Wertheim

Literatur Bernd Wältermann fasst die Erlebnisse einer Tour in seine frühere Heimat im Buch „6 Tage in Wertheim“ zusammen

Wenn einer eine Reise tut . . .

Archivartikel

Viele Jahre hatte er seiner Heimat den Rücken gekehrt. Doch dann reiste Bernd Wältermann für sechs Tage nach Wertheim. Seine Erlebnisse fasste er in einem Buch zusammen.

Wertheim. An diesem Morgen sitzt Bernd Wältermann im Clubhaus des FC Eichel. In der Hand hält er ein druckfrisches Exemplar seines Buchs. „6 Tage in Wertheim“ lautet der Titel, ist aber keine reine Reisebeschreibung.

Bernhard, genannt Bernd, Wältermann wurde 1945 in Eichel geboren, arbeitete viele Jahre bei der Deutschen Post und wurde ein Jahr nach Gründung des FC Eichel Mitglied im Verein. Er spielte in der zweiten Mannschaft. Der Liebe wegen zog er nach Brühl, heiratete, absolvierte eine Banklehre und wechselte seinen Beruf.

Die ersten Jahre nach seinem Wegzug besuchte Bernd Wältermann regelmäßig seine Familie in Wertheim. Nachdem Eltern und Schwester nicht mehr da waren, gab es keinen Grund mehr für diese Reise.

Die Jahre strichen ins Land. Doch irgendwann fielen ihm zwei Konzertankündigungen für die niederbayerische Musikgruppe Haindling und Willy Astor auf der Burg Wertheim auf. „Für mich war das der ideale Grund, meiner früheren Heimat nach Jahren wieder einen Besuch abzustatten“, erinnert sich Wältermann. Mit gemischten Gefühlen habe er sich auf die Reise gemacht. „Früher kannte ich in Wertheim 95 Prozent der Haushalte. Als ich die Reise antrat, dachte ich nur: Du kennst hier niemanden mehr und dich kennt auch niemand mehr – ich habe mich geirrt.“

Die Notizen

Während seiner Reisen notiert sich Wältermann zur Erinnerung Stichworte. „In Wertheim habe ich soviel erlebt, dass ich schon nach kurzer Zeit eine Unmenge an Notizen hatte“, erzählt der Autor an diesem Vormittag.

Sechs Tage verbringen Bernd Wältermann und seine Frau in Wertheim. Und siehe da, er trifft durch Zufall nicht nur alte Bekannte, sondern viele Menschen, die mit dem FC Eichel, der Post oder früheren Bekannten irgendwie verbandelt sind.

Ob das überraschende Zusammentreffen mit Egon, dem Briefträger, den Schwierigkeiten bei der gewünschten Einsicht ins Geburtsregister, dem Tanzpartner seiner Schwester mit Namen Kronmüller – Wältermann verwebt die Vergangenheit mit den Begegnungen und den Geschichten der Menschen.

„Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich da drin vorkomme“, sagt beispielsweise Siegfried Lumpp. Er sei fast erschrocken gewesen, als er davon gehört habe, sagt der Rekordspieler des FC Eichel. Aber 981 Einsätze bringen Lumpp eben nicht nur die Ehrenmitgliedschaft im Verein, sondern auch zurecht eine Erwähnung in Wältermanns Buch ein.

Prägend für Wältermann war auch der Kontakt mit dem inzwischen verstorbenen Uwe Bauer, dem Redakteur der Fränkischen Nachrichten und Vereinsmitglied. Bauer habe ihn nicht nur zu diesem Buch ermuntert, sondern mit zahlreichem Material unterstützt und den Kontakt zur Druckerei hergestellt. Zum Korrekturlesen ist er leider nicht mehr gekommen.

„Ohne Uwe hätte es das Buch nicht gegeben“, sind sich Wältermann und die beiden Vorsitzenden des FC Eichel, Mirco Göbel und Kai Grottenthaler, sofort einig.

Seiner Frau erzählte Wältermann jedoch erst einmal nichts vom Projekt „Buch“. „Ich habe befürchtet, dass sie mich als Spinner bezeichnen würde“, grinst Wältermann.

Rund eineinhalb Jahre hat er an diesem Buch gearbeitet. Unterschiedliche Fassungen wurden mehrfach umgearbeitet. „Erst waren es 20, dann 40 und nun sind es 70 Seiten“, freut sich der Autor. Vor ein paar Tagen erhielt er die ersten Exemplare, las im Bekanntenkreis daraus vor und erntete viel Applaus.

Mirco Göbel, Kai Grottenthaler und Siegfried Lumpp sind die ersten Wertheimer, die einen Blick ins Buch werfen dürfen. „Es ist spannend und gut nachvollziehbar geschrieben. Außerdem ermuntert es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen“, sagt Göbel. „Das Buch entwickelt seinen Reiz durch die sehr persönliche Note, weil es autobiografische Züge trägt und sehr viel Wert auf Zwischenmenschliches gelegt wird“, ergänzt Kai Grottenthaler. Weil zu einem großen Teil das Vereinsleben in dem Buch eine Rolle spielt und Vereinsmitglied Uwe Bauer stark involviert war, halten die beiden Vorsitzenden Wältermanns Buch für eine Bereicherung ihrer Chronik. Wältermanns Verbundenheit zum FC Eichel zeigt sich auch darin, dass er den kompletten Erlös dem Förderverein spenden wird.

Für die Jugend

„Für unsere Jugendarbeit ist jeder Cent nötig und gut angelegt“, meint Göbel über den möglichen Verwendungszweck. „Bei 210 Kindern und Jugendlichen wird uns schon was einfallen“, ergänzt Grottenthaler sofort. Auf die Frage, ob es eine Fortsetzung geben werde, winkt Bernd Wältermann ab. „Soll ich das wirklich schon erzählen? Nein, das mache ich nicht. Lieber sage ich nicht ja und nicht nein.“