Wertheim

Schlösschen im Hofgarten Bei Ausstellung ist ein interessantes Blatt zu sehen / Olga zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg war eine sehr begabte Malerin

Zeichenskizze der Fürstin zeigt detaillierte Familienszene

Hofgarten.In der aktuell im Kunstmuseum Schlösschen im Hofgarten gezeigten Ausstellung wird ein besonderes Blatt präsentiert: „Zimmer des Fürsten Wilhelm Löwenstein in Kreuzwertheim; Zeichenskizze der Fürstin von ihm und den ältesten Söhnen, Anfang der sechziger Jahre“ lautet die original handschriftliche Bezeichnung.

Bei den genannten Personen kann es sich nur um Fürst Wilhelm zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg und dessen Gemahlin Olga handeln. Diese war künstlerisch sehr begabt. So kennt man einige Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen ihrer Hand. Diese befinden sich zum Teil im Besitz des Historischen Vereins beziehungsweise konnten um 2010 erworben werden. Sie werden im Grafschaftsmuseum aufbewahrt.

Es überrascht, dass Kreuzwertheim auf der Zeichnung erwähnt wird. Eigentlich wohnte die fürstliche Familie damals meist außerhalb Wertheims. Fürst Wilhelm Paul Ludwig (1817 bis 1887) hatte enge Beziehungen zur berühmten Familie von Arnim. Einst hatte er sogar um die Hand von Maximiliane, der Tochter von Bettina von Arnim, angehalten. 1852 heiratete er dann Olga Klara Gräfin von Schönburg-Forderglauchau (1831 bis 1868).

Das junge Ehepaar lebte erst in München, wo Wilhelm preußischer Gesandter war. Hier wird Olga ihr Maltalent entwickelt haben. Wilhelm wurde 1861 vierter Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Man wohnte zunächst in der sogenannten Kemenate am Schlossberg in Wertheim, dann in Triefenstein, schließlich zog die Familie nach Frankfurt.

Fürstin Olga war eine sehr begabte Malerin. Es wird überliefert, dass sie bei dem Heidelberger Maler Theodor Verhas unterrichtet worden ist. Verhas hielt sich unter anderem bis 1856 in München auf. In diese Zeit dürfte die Bekanntschaft mit der Fürstin gefallen sein. Verhas und die fürstliche Familie hatten engen Kontakt. So verkehrte er mit Prinz Leopold, dem Bruder Wilhelms, freundschaftlich in Heidelberg. 1863 hielt sich Verhas in Wertheim auf und fertigte zahlreiche Zeichnungen von der Stadt an.

Das vorgestellte Blatt lebt von der Spannung. Der Innenraum mit Mobiliar ist ziemlich genau, man möchte fast sagen etwas naiv und dilettantisch, erfasst. Während der Fürst im Hintergrund in einem Stuhl sitzt und liest, scheint die Kindergruppe vor dem Schreibtisch später hinzugefügt. Anders als die eigentliche Innenraumdarstellung wirkt die Zeichnung der Kinder sehr spontan.

Skizzenhaft und souverän sind die Haltung und die Bewegung der Kinder mit flottem Strich festgehalten. Das Blatt ist nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch äußerst interessant.

Die Ausstellung „Zu Gast bei…“ - Private Interieurs von 1850 bis 1965 ist bis 1. November dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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