Wertheim

Diamantene Hochzeit Die beiden Nassiger Ruth und Egon Hörner gaben sich 1960 das Ja-Wort

Zwei Zeitzeugen seit 60 Jahren verheiratet

Archivartikel

Nassig.Sie sind begehrte Zeitzeugen, wenn es um das Kriegsende in Nassig geht. Denn beide haben es erlebt, er mit zwölf, sie mit acht Jahren. Einige Jahre später beschlossen Ruth und Egon Hörner, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Am heutige 23. Januar feiert das Paar seine Diamantene Hochzeit.

Beide sind gebürtige Nassiger und erinnern sich, wie 1945 die jungen Soldaten einquartiert wurden und für sie Brot gesammelt wurde. Ruth Hörner weiß noch, wie sie nach dem Angriff aus dem Wald kam und alles weg war, sie danach zwei Jahre mit ihrer Familie in einer Baracke wohnte. Erst zur Konfirmation konnte sie wieder in ein eigenes Haus einziehen.

Egon Hörners Elternhaus blieb zwar verschont, aber wie für seine spätere Ehefrau waren auch für ihn die Jahre direkt nach dem Kriegsende nicht leicht. Beide waren Kinder von Kleinbauern. „Die Leute sind satt geworden, mehr hatten sie nicht“, beschreibt das Paar die damaligen Zustände.

Doch allmählich wurde es besser. Ruth Hörner hatte nach dem Abschluss der Volksschule bei ihrer Tante in Haushalt und Geschäft mitgeholfen und ein Jahr die Landwirtschaftsschule besucht. Ihr Mann half den Eltern und besserte sein Taschengeld mit Gelegenheitsarbeiten auf, bis er 1956 bei der Firma „alfi“ als Stanzer anfing. „Es war am Rosenmontag“, erinnert er sich noch genau. Bereits nach vier Jahren wurde er Vorarbeiter. 37 Jahre lang führte er die Abteilung „Stanzerei“.

Von Kindesbeinen an

Ein spezielles Ereignis gab es nicht, bei dem die Eheleute Hörner zusammenfanden. Sie kannten sich ja von Kindesbeinen an. „Ein schönes Mädchen war sie schon immer“, erinnert sich Egon Hörner. Und es habe sich dann einfach so entwickelt, bis schließlich 1960 die Hochzeitsglocken läuteten.

Zunächst lebten die Hörners im Elternhaus von Ruth Hörner, bis sie 1968 ihr eigenes Haus bauten, in dem sie noch heute leben. Bald machten zwei Töchter die Familie komplett. Und inzwischen sind auch sieben Enkel mit von der Partie, zwischen 24 und 34 Jahren.

Nebenher betrieben Egon und Ruth Hörner eine kleine Landwirtschaft. Egon Hörner erinnert sich, wie er nach seiner Arbeit oft abends bis 22.30 Uhr auf dem Trecker saß und das Feld bestellte. Da blieb natürlich nicht allzu viel Freizeit.

Die große Leidenschaft des Paares lag in ihrem Garten, bis sie ihn aus Altersgründen nicht mehr bewirtschaften konnten. Außerdem war Ruth Hörner im Frauenkreis aktiv, Egon Hörner im Gesangverein und Sportverein. In der Aufbauzeit der 50er Jahre trainierte er auch mal die Jugendfußballmannschaft und chauffierte sie zu Turnieren. Heute gehen sie noch gerne spazieren.

In den Urlaub fuhren sie gemeinsam in Deutschland, aber waren auch allein unterwegs. Während Ruth Hörner ihre Auszeit gerne bei christlichen Freizeiten genoss, zog es ihren Mann in die Weite. Allein vier Mal war er in Russland und schwärmt von der beeindruckenden Landschaft, der Krim, der Flusslandschaft an Wolga und Don sowie Sankt Petersburg.

Gefeiert wird das Ehejubiläum am Samstag, wenn alle Verwandten Zeit haben. Zunächst gibt es einen Gottesdienst, danach folgt die eigentliche Feier im Familienkreis. Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen an.

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