Wittighausen

Archäologische Ausgrabungen Experten haben bereits zahlreiche keltische und neusteinzeitliche Funde freigelegt

Detaillierter Blick in die Vergangenheit

Archivartikel

Archäologische Ausgrabungen erfolgen seit wenigen Tagen am westlichen Ortsrand von Unterwittighausen.

Unterwittighausen. Auf dem etwa vier Hektar großen Areal des geplanten Gewerbegebiets „Unterwittighausen West“ werden seit Montag archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden bereits zahlreiche keltische und neusteinzeitliche Funde freigelegt und gesichert.

Anlass für die Ausgrabungen ist zum einen die im nächsten Jahr vorgesehene Erschließung dieser Fläche nördlich der Zimmerner Straße und südlich des Tiefenwegs als Gewerbegebiet.

Zum zweiten ist dieses bisherige Ackerland im Flächennutzungsplan mit einem Symbol als Bodendenkmal“ gekennzeichnet, nachdem schon in den 1930er-Jahren beim Pflügen archäologische Funde wie etwa Scherben entdeckt wurden.

Aus diesen Gründen nahm Wittighausens Bürgermeister Marcus Wessels Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg beim Regierungspräsidium Stuttgart in Esslingen und dessen Oberkonservator Dr. Andreas Thiel auf, um die Sachlage und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zu erörtern.

„Würde diese Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt, wären normalerweise keine Ausgrabungen gestartet worden und die archäologischen Stücke im Boden verblieben“, erklärte Wessels in einem Gespräch mit den FN. Bei geplanten und bevorstehenden Baumaßnahmen gelte jedoch die Regel „Sicherung vor Zerstörung“, sobald derartige Funde zu erwarten und feststellbar seien.

Vor-Ort-Besichtigung

Nach einer vorangegangenen Vor-Ort-Besichtigung mit Thiel wurden im Frühjahr unter der Regie von Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege durch den gemeindlichen Bauhofmitarbeiter Christian Wülk, mit einem kleinen Bagger auf vier je etwa zwei Meter schmalen Streifen über die ganze Fläche hinweg der Oberboden abgetragen. Bei dieser stichprobenartigen Suche habe man tatsächlich archäologische Funde offenlegen können, so dass weitere Erforschungen jetzt großflächiger und tiefgründiger ausgeführt werden, berichtete Marcus Wessels weiter.

Diese Arbeiten wurden jedoch erst jetzt angebahnt, nachdem zuvor die freigelegten Probestreifen wieder mit Oberboden abgedeckt waren, um den landwirtschaftlichen Pächtern der Ackerflächen eine möglichst reibungslose Ernte mit ihren Mähdreschern zu ermöglichen. Zusätzlich wurden die Standorte der ersten Fundstellen per GPS erfasst und notiert. Inhaber der bis 2022 laufenden Pachtverträge erhalten laut Angaben des Bürgermeisters im kommenden Jahr eine Entschädigung für entgangene Ernteerträge.

Am Montagvormittag begannen Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege mit bis zu einem halben Dutzend ehrenamtlichen Bürgern, unterstützt von Wülk und einem großen Bagger, auf etwa 15 Meter breiten Streifen den Oberboden zu beseitigen sowie Flächen zu markieren, auf denen Archäologiefunde entdeckt wurden. Die freiwilligen Helfer beteiligen sich zumeist speziell auf einen der Gemeinde Wittighausen erfolgten Aufruf.

Die entdeckten Objekte wurden und werden weiterhin mit sorgfältiger Handarbeit freigelegt und ausgegraben als auch in separaten Eimern gesammelt, wobei die jeweiligen Fundorte verzeichnet sind. Parallel dazu werden die Fundorte vermessen, fotografiert und in einem Lageplan eingezeichnet.

Bei entsprechenden Vermutungen und Erkenntnissen werde man bis in etwa 70 Zentimeter Tiefe an einem Fundort die Grabungen per Handwerkzeuge fortsetzen, erklärten die beteiligten Akteure und Verantwortlichen. Und je nach dem, wie weit die Funde verstreut sein könnten, erfolge die Suche möglicherweise auf dem gesamten Areal des avisierten Gewerbegebietes. Zu den schon jetzt zahlreich entdeckten Objekten zählen unter anderem verzierte Gefäßscherben sowie Fragmente eines Mahlsteins, von Nadeln und Tierknochen.

„Uns war es ein dringendes Anliegen, möglichst rasch eine Einigung mit den Pächtern zu erzielen sowie dadurch mit den Ausgrabungen loslegen und sie abschließen zu können, ohne dass die Erschließungsarbeiten des neuen Gewerbegebietes verzögert werden“, unterstrich Wessels.

Dies sollte reibungslos klappen, denn zum einen werden bis voraussichtlich Ende Oktober die Ausgrabungsmaßnahmen beendet sein. Andererseits werde bis Ende September ein Antrag auf ELR-Fördermittel für das vorgesehene Gewerbegebiet „Unterwittighausen West“ gestellt, so dass eine Ausschreibung für die Erschließungsmaßnahmen nicht vor März 2021 erfolgen könne. Den Beginn der Bauarbeiten erhoffe man sich im Laufe des weiteren Jahres 2021.

Vielfältig und spannend

„Zwar handelt es sich bislang um keine wirklich einzigartigen und geradezu sensationellen archäologischen Funde aus der Kelten- und Neusteinzeit, jedoch sind sie schon jetzt sehr vielfältig und spannend“, zog Wessels nach wenigen Tagen eine erste Zwischenbilanz. „Sie könnten die ersten Spuren einer Besiedlung Unterwittighausens“, wagte der Bürgermeister eine Prognose. Sowohl über die tatsächliche Quantität als auch Qualität der Funde könnten allerdings erst im weiteren Verlauf der Arbeiten oder nach deren Abschluss und Auswertung genauere Aussagen getroffen werden.

„In der Bürgerschaft scheint sehr großes Interesse zu bestehen“, betonte der Bürgermeister mit Verweis auf die hohe Besucherfrequenz der Einträge, die auf der Facebookseite der Gemeinde zu diesem Thema zu finden sind. Langfristig sei beabsichtigt, besonders interessante und beeindruckende Objekte dieser Ausgrabungen in einer Vitrine im Rathaus dauerhaft auszustellen.