Wertheim

Leserbrief Zu „Knappe Kassen verhindern Sanierung“ (FN, 23. Oktober)

„Was die Enkel lernen können“

Archivartikel

Ich halte es für falsch, dass Großväter und ehemalige NSDAP-Mitglieder ohne Wenn und Aber später in führenden Positionen aktiv sein konnten.

Ich halte es für falsch, dass die Studenten 1968 die Väter noch aufrufen mussten, sich endlich mit der NS-Vergangenheit auseinander zu setzen.

Ich halte es für falsch, dass die Enkel die ehemaligen Zwangsarbeiter im Ausland suchen, um deren kleine Entschädigungsrenten zu besteuern. Aber ich halte es für richtig, dass die Enkel sich nicht schuldig fühlen, für das was ihre Großväter falsch machten.

Natürlich sollten die Enkel hinschauen und aus dem Krieg der Großväter lernen.

Der Krieg sollte ein Mahnmal sein und zeigen, wozu Menschen fähig sind. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

So darf ein Jüdischer Friedhof in Wertheim gerne als Mahnmal dienen. Und dann finanziell gefördert werden.

Aber ein Jüdischer Friedhof, der nicht öffentlich zugänglich ist, nach Jüdischen Vorschriften zu betreten ist und Eigentum einer israelischen Gemeinschaft ist?

Nein, hier muss eine Gemeinde in Zeiten knapper Kassen nicht über ihre Verhältnisse leben.

Und sie muss sich dafür auch nicht schämen, dass das Geld für große Sanierungsmaßnahmen in diesen Zeiten fehlt.

Den Enkel trifft keine Schuld für seinen Großvater.

Dem Enkel stellt sich aber sehr wohl eine moralische Aufgabe: dem Frieden zu dienen.

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