Wertheim

Pandemie Smoothie-Bar „Sam“ in der Neugasse schließt Ende November für immer / Kevin Pfrenzinger und Jannik Weimer beschreiben die Situation im zweiten Lockdown als „deprimierend“

„Wir ziehen die Reißleine, bevor es zu spät ist“

Archivartikel

Die Smoothie-Bar "Sam" in Wertheim muss wegen der Pandemie Ende November schließen.

Wertheim.Ein Smoothie für das Immunsystem, ein Bagel in der Mittagspause oder in der kalten Jahreszeit eine heiße Suppe zum Aufwärmen – ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass Kevin Pfrenzinger und Jannik Weimer in der Neugasse ihre Smoothiebar „Sam“ eröffnet und damit eine Lücke im gastronomischen Angebot der Wertheimer Innenstadt gefüllt haben.

Selbst für alteingesessene Gaststätten in der Region ist der erneute Lockdown schwer zu verkraften, für die beiden Smoothie-Macher bedeutet er das Aus. Voraussichtlich am Freitag, 20. November, öffnen sich ein letztes Mal die Türen, bevor die Bar für immer schließt. „Wir haben viel diskutiert, aber die Situation ist einfach zu ungewiss. Deshalb haben wir beschlossen, die Reißleine zu ziehen, bevor es zu spät ist“, bedauert Kevin Pfrenzinger, dem die Enttäuschung deutlich anzumerken ist. „Wir haben unendlich viel Arbeit, Herzblut und Liebe in diese Bar gesteckt. Die Pandemie war das Letzte, was wir gebraucht haben.“

Bekanntheit errungen

Als die Bar im Oktober 2018 öffnete, kämpften Kevin Pfrenzinger und Jannik Weimer erst einmal um Bekanntheit, mussten Kunden und Aufträge gewinnen. „Uns kannte niemand, und auch das Konzept war vielen neu“, erinnert sich Pfrenzinger. Die Wertheimer schienen von dem neuen Angebot begeistert: „Das Feedback war grandios. Anfangs standen wir bis 21.30 Uhr im Laden und haben Bagels gebacken.“ Manches Wochenspecial schaffte es auf die reguläre Karte, im Winter kamen Suppen hinzu. „Wir konnten viele Sammelbestellungen von Firmen verbuchen“, berichtet Pfrenzinger. Bei verschiedenen Veranstaltungen, wie dem Fashion Flohmarkt in der Main-Tauber-Halle, war „Sam“ als Caterer mit an Bord.

Im zweiten Jahr wollten die beiden dann voll durchstarten – doch die Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. „Beim ersten Lockdown wussten viele Kunden nicht, ob sie uns weiter besuchen dürfen“, berichten beide. Bestellungen von Firmen fielen dem Homeoffice zum Opfer, der Tourismus brach fast komplett weg. Trotzdem blieben die Smoothie-Macher optimistisch: „Wir wussten, dass der Sommer kommt.“ In der warmen Jahreszeit holten sich viele Kunden ihre Smoothies und Bagels ab und setzten sich draußen in die Sonne. Dankbar zeigen sich Kevin Pfrenzinger und Jannik Weimer für die Gutscheinaktion der Stadtverwaltung.

Die Situation im zweiten Lockdown sei in einem Wort zusammengefasst: deprimierend. „Gerade jetzt, wenn es kalt wird, waren die Sitzplätze im Lokal wichtig.“ Wieder fehlt es an Laufkundschaft, Firmen verzichten auf Großbestellungen, Veranstaltungen aller Art fallen aus. „Die Stadt ist wie leer gefegt. Keiner weiß, wie lang diese Situation noch anhalten wird.“ Die Entscheidung, zu schließen, haben sich die beiden nicht leicht gemacht. „Wir haben viel diskutiert“, berichten sie. „Man hört von Firmen und Lokalen in der Umgebung, die wegen der Pandemie schließen müssen, obwohl sie zum Teil schon jahrzehntelang existieren. Uns gibt es dagegen erst seit zwei Jahren.“ Schon als sich der zweite Lockdown abzeichnete, stand die Schließung als letzter Ausweg im Raum. „Wie wir jetzt während des Lockdowns merken, war es die richtige Entscheidung“, sind sich Kevin Pfrenzinger und Jannik Weimer trotz Bedauern einig.

Hinter den Kulissen müssten sie nun viele bürokratische Fragen klären: „Versicherung hier, Kündigung da – es sind viele Telefonate und E-Mails.“ Corona sei auch für Versicherungen ein neuer Fall und es gebe viele Unklarheiten.

Wie es für die beiden jungen Männer persönlich weitergeht, können sie derzeit noch nicht sagen. „Wir haben viele wichtige Erfahrungen gesammelt und ein schönes Sortiment zusammengestellt. Ob wir aber wieder in die Gastronomie zurückkehren werden, wird die Zeit zeigen“, blickt Pfrenzinger in eine unklare Zukunft. Bisher halten sie sich mit Plänen zurück, „bis sich die Corona-Situation und die Folgen etwas klarer abzeichnen“.

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