden waren. Bedauerlicherweise hat die Klärung vertragsrechtlicher Fragen Zeit beansprucht und zu einem Baustopp geführt. Erst danach konnten wir eine neue Baufirma beauftragen“, nannte ein Pressesprecher der Deutschen Telekom als Gründe für die zeitlichen Verschiebungen.

Nach den vorherigen Versprechungen gab sich Wessels mit dieser Auskunft und Ankündigung keineswegs zufrieden, sondern wandte sich in einem Schreiben mit einer offiziellen Vorstandsbeschwerde an die Deutsche Telekom in Bonn. Parallel dazu informierte er die Bundesnetzagentur über den Vorgang und die Missstände.

„Wenn man bedenkt, dass im Februar 2019 für die Verfügbarkeit im März 2019 geworben wurde, frage ich mich, ob zu dem damaligen Zeitpunkt das Problem mit der zuständigen Baufirma nicht schon lange bekannt gewesen sein muss“, beanstandet Wessels. Darüber hinaus stelle sich die Frage, warum die Klärung und Neubeauftragung etwa 18 Monate gedauert habe und die Buchbarkeit erst über zwei Jahre später erfolgen könne. „Die drängendste Frage aber ist: Wie lange müssen die Kunden hier in den Ortsteilen Wittighausens jetzt tatsächlich noch warten?“, unterstrich der Bürgermeister.

Konstruktives Gespräch

In einem längeren Gespräch mit der Telekom-Konzernzentrale, das nach Wessels Angaben „sehr konstruktiv“ verlaufen sei, habe man ihm gegenüber mit Bedauern bestätigt, dass es zu den genannten Problemen gekommen sei, die – auch durch die Coronakrise – ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch genommen hätten. Nachdem der ursprünglich ermächtigten Firma der Auftrag entzogen worden sei, habe zunächst festgestellt werden müssen, welche Arbeiten in welchem Umfang bereits ausgeführt wurden.

Danach erst hätten die Leistungen neu ausgeschrieben und vergeben werden können. Nach Abschluss aller Bauarbeiten – hierzu gehören nicht nur der Tiefbau, sondern auch umfangreiche Arbeiten an den Schaltkästen – müsse der Umbau noch „migriert“ werden. Das bedeute, alle Schaltstellen in Deutschland müssten die Information speichern, dass fortan schnelles Internet buchbar sei.

„Man hat mir zugesagt, dass unser Ausbau intern auf die höchste Priorität gesetzt wurde. Im zweiten Quartal 2021 soll dann flächendeckend mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde in den Ortsteilen der Gemeinde Wittighausen gesurft werden können,“, berichtet Wessels. „Eine weitere Beschleunigung wird dagegen wohl nicht machbar sein. Allerdings werde ich regelmäßig nach dem Stand fragen“, verspricht der Bürgermeister.