Wertheim

Freiwillige Feuerwehr 17 von 166 Einsätzen sind im Jahr 2020 für die Rettung von Tieren oder wegen des Befalls durch Insektenvölker ausgelöst worden

Wenn das Chamäleon auf dem Dach sitzt

Neben dem Löschen von Bränden und dem Retten von Menschen aus Gefahrensituationen gehört auch die Tierrettung zu den Einsätzen, welche die Wertheimer Feuerwehr absolviert.

Wertheim.„Wenn‘s brennt, dann kommt die Feuerwehr“, heißt es in einem Kinderlied. Doch die zahlreichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr rücken nicht nur aus, wenn es gilt, Rauch und Flammen zu bekämpfen. Hilfeleistungen bei Unfällen, Türöffnungen und Tierrettung stehen genauso im Einsatzplan. Bis Ende Dezember verzeichnet die Wertheimer Wehr im vergangenen Jahr insgesamt 166 Einsätze. Davon tragen allein 16 die Bezeichnung „Tierrettung“ oder „Insekten“.

Die bislang letzte Tierrettung, zu der die Einsatzkräfte ausgerückten, fand am 24. Dezember gegen Mittag statt. Bürger berichteten, dass sich ein Reh seit einigen Tagen auf einem leerstehenden Gartengrundstück aufhalte. Durch hohe Mauern saß es fest, weshalb die Feuerwehr eine Tür aufbrach. Das Tier flüchtete, sprang anschließend in den Main und schaffte es gesund und munter am Ufer in Kreuzwertheim an Land.

Zuvor, am 17. Dezember, alarmierte ein Hilferuf aus Urphar die Einsatzkräfte. Hier war eine Katze durch ein verbogenes Kanalgitter in ein Kanalrohr gekrabbelt und kam nicht allein heraus. Ihr Maunzen machte Bürger aufmerksam. Bevor die Rettung starten konnte, mussten die Einsatzkräfte erst eine Hecke entfernen, um Zugang zum Kanal zu bekommen. Anschließend wurde die Katze mit einem Druckschlauch zum Ausgang getrieben und mit einem Teppichrest herausgezogen.

Auch wenn man beim Thema Tierrettung durch die Feuerwehr immer die Katze im Baum vor Augen hat, so bestätigen Stadtbrandmeister Torsten Schmidt und Rainer Schwenk von der Gerätewartung, dass genau dieser Fall eher die Ausnahme ist. Viel öfter habe man es mit Einsätzen zu tun, die durch Insekten ausgelöst werden, oder die der Unterstützung des Insektenbeauftragten des Landkreises dienen. Allein im Juli 2020 musste die Wehr sieben Mal wegen Beseitigung von Insektennestern ausrücken.

Bussard wehrt sich

Noch gut in Erinnerung geblieben ist den Feuerwehrleuten der Einsatz am 19. November in Vockenrot, als Passanten einen ohnmächtigen Mäusebussard fanden und ihn mitgenommen haben. Im Auto kam der Raubvogel wieder zu sich und wehrte sich heftig. Mit Visier und Handschuhen bewaffnet konnten die freiwilligen Helfer den Bussard aus dem Auto entfernen. Das Tier wurde im Anschluss zu einer Auffangstation gebracht. Eine Taube im Fallrohrtrichter, ein weiteres Reh in einem eingezäunten Garten oder eine ganze Entenfamilie in einem Gulli – die Liste der Einsätze könnte bunter kaum sein. Auch ein Chamäleon wurde im Mai in Reicholzheim mittels Drehleiter aus der Dachrinne geholt und anschließend wieder seinem Besitzer übergeben.

Gleich mehrfach beschäftigte ein Schwan auf der Tauber am „Pils-Stüble“ die Rettungskräfte. Das stolze Tier hatte sich einen Angelhaken am Fuß eingefangen und die Angelsehne um die Beine gewickelt. Das war am 18. September. Trotz aller Bemühungen konnte der Schwan erst ein paar Tage später aus seiner misslichen Lage befreit werden. Das entkräftete Tier wurde mit Futter an den Rand gelockt und eingefangen. Ein Tierarzt entfernte den Angelhaken, bevor der Schwan wieder am Main in Freiheit entlassen wurde.

Wie Schwenk berichtet, habe die Wehr immer wieder mit der Rettung von Schwänen zu tun. Sogar eine Natter in einem Wohnhaus löste einen Einsatz aus. Das liegt allerdings schon einige Zeit zurück. Genau wie der Biss der Katze, der dafür sorgte, dass Rainer Schwenk für neun Tage in ein Krankenhaus musste. Die meisten Einsätze dieser Art gingen allerdings mit einem Erfolgserlebnis für Tier und Menschen aus.

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