Wertheim

Freizeit Corona-Regeln legen die Hürden für Freizeitaktivitäten auf dem Main sehr hoch / DLRG rät ab: „Jeder, der verunglückt bringt sich und Retter in Gefahr“

Wassersport erlaubt, aber kaum möglich

Archivartikel

Wassersport ist bei Einhaltung von Regeln auch während der Corona-Pandemie möglich. Allerdings bestehen beträchtliche Hürden. Die DLRG warnt vorm Baden in unbewachten Gewässern.

Wertheim. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint an manchen kräftig. Da hält es kaum jemanden drinnen. Seen und Flüsse sind beliebte Ausflugsziele und laden zum Sporttreiben ein. Doch was ist in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt erlaubt? Die Wertheimer Bürger müssen hier zwei Landesverordnungen beachten, je nachdem wo sie sich befinden. Schließlich bildet der Main die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

In beiden Bundesändern ist es erlaubt, zum Sport treiben – alleine oder in Begleitung einer Person, die nicht zum Haushalt gehört – nach draußen zu gehen. So ist es kein Problem sich beim Stand-Up-Paddeln, Kajak-, Kanu-, Ruder oder Segelbootfahren sportlich zu betätigen, sofern man ein eigenes besitzt. Alle Einrichtungen, die diese verleihen, sind geschlossen. Wer mit dem Motorboot ein paar Runden drehen möchte, muss aufpassen, wo er sich aufhält.

In Bayern untersagt

Motorisierter Wassersport ist in Bayern untersagt, da der sportliche Aspekt in den Hintergrund tritt. In Baden-Württemberg kann man diesem Hobby nachgehen, aber die Yachthäfen sind seit dem 9. April geschlossen. Dies gilt für beide Bundesländer. Hier sind lediglich Instandhaltungsarbeiten erlaubt, wie Mirco Gronitzki vom Wassersportverein Bettingen berichtet. Beiden Landesverordnungen ist weiter zu entnehmen, dass man in Ausnahmefällen diese Häfen betreten darf, um zum Beispiel sein Boot vor Beschädigung zu sichern.

Wer also in Baden-Württemberg sein Motorboot über eine andere Slipstelle (schräge Ebene, auf der Boote und Schiffe zu Wasser gelassen oder an Land gezogen werden können) ins Wasser bringt, kann ein paar schöne Stunden auf dem Wasser verbringen. Vorausgesetzt wird natürlich die Einhaltung der allgemein gültigen Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Das Problem ist nur, dass es auf Wertheimer Gemarkung keine solche Slipstelle gibt. Hierzu müsste man ins bayrische Kreuzwertheim fahren, was aber nicht erlaubt ist, so die Aussage des Schiffahrtsamts Aschaffenburg.

Theoretisch wäre sogar Wasserskifahren möglich, wenn alle drei Personen, die man dazu benötigt, aus einer Familie kommen, so Gronitzki. Doch die Deutsche-Lebens-Rettungs Gesellschaft (DLRG) bittet darum, von solchen Aktivitäten und Wassersport im Allgemeinen abzusehen.

Jeder, der im Wasser verunglückt, bringt nicht nur sich, sondern auch die Retter im Wasser und an Land in eine Gefahrensituation. Bei der Rettung aus dem Wasser besteht keine Möglichkeit Schutzkleidung zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion zu tragen, so die DLRG.

Dieser Appell bezieht sich auch auf das Schwimmen in unbewachten Gewässern wie Main, Tauber und den vielen Seen im Main-Tauber-Kreis. Gerade wenn die Temperaturen weiter steigen und die Schwimm- und Freibädern geschlossen sind, locken diese Wasserflächen viele Menschen an. Doch im letzten Jahr ertranken 362 Personen in unbewachten Freigewässern, das sind 87 Prozent aller Ertrinkungsopfer.

Jürgen Englert, Leiter Einsatz im DLRG Bezirk Frankenland, befürchtet, dass die Hilfs- und Rettungsorganisationen vermehrt zu solchen Einsätzen gerufen werden, sollten die Freibäder geschlossen bleiben. Deshalb hat die DLRG auf Bundesebene eine Stellungnahme zu diesem Thema abgegeben.

„Bleibt an Land!“

Um dem Baden in unbewachten Gewässern entgegenzuwirken, befürwortet sie die Öffnung der Freibäder unter verschärften Hygienebedingungen und mit Abstandsregeln. Ob und wann dies der Fall ist, bleibt jedoch fraglich. Der Badebetrieb wirtschaftlich sein, aber die Kommunen haben auch eine gewisse Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Bürgern. Aber bis das passiert, gilt der Appell der DLRG: „Bitte bleibt an Land – so schwer es auch fällt.“ Selbst die DLRGler können ihrem geliebten Hobby im Moment nicht nachgehen. Eine Freizeitbeschäftigung, die weiterhin möglich ist: das Angeln, wenn man die geltenden Abstandsregeln einhält. Oder einfach ein Sonnenbad mit dem Plätschern des Wassers im Hintergrund.

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