Wittighausen

Naturschutz Nabu-Ortsgruppe Wittighausen rettet Kröten und sorgt so auch für die Sicherheit von Auto- und Motorradfahrern / Erstmals auch in Vilchband aktiv

Frühschicht für junge Lebensretter

Archivartikel

Kröten und Frösche sind derzeit in Wanderlaune, sind unterwegs zu ihren Laichgewässern. Krötenschutzzäune in Unterwittighausen und erstmals in Vilchband retten sie vor dem Tod auf der Straße.

Unterwittighausen/Vilchband. „Im Frühjahr 2006 begaben sich zum ersten Mal so viele Kröten auf Wanderschaft, dass die Straße von Unterwittighausen nach Bütthard mit Krötenleichen übersät war. Im folgenden Jahr waren wir vorbereitet“, erzählt Jürgen Hönninger, Vorsitzender der Nabu-Gruppe (Naturschutzbund-Gruppe) Wittighausen. „Rechtzeitig stand der Krötenzaun, der die Amphibien am Überqueren der Straße Richtung Naturschutzgebiet „Ried“ hinderte. Eine ähnliche Situation erlebten wir im vergangenen Jahr in Vilchband.“ Die Nabu-Gruppe habe sofort reagiert.

Der Vorsitzende betont die gute Kooperation mit der Umweltschutzbehörde des Landratsamtes. Nach Überprüfung der Situation habe sie in Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei die Erstellung eines Krötenschutzzauns gegenüber der Naturteichanlage veranlasst. „Der Zaun hat sich in den vergangenen drei Wochen bestens bewährt. An günstigen Krötenwandertagen konnten wir mehr als 100 Tiere einsammeln und über die Straße in den sicheren Teich bringen“, freut sich Jürgen Hönninger.

Sicherheit für Mensch und Tier

Am sonnigen aber kalten Sonntagmorgen hat sich Punkt 8 Uhr eine Gruppe Helfer, Erwachsene und Kinder, am Ortsausgang von Vilchband eingefunden. Warnweste über dem Anorak, Gummistiefel und Plastikeimer – an der Ausrüstung erkennt man auf den ersten Blick den erfahrenen „Krötenretter“. Von ihrem Einsatz profitiert nicht nur „Bufo bufo“, die Erdkröte, sondern auch Auto- und Motorradfahrer. Wenn überfahrene Amphibien die Straße mit einem Schmierfilm überziehen, kann Bremsen lebensgefährlich sein.

„Mit dem Aufstellen der Zäune ist es nicht getan“, erklärt Jürgen Hönninger. „Unzählige ehrenamtliche Stunden werden geleistet.“ Das Eingraben von Eimern entlang des Zauns zum Auffangen der Kröten, das tägliche Kontrollieren der Behälter in den frühen Morgenstunden, das Einsammeln der Tiere und das Aussetzen am Wasser – kein anderer Verband betreut so viele Amphibienschutzzäune wie der Nabu.

Die Gruppe hat die Hälfte des Wegs zurückgelegt. Heute scheinen die Eimer leer zu bleiben. Die Nacht war knackig kalt, kein „Krötenwetter“. „Kröten mögen es mild und feucht“, erklärt Jürgen Hönninger. „Ich hab’ eine!“, schallt ein Ruf über die Wiese. Ein kleiner Krötenmann schmiegt sich in die Bubenhand. „Kröten sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur richtet sich nach der Außentemperatur“, erklärt Jürgen Hönninger den Kindern. „Betrachtet die winzigen Schwimmhäute an den Hinterfüßen und die waagrechten schmalen Pupillen, mit denen die Kröte perfekt für das Sehen am Boden ausgerüstet ist.“

Neun Kindergesichter beugen sich über den kleinen „Kröterich“. Er scheint die Aufmerksamkeit zu genießen und schaut die Kinder zutraulich aus geheimnisvollen bernsteinfarbenen Augen an. Es liegt ein besonderer Zauber in der Begegnung von Kindern mit Tieren. Neun Kinderhände streicheln das kleine Wesen sacht, dessen Haut sich kein bisschen klitschig, sondern zart und trocken anfühlt.

„Hinterher gut die Hände waschen“, mahnt Jürgen Hönninger. Erdkröten, sondern ein giftiges Hautsekret ab, dass sie für viele „Fressfeinde“ ungenießbar macht. „Kann ich sie haben“, bittet die kleine Eva, die mit ihren drei Jahren die jüngste Krötensammlerin ist, und verstaut das Tierchen zufrieden in ihrem Eimer. „Die Freude und Begeisterung der Kinder mitzuerleben, ihnen die Natur zu erschließen – das macht die Arbeit nicht nur für die Umwelt, sondern auch für mich selbst so wertvoll“, versichert der Vorsitzende der Nabu-Gruppe.

„Der gemeinsame Einsatz für die Natur verbindet Familien, Kinder und Senioren, Ortsteile und sogar Bundesländer.“ Denn Kröten hielten sich nicht an Landesgrenzen. So sei der Krötenschutzzaun zwischen Unterwittighausen und Bütthard ein gemeinsames Projekt von Baden-Württemberg und Bayern.

Es ist eine Leistung, die uns Menschen staunen lässt. In milden, feuchten Frühlingsnächten machen sich alljährlich die Krötenweibchen auf den Weg zu ihrem eigenen Geburtsort, um dort ihren Nachwuchs abzulaichen. Erdkröten besitzen ein „integriertes Navigationssystem“. Mit Hilfe eines speziellen Organs im Gehirn finden sie mit unfehlbarer Sicherheit den Weg zu dem Tümpel, wo sie selbst einst als winzige Kaulquappe schwammen.

Kleine „Machos“ sind die zierlicheren Krötenmännchen. Sie lassen sich von ihrer „Erwählten“ huckepack tragen. „Die Krötenwanderung gehört zu den faszinierendsten Phänomenen in der Natur“, berichtet Jürgen Hönninger. „Blind für alle Hindernisse laufen sie los, was ihnen oft zum Verhängnis wird.“ Es sei denn, sie haben Glück, werden von einem Krötenschutzzaun aufgehalten und landen in einem Auffangeimer der Nabu-Gruppe Wittighausen.

Tierliebende Helfer befreien die Tiere und fungieren als „Krötentaxi“. Direkt am Teichrand setzen die Chauffeure ihre Gäste ab. Und dann wird „Krötenhochzeit“ gefeiert. Bald durchziehen Laichschnüre die Wasseroberfläche. Etwa 5000 Eier legt ein Weibchen. Bald schlüpfen kleine Kaulquappen, die eine geheimnisvolle Verwandlung durchleben und schließlich, nach zwei bis vier Monaten, als „Krötenwinzlinge“ ihr vertrautes Gewässer verlassen. Der ewige Kreislauf beginnt von vorn.

„Manchmal sitzt auch ein Grasfrosch oder ein Teichmolch im Eimer“, erklärt Franz. Der Junge kennt den Unterschied genau. „Kröten sind braun und haben Warzen auf dem Rücken. Grasfrösche haben eine glatte, grüne Haut und der Teichmolch hat einen langen Schwanz und einen orangefarbenen Bauch mit schwarzen Tupfen.“ Hin und wieder müssen die Naturschützer eine vorwitzige Eidechse aus dem Auffangbehälter befreien.

Faszinierend und schutzbedürftig

Dem menschlichen Schönheitsideal entsprechen die „Warzentiere“ mit ihrem bizarren Aussehen nicht. Auch beim Schönheitswettbewerb der Tiere würden sie kaum den ersten Platz belegen. In früheren Zeiten glaubte man gar, sie seien verzauberte Hexen und stünden mit dem Teufel im Bund.

Etwas genauer muss man schon hinsehen, um hinter der grau-braunen Fassade den eigentümlichen Reiz dieser Tiere zu entdecken, muss sich anrühren lassen von ihrer Schutzbedürftigkeit.

Apropos Schönheit. Bereits Voltaire erkannte, dass Schönheit reine Geschmackssache ist: „Frag eine Kröte, was Schönheit ist, dann wird sie antworten, das sei ein Weibchen mit schönen runden Augen, die aus dem Kopf hervorstehen, einem breiten, platten Maul und braunem Rücken ...“