Wertheim

Vortrag Ulrich Schulte-Wülwer informierte über das Wirken des Künstlers auf der Nordseeinsel / Idealer Ort für Freilichtmalerei

Zu Eugen Brachts Zeiten war Sylt eine armselige Insel

Archivartikel

Hofgarten. Bracht.Auch Eugen , der Lehrer von Otto Modersohn und dem die noch bis zum Sonntag, 9. Februar, laufenden Ausstellung im Hofgartenschlösschen gewidmet ist, war bis 1908 öfters auf der nordfriesischen Insel Sylt. Es lag nahe, den besten Kenner über „Sylt in der Malerei“ zu einem Vortrag nach Wertheim einzuladen.

Der Förderkreis „Schlösschen im Hofgarten“ gewann den ehemaligen Direktor des Flensburger Museums und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden des Museums „Kunst an der Westküste“ (Föhr), Ulrich Schulte-Wülwer, zu dem gut besuchten Vortragsabend. Für Wertheim war der Referent kein Unbekannter. Zusammen mit Jörg Paczkowski hatte er in Wertheim und Flensburg 2009 die Ausstellung „Max Liebermann und norddeutsche Mitglieder der Berliner Secession“ organisiert.

Man kann sich heute kaum vorstellen, dass die Insel Sylt früher einmal armselig und einsam gewesen war. Die Insel war schwer zu erreichen und hatte kaum Infrastruktur.

Das mühevolle Leben der Inselbewohner wurde deutlich auf den Gemälden der norddeutschen Maler Heinrich Wrage und Hans Peter Feddersen. Man lebte unter anderem davon, dass Wracks angespült wurden, und das Strandgut mehr oder weniger Eigentum der Insulaner wurde. Die Maler haben dies in zahlreichen Bildern festgehalten.

Doch allmählich entdeckten die Maler – neben den ersten Touristen – die landschaftlichen Besonderheiten der Insel. Der „Einsamkeitsfanatiker“ Eugen Bracht – wie der Referent Bracht bezeichnete – hatte die Insel entdeckt und genoss die Uferpartien mit den Kliffs, das Wasser und den Strand und vor allem das besondere Licht und den weiten Himmel.

In Schuller-Stiftung vertreten

An zahlreichen Beispielen konnte Schulte-Wülwer die Maler benennen und ihre Werke zeigen. Von naturalistischen, fast noch romantischen Bildern wurde der Bogen gespannt über den Impressionismus bis hin zum Expressionismus. Neben nicht mehr so bekannten Künstlern waren auch Andrej Jawlensky, Hannah Höch, Arthur Segal und Emil Nolde auf der Insel.

Auch Erich Heckel und Ernst Wilhelm Nay kamen. Andere Künstler sind mit Werken auch in der ehemaligen Stiftung Wolfgang Schuller, die nun ihr Heim im Schlösschen gefunden hat, vertreten.

Eugen Brachts Gemälde von Sylt beeindruckten mit der Wiedergabe von Wolkenbergen über dem niedrigen Horizont. Ein besonderes Schicksal erlitt Franz Korwan, auch ein Schüler von Bracht. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt. Seine Frau starb auf dem Transport nach Ausschwitz. Korwan selbst kam ins Lager Gurs in Südfrankreich, wo auch Wertheimer Juden interniert waren und wurde 1942 ermordet.

„Dieser Vortrag habe besonders deutlich gezeigt“, so Jörg Paczkowski, „dass Kunst ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte einer Region ist und sie Vieles erklären kann.“ jp

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