Wertheim

Volkstrauertag In Waldenhausen gab es eine kurze Zeremonie am Kriegerdenkmal / Gerrit Lang: Mit Geschichte auseinandersetzen, um Fehler nicht zu wiederholen

„Wir alle müssen Tag für Tag für den Frieden arbeiten“

Waldenhausen.In Wertheim ersetzte man in Kernstadt und vielen Ortschaften die regulären Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag am Sonntag durch ein stilles Gedenken mit Kranzniederlegung ohne Bürger.

Waldenhausen hatte sich jedoch ganz bewusst dafür entschieden, eine kleine Gedenkfeier mit den Einwohnern unter Einhaltung strenger Coronaregeln durch zuführen. Ortsvorsteher Gerrit Lang, der beruflich bei der Bundeswehr ist, erklärte dazu: „Für mich als Staatsbürger in Uniform und für die Reservistenkameradschaft Waldenhausen war es indiskutabel, diesen Gedenktag nicht durchzuführen.“ So traf man sich abstandhaltend im Freien zu einer kurzen Zeremonie am Kriegerdenkmal vor dem Friedhof.

Seine Ansprache leitete Lang mit Zitaten aus einem Feldpostbrief eines jungen Waldenhäuser Bürgers aus dem Dezember 1942 ein, in dem sich dieser bei seiner Familie für den übersandten Kuchen bedankt, den er mit den Kameraden geteilt habe. Weiter zitierte Lang aus einem Kondolenzschreiben, das vom Tod dieses jungen Soldaten im Januar 1944 berichtete.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 sei die Erwartungshaltung des überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung gewesen, dass es ein kurzer erfolgreicher Waffengang mit anschließender Rückkehr zur friedlichen Normalität werde, so Lang. „Doch es kam anders. Es begann ein vierjähriges blutiges Massensterben mit Millionen Toten. Kurzum: Es wurde die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts.“ Am Volkstrauertag gedenke man 106 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg und 81 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Gleichzeitig wolle man mahnen, dass die Versuchung, Gewalt an Stelle von Verständnis und Vernunft treten zu lassen, nur in einem menschlichen Fiasko enden könne. „Dieses Gedenken ist leider nicht mehr selbstverständlich, da es immer weniger Zeitzeugen der beiden Kriege gibt.“ Gleiches gelte für betroffenen Familien und Angehörige, denn eine so lange Friedenszeit habe es in Mitteleuropa noch nie zuvor gegeben. „Wir alle müssen weiterhin Tag für Tag an diesem Frieden arbeiten und alles dafür tun, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit, dass Krieg und Terror bei uns keinen Chance haben.“

Er verwies darauf, dass den Menschen in Deutschland die weltweiten Auseinandersetzungen bewusster seien, seit die Bundeswehr in Auslandseinsätzen eingesetzt wird und Opfer zu beklagen habe. So solle man diesen Volkstrauertag auch mit dem Gedenken an die jungen Menschen verbinden, die irgendwo auf der Welt, in Namen Deutschlands ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.

„Wir brauchen immer wieder die Auseinandersetzung mit der Geschichte, um nicht die Fehler früherer Generationen zu wiederholen.“ „Jedes Schicksal, jede Geschichte ist es Wert, dass man sich ihrer erinnert.“ Denn solche Erinnerungen würden prägen und beeinflussten das Handeln und den Umgang miteinander. Nur wer sich erinnere, könne aus der Geschichte lernen und so eine bessere Zukunft gestalten. Deshalb müsse man die Einzelschicksale sehen, im persönlichen Umfeld nach Spuren suchen und die wenigen Zeitzeugen, die es noch gibt, anhören.

In Erinnerung an die bedrückenden Schicksale, müsse die Botschaft für alle lauten: „Nie wieder!“ In seiner Totenehrung gedachte er allen Opfern, von Gewalt und Krieg, an Kindern, Frauen und Männern aller Völker.“ Beispielhaft nannte er Menschen, die durch Kriegshandlung, Gefangenschaft oder als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren und Menschen, die wegen ihrer Herkunft, ihrer Rasse, wegen Behinderung und Krankheit oder ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit getötet wurden.

Außerdem gedachte er jenen, die getötet wurden, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben und solchen, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung und ihrem Glauben festhielten.

Pfarrer Fritz Kabbe bezog sich in seinem Gebet auf Menschen, die sich für Frieden einsetzen. Jesus solle „den Menschen Kraft geben, um aufzustehen für Gerechtigkeit und Frieden.“ Zur musikalischen Umrahmung von Ralf Herr an der Posaune legten die Mitglieder der Reservistenkameradschaft den Kranz am Kriegerdenkmal nieder. bdg

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