Wertheim

Eiserne Hochzeit Inge und Hermann Walter gaben sich am 23. November 1954 das Ja-Wort

Zwei Nassiger Urgesteine seit 65 Jahren verheiratet

Archivartikel

Nassig.Sie erinnern sich noch, als Nassig am Kriegsende brannte und wie die „Blitzweiber“, die zum Arbeitsdienst im Dorf waren, die Schule als Unterkunft nutzten. Und wie das Neubaugebiet Klingenhub erschlossen wurde, in dem auch sie ihr Haus bauten. Am heutigen 23. November sind die beiden gebürtigen Nassiger Inge und Hermann Walter seit 65 Jahren verheiratet.

Erinnerungen an den Krieg

Der 1931 geborene Hermann und die 1934 geborene Inge Walter besuchten beide die Nassiger Volksschule. Er konnte gerade noch in der achten Klasse seinen Abschluss machen, während alle anderen Schüler bereits das Feld für kriegswichtige Zwecke, der Unterbringung von ausländischen Arbeitern, räumen mussten. Anschließend begann er eine Lehre als Bau- und Möbelschreiner. Sie machte ihren Abschluss dann nach der kriegsbedingten Unterbrechung.

Natürlich kannten sich die beiden von Kindesbeinen an, doch richtig näher gekommen sind sie sich am Silvesterabend 1951. Drei Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken.

Zunächst wohnte das Paar bei seinen Eltern. Hier kamen 1955 der Sohn und dann 1959 und 1967 die Töchter zur Welt. 1971 schließlich zogen sie im neu erschlossenen Gebiet Klingenhub in ihr Eigenheim, das sie mit Unterstützung von Hermann Walters Vater, der Maurer war, eigenständig erbaut haben. Hier wohnen sie noch immer und genießen vor allem ihren großen Garten mit zwei Gewächshäusern, 30 Obstbäumen, eigenen Tomaten und einem Zuhause für Bienen.

Drei Bienenvölker hat Hermann Walter von seinem Schwiegervater übernommen. Er hofft, dass er vielleicht einen seiner Enkel für das Hobby gewinnen kann, ist aber nicht sicher: „Bienen kosten sehr viel Zeit.“ Währenddessen hat sich Inge Walter gerne ihren Tortenkreationen hingegeben, die sie mit viel Liebe zum Detail aus Marzipan und anderen Zutaten für Familienfeste zubereitet.

Familie ist gewachsen

Hermann Walter arbeitete in verschiedenen Schreinereien, bis er schließlich einen besonderen Arbeitsplatz bekam: Eigentlich hatte er sich beim Krankenhaus für einen Hol- und Bringservice beworben. Doch dort wurde gerade ein hauseigener Schreiner gesucht und so füllte er diese Stelle zehn Jahre bis zu seiner Pensionierung aus. Inge Walter arbeitete viele Jahrzehnte lang in einem Wertheimer Haushalt.

Inzwischen gehören neun Enkel und neun Urenkel zur Familie. Sie werden unter anderem dabei sein, wenn heute in der Kirche ein Gottesdienst für das Jubelpaar gefeiert wird und es anschließend zur Privatfeier in den Gemeindesaal geht.

Überhaupt ist das Paar nicht unbekannt in der Ortschaft. War doch Hermann Walter Gründungsmitglied des Posaunenchors und lange Jahre im Schützenverein aktiv. Und allein der tolle Garten, den sie noch immer selbst bewirtschaften, dürfte in Nassig ein bekannter Teil der Ortslandschaft sein. nads

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