Wertheim

Kultur Bilder stammen aus dem Besitz der Familie von Hinckeldey / Einblicke ins Leben von Adligen / Teil der Ausstellung „Zu Gast bei… Private Interieurs“

Zwei besondere Gemälde im Hofgartenschlösschen

Archivartikel

Wertheim.Zwei besondere Gemälde hängen in der aktuell im Wertheimer Hofgartenschlösschen gezeigten Ausstellung „Zu Gast bei… Private Interieurs“. Um 1770 entstanden, bieten sie nahezu familiäre Einblicke wohl in das Innere eines Schlosses. In einer liebenswerten und erstaunlich offenen Szenerie wird ein Vater im Umgang mit seinem Kind gezeigt. Ein kleines Kind stibitzt beim Spiel die Karten; eine neckische, fast intime Geste zwischen einem Paar blendete der Maler am linken Rande ein.

Auf dem zweiten Gemälde zu sehen, sind adlige Personen beim Billardspiel. Von besonderem Interesse sind die vielen Details. So zeigt das Porträt über dem Kamin durchaus vergleichbare Züge mit Gemälden, die den barocken Fürsten Carl Thomas zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort darstellen. Auch für den Kostümkundler haben beide Bilder Bedeutung. Zu erkennen sind Gewänder, die heute im Original im Wertheimer Grafschaftsmuseum aufbewahrt werden.

Geheimer Rat des Fürsten

Die Bilder stammen aus dem Besitze der Familie von Hinckeldey. Der geborene Nördlinger Heinrich Hieronymus von Hinckeldey (1720 bis 1805) war für viele Jahre als Fürstlich Löwensteinscher Geheimer Rat, Kanzler und Gesandter der fränkischen Kreisverwaltung in Wertheim tätig gewesen. Sein Sohn Carl (1760 bis 1835) folgte ihm im Amt.

Heinrich Hieronymus von Hinckeldey heiratete in zweiter Ehe Elisabeth Christina Trier, die Herrin von Sinnershausen in Thüringen. Hier lebte die Familie. Hinckeldey behielt seine Wertheimer Stellung. Möglicherweise sind die auf den Gemälden abgebildeten Personen Mitglieder der Familie.

Ob die Gemälde Innenräume eines Wertheimer Gebäudes oder des Schlosses Sinnershausen zeigen, ist nicht geklärt. Direkte Beziehungen zwischen Wertheim und Sinnershausen sind durch Briefe und historische Stammbücher belegt.

Diese befinden sich im Eigentum des Historischen Vereins Wertheim. Durch Zufall konnte Jörg Paczkowski beide Bilder bereits 1993 für das Grafschaftsmuseum erwerben. Die Nachkommen der Familie Hinckeldey mussten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen und lebten in Süddeutschland.

„Wertheimer Bilder“

Ein Nachkomme entdeckte die beiden Bilder in Naumburg. Über einen Restaurator kam der Kontakt mit Wertheim zustande. Peter von Hinckeldey bot beide Bilder zum Kauf an. Er war überzeugt davon, dass diese hierher gehörten, denn in seiner Familie nannte man sie stets „Die Wertheimer Bilder“.

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