Wertheim

Sommerferien-Zeit Viele Daheimgebliebene suchen an heißen Tagen an unbewachten Gewässern Erfrischung / Tipps der DLRG

Vorsicht beim Baden in Seen und Flüssen

Archivartikel

Viele in der Region werden ihren Sommerurlaub zu Hause verbringen (müssen). Um der Hitze zu entgehen, suchen sie Abkühlung – an Flüssen und Seen. Die DLRG gibt hierzu wertvolle Tipps.

Odenwald-Tauber. „Dass Baden in offenen Gewässern gefährlich ist, zeigt die jährliche Ertrinkungsstatistik der DLRG. Demnach sind 2018 insgesamt 503 Personen ertrunken. Die meisten von ihnen verunglückten dabei in Flüssen und Seen“, blickt Andreas Hoffmann von der Ortsgruppe Wertheim zurück. Insgesamt 394 Menschen seien in solchen natürlichen Gewässern ums Leben gekommen. Zum Vergleich: Im Schwimmbad seien nur 29 Personen gestorben.

„Die Gefahren sind in einem fließenden Gewässer natürlich die Strömung oder das teils unbekannte Ufer. Hier besteht beispielsweise durch kantige große Steine ein Verletzungsrisiko. Der Sog und anschließende Wellengang durch vorbeifahrende Schiffe und die Schifffahrtslinie an sich bergen ein sehr großes Risiko.“ Außerdem käme oft auch Alkohol in Kombination mit Selbstüberschätzung hinzu.

Weder gutheißen noch empfehlen

Die DLRG werde oft erst 30 bis 60 Minuten nach einem Unglück alarmiert, dann sei es aber oft zu spät. „Daher können und wollen wir vonseiten der DLRG das Baden im Main wegen des erhöhten Risikos weder gutheißen noch empfehlen“, macht Hoffmann klar.

Als zumindest sicherer als der Main werde von der DLRG das Baden in der Tauber eingestuft. Weniger Tiefgang und kein motorisierter Schiffsverkehr sorgten dafür, dass das Badevergnügen in der Tauber bis kurz vor der Mündung in den Main eher ungefährlich sei.

„Aber auch hier heißt es: wachsam sein und mögliche Gefahrenquellen meiden.“

Die DLRG sei präventiv zur Unterstützung der Schwimmmeister im Freibad tätig, das sei mit Abstand die sicherste Variante zum Schwimmen. „Auch ein Badesee wie in Freudenberg, der ebenfalls von der DLRG bewacht wird, ist wesentlich sicherer als der Main.“

Bei jeder unbewachten Badestelle, sei es in einem Fluss oder See, könne schon ein Krampf – ausgelöst durch ein langes Sonnenbaden oder auch durch intensiven Sport – zu einer lebensgefährlichen Situation führen. Je höher die Außentemperaturen seien, um so risikoreicher könne auch ein unbedachter Sprung ins kühle Nass sein, „denn der Kreislauf muss den Unterschied erst einmal verkraften. Um sich abzukühlen, soll man dies auf keinen Fall ruckartig, sondern langsam machen“, meinte Andreas Hoffmann weiter gegenüber unserer Zeitung.

Besonders Kinder und Jugendliche neigten dazu, ihre Schwimmfähigkeiten im Wasser zu überschätzen. Eltern sollten deshalb ihre Kids stets im Auge behalten. Kleinkinder sollten immer in „Griffnähe“ zu den Eltern schwimmen. Kinder oder Jugendliche sollten zudem nie alleine Schwimmen gehen und immer in bewachten Bereichen baden. „Da Kinder und Jugendliche häufig die Gefahren beim Schwimmen nicht einschätzen können, ist aber hier auch elterliche Aufklärung gefragt. Diese sollten ihre Kinder auf mögliche Gefahrenquellen hinweisen, so dass sie die Tücken der Naturgewässer nicht unterschätzen.“

„Bädersterben“ bereitet Sorgen

Die DLRG-Gruppen Wertheim und Urphar hätten zurzeit über 40 Rettungsschwimmer, sagt Hoffmann. Diese seien ehrenamtlich beim Freibadwachdienst im Sommer eingesetzt, außerdem gebe es noch einen Einsatztrupp mit Tauchergruppe, Bootstrupp und Rettungshundestaffel. Großen Anteil legten beide DLRG-Gruppen auf ihre Ausbildungsarbeit im Rettungsschwimmen, aber auch auf eine intensive, ganzjährige Jugendarbeit.

Große Sorgen bereite der DLRG bundesweit das weit verbreitete „Bädersterben“ in den letzten Jahren, denn jedes geschlossene Frei- oder Hallenbad bedeute weniger Schwimmkurse. „Somit verwundert es nicht, dass die Ertrinkungszahlen wieder ansteigen, bei der Altersgruppe bis fünf Jahre ist dies mittlerweile die Todesursache Nummer eins, bei den Sechs- bis Zehnjährigen steht das Ertrinken an zweiter Stelle. Über 60 Prozent aller Grundschüler in Deutschland sind Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer, Tendenz steigend.“

Für Wertheim als selbsternannte Familienstadt sollte daher alles unternommen werden, dass es niemals zu einem Vakuum bei den Bädern komme. Der eingeschlagene Weg zu einem neuen Hallenbad sollte daher konsequent weiterverfolgt werden und vorrangig behandelt werden, denn jedes Kind sollte Fahrradfahren und schwimmen können.

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