Wertheim

Bauausschuss Weg für Erweiterungen von Neubaugebieten in Vockenrot und Sachsenhausen freigemacht / Quadratmeter in Waldenhausen kostet 127 Euro

Wachstumschance für die Ortschaften geschaffen

Archivartikel

Wertheim.Der Bedarf an Bauland in der Großen Kreisstadt bleibt hoch. Die Verwaltung versucht, der Nachfrage mit der Ausweisung neuer Baugebiete nachzukommen. Der Bauausschuss brachte am Montag die Bereitstellung zusätzlicher Flächen in Sachsenhausen und Vockenrot voran. Zudem wurden Arbeiten für die Resterschließung eines Gebiets in Dertingen vergeben und die Preise für Bauplätze in Waldenhausen festgelegt.

127 Euro pro Quadratmeter müssen Käufer berappen, die in Waldenhausen („Nördlicher Felderflur“) bauen wollen. Das ergab die Kalkulation der Stadtverwaltung. Neun Bauplätze mit der Gesamtfläche von fast 5000 Quadratmetern stehen zur Verfügung. Die Erschließung erfolgt noch in diesem Jahr.

Für das Wohngebiet „Kurze Arten“ in Vockenrot brachte der Bauausschuss den Bebauungsplan auf den Weg. Zuletzt waren dort vor vier Jahren im zweiten Abschnitt 25 Bauplätze innerhalb kürzester Zeit verkauft worden. Die Stadt habe daran über 200 000 Euro verdient, berichtete Stadtteilbeiratsvorsitzender Gerhard Albrecht. Weitere 15 Bauflächen sollen auf einer Fläche von 1,26 Hektar im nächsten Abschnitt südlich der „Oberen Reinhardswiesen“ dazukommen.

Einwohnerzahl fast verdoppelt

Patrick Schönig (SPD) berichtete, die Einwohnerzahl Vockenrots sei seit Ende der 1980er Jahre durch Erweiterungen „nahezu um das Doppelte“ gestiegen. Er beklagte, dass das Dorf aber lediglich über eine Infrastruktur verfüge, die den 350 Einwohnern von damals entspreche. Der Stadtteilbeiratsvorsitzende Gerhard Albrecht bestätigte, dass zuletzt 580 Einwohner gezählt wurden.

Schönig regte an, über eine verbesserte Anbindung des „großen, 300-Einwohner–Gebiets“ an die Nassiger Straße (L 508) nachzudenken. Bisher ist das Viertel lediglich über die Reinhardswiesen angebunden. Stadtbaumeister Armin Dattler entgegnete, dass nach den vorliegenden Verkehrszahlen ein Anschluss an die Landesstraße nicht erforderlich sei. Gerhard Albrecht regte noch an, eine Bushaltestelle an der Nassiger Straße zu realisieren. Die derzeitige an der Ampel werde kaum genutzt.

Der Nachbarort Sachsenhausen darf sich nach langer Vorbereitungszeit auch über ein neues Baugebiet freuen. 23 weitere Bauplätze sollen nördlich des bestehenden Gebiets „Furt“ entstehen. Laut Ortsvorsteher Udo Beck hat sich die Angelegenheit „etwas hingezogen“. Der Ortschaftsrat habe aber mit der Verwaltung eine Lösung gefunden. Richard Diehm (Grüne) möchte im späteren Verfahren Solaranlagen für Neubauten verpflichtend vorschreiben. Zudem bemängelte er die schlechte Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr.

Christian Ulzhöfer (Bürgerliste) zog die Nachhaltigkeit bei der Ausweisung von Neubaugebieten im dem Wertheimer Stadtgebiet in Zweifel. Er fragte: „Lohnt es sich, alle Ortschaften auszubauen, oder ist es nicht sinnvoller, sich auf Entwicklungszentren zu fokussieren?“ Patrick Schönig (SPD) sagte dazu, dass in Wertheim die Ortschaften durchaus schon „unterschiedlich intensiv“ entwickelt würden. Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez warnte davor, bei der Diskussion um die Wohnbaupolitik ausschließlich mit Kosten zu argumentieren.

Als man sich in den 70er Jahren dazu entschlossen habe, aus der Kernstadt, den Stadtteilen und den Ortschaften die Große Kreisstadt zu formen, habe man sich darauf verständigt, „dass man aufeinander Rücksicht nimmt und allen Raum gibt, sich weiter zu entwickeln.“ Die Stadt müsse deshalb dafür sorgen, die Ortschaften zu erhalten.

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