Wittighausen

Leserbrief Zum geplanten Steinbruch in Poppenhausen („Ein ,Ja‘ mit heftigem Bauchweh“ – FN, 22. Februar)

„Die Zerstörung des wohl schönsten Landschaftsbilds des Dorfs“

Poppenhausen war ein schönes und zukunftsträchtiges Dorf mit sehr rührigem Vereinsleben, in dem man gut und gerne lebte. Auf Initiative von Bürgermeister Bernhard Henneberger bewarb sich das Dorf 2008 beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ und erreichte kreisweit den ersten Platz und wurde auch beim Landesentscheid ausgezeichnet, auch wegen der gepflegten Höfe und Gärten und der schönen Einbindung in die Kulturlandschaft.

Nun soll etwa 300 Meter vom Dorf, an weithin einsehbarer Stelle ein riesiger Steinbruch entstehen, der fast so groß ist wie die Grundfläche des ganzen Orts. Viele Bürger des Dorfs haben ihre Bedenken gegen dieses Projekt per Eingabe an die Gemeindeverwaltung kundgetan, mit der Begründung, dass die schönste Aussicht nun generationenlang durch die Anlage eines Steinbruchs verunstaltet und von den Einheimischen und auch Feriengästen vielbegangene Wanderwege wegen Krach und Staub unattraktiv werden.

Der Gemeinderat von Wittighausen hat sich am 20. Februar mit diesem Thema befasst. Trotz klarer Worte von Bürgermeister Marcus Wessels drückte sich das Gremium nach einem fürchterlichen Geeiere vor einer klaren Entscheidung und hofft nun, dass das Landratsamt die Anlage des Steinbruchs nicht genehmigt.

Sind hier erfolgreich Lobbyisten am Werk?

Nach dem rechtsgültigen Flächennutzungsplan ist das vorgesehene Gelände als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Es verbietet sich also jegliche gewerbliche Nutzung. Der Gemeinderatsbeschluss ignoriert diese gesetzliche Vorgabe – bewusst oder unbewusst – völlig, indem er mehrheitlich sein Einvernehmen zur Anlage eines Steinbruchs und damit der Zerstörung des wohl schönsten Landschaftsbilds des Dorfs mit dem sanft ansteigenden Gelände und im Hintergrund mit dem geschichtsträchtigen Wald, dem „Zollstock“, der „Alten Straße“ und dem ältesten Bildstock der Region gutheißt.

Der Gemeinderat übergeht den ihm bekannten Tatbestand, dass der Antragsteller des Bauantrags unbefugterweise ein ihm nichtgehörendes Grundstück in die Anlage des Steinbruchs einbeziehen will. Allerspätestens jetzt wäre die Versagung des Einvernehmens zu der vorgestellten Planung geboten gewesen. Zusammenfassend ist die Frage zu stellen, ob der Gemeinderat die Erläuterungen der Gemeindeverwaltung zu diesem Thema überhaupt zur Kenntnis genommen und verstanden hat, denn in der Diskussion wurden Belange des Natur- und Bodenschutzes, die dem geplanten Steinbruch zuwider sind, so gut wie gar nicht erwähnt. Stattdessen missachtet er Vorgaben des rechtsverbindlichen Flächennutzungsplans und hat auch an der Planung auf fremdem Grund keine Einwände. Ein offensichtlich merkwürdiges Vorgehen.

Die Bürgerinitiative „Kein Steinbruch am Zollstock“ lädt für den 18. März interessierte Bürger und ganz besonders den Gemeinderat zur Besichtigung des zum Steinbruch vorgesehenen Geländes ein, um sich ein Bild von der geplanten Umweltzerstörung zu machen. Zu einem Meinungsaustausch bei Kaffee und Kuchen ist ab 14.30 Uhr die Bierstube geöffnet.

Die BI würde sich über guten Besuch freuen und hofft auf eine offene Aussprache.