Wertheim

Vortragsmatinee im Schlösschen Dr. Benno K. Lehmann über Eugen Bracht und den Einfluss der Politik

Wenn Kunst zur „Kleckserei“ wird

Hofgarten.Zahlreiche Zuhörer konnte der erste Vorsitzende des Förderkreises Schlösschen im Hofgarten, Heiko Albrecht, zur Vortragsmatinee im Schlösschen begrüßen. Albrecht wies auf die wundervollen Herbstfarben im Park hin, die eine harmonische Ergänzung zu den Landschaftsbildern Eugen Brachts, die gegenwärtig gezeigt werden, darstellen. Den Referenten, Dr. Benno K. Lehmann, bezeichnete Albrecht als langjährigen Freund der Stiftung.

Dieser schilderte zunächst in seinem Vortrag „Künstlerkonflikt auf Messers Schneide“ die Kunstentwicklung um 1900, in der er darauf hinwies, dass Intrigen in der Kunstszene damals wie heute vorhanden sind – die Einflussnahme der Politik in die künstlerischen Gestaltung besonders jedoch stark war. Drei wichtige Maler stellte er vor: Anton von Werner, Eugen Bracht und Adolf von Menzel.

Malerei als Propaganda

Zu Beginn des Kaiserreiches spielte die Historienmalerei eine ganz besondere Rolle, denn sie diente der Propaganda des Kaiserhauses. Anton von Werner war ein konservativer, bedeutender Maler, der bereits 1871 zur Kaiserproklamation in Versailles eingeladen war, um dieses Ereignis in einem Gemälde festzuhalten. Wie auf dem Gemälde „Die Proklamation in Berlin“ schilderte Werner 1877 die Szene genau und hat alle wichtigen Personen exakt wiedergegeben. Kaiser Wilhelm und Kronprinz Friedrich waren begeistert. Werner wurde einer, wenn nicht sogar der wichtigste und einflussreichste Künstler in Berlin.

1882 folgte für ihn ein weiterer bedeutenderer Schritt. Er erhielt den Auftrag für ein riesiges Wandgemälde „Die Schlacht bei Sedan“, bei der Deutschland Frankreich im Krieg 1870/71 entscheidend schlug. Dieses Gemälde sollte nun der Durchbruch für Eugen Bracht werden. Anton von Werner beauftragte seinen Freund Bracht mit der Darstellung der Landschaft. Werner äußerte sich begeistert über Brachts Arbeit. Lehmann machte allerdings auch deutlich, dass in der künstlerischen Auffassung, die Wege von Bracht und Werner sich zu trennen begannen.

Der Stimmungsrealismus

An zahlreichen Beispielen machte der Referent deutlich, dass Bracht in seinen Gemälden die Stimmung, das atmosphärische Erlebnis also einen Stimmungsrealismus betonte.

Kaiser Wilhelm II und Anton von Werner übten allmählich Kritik an der Kunst Brachts, sie sei von dem französischen Impressionismus beeinflusst. Endgültig zum Bruch kam es, als Bracht und viele weitere Künstler, wie Max Liebermann, sich gegen eine Schließung der Edvard-Munch-Ausstellung in Berlin aussprachen. Werner und der Kaiser sahen in Munchs Malerei nur „Scheußlichkeiten“ und „Klecksereien“.

Nun wollte von Werner Eugen Bracht los werden, verhinderte eine Stellung an der Akademie. Aber nicht nur das kunstpolitische Verhalten Brachts wurde von beiden kritisiert, sondern nun auch seine Bilder. Der Kaiser erklärte, dass er „das Zeug“ nicht mehr verstehen würde und er froh sei, frühere Bilder von Bracht zu besitzen. 1901 verwehrte von Werner Eugen Bracht die Übernahme eines Meisterateliers. Er forderte Bracht sogar auf, aus der Akademie zurückzutreten, er bekäme – wenn er dies täte – sogar eine Gehaltserhöhung. Bracht sah in allem ein abgekartetes Spiel und war froh, dass das fortschrittliche Dresden ihn an die Akademie berief.

Bracht war kein revolutionärer Maler, aber in seinem Werk kann man die Entwicklung hin zum Impressionismus erkennen.

Die Darstellung des Lichts, die Auflösung der Form durch Farbe und das Ausschnitthafte sind in seinem späteren Werk durchaus zu erkennen. Bracht hatte insgesamt 250 Schüler, von denen einige mit nach Dresden gingen.

Benno Lehman ging in seinem Vortrag auch noch auf die Rolle von Adolf von Menzel ein, der schon früh Tendenzen zum Impressionismus zeigte, aber auch noch Historienbilder malte, die dem Kaiserhaus gefielen, obwohl auch in ihnen durchaus moderne malerische Züge vorkamen. Menzel verteidigte auch immer wieder Max Liebermann. Die Berliner Kunstszene zeigte zumindest seit Gründung der Berliner Secession fortschrittliche Ideen, doch das offizielle Kunst-Berlin war geprägt von „diktatorischen Verhältnissen“ durch Anton von Werner, der sich dezidiert gegen „Moderne Kunst“ - vor allem aus Frankreich - aussprach und keine Frauen an den Akademien zuließ.

Übertragbare Abhängigkeit

Der Vortrag hat gezeigt, wohin Intoleranz führt, so Kurator Jörg Paczkowski in seinem Dank an den Referenten. Er meinte, dass sich die Diskussion zur Abhängigkeit der Künstler auf die Politik übertragen ließe.

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