Wertheim

Runder Geburtstag Bettinger „Brunnen an der Linne“ wurde vor 30 Jahren wieder errichtet / Standort war in der Vergangenheit ein Versammlungsplatz

Vorgänger war häufig „Ziel von Rennfahrern“

Archivartikel

Bettingen.Seit 30 Jahren gibt es ihn wieder, den, so Ortsvorsteher Ralf Tschöp, „Brunnen an der Linne“. Ein runder Geburtstag also. Und weil man bekanntlich die Feste ja feiern soll, wie sie fallen, hat man am Samstag in Bettingen genau das gemacht – diesen runden Geburtstag gemeinsam gefeiert. Der Heimat- und Kulturverein hatte die Idee und gemeinsam mit seinem Vorsitzenden Ingo Nenner auch die Ausrichtung in die Hand genommen. Der Gesangverein unter der Leitung von Frank Wolz gratulierte mit einigen Liedern und als am Ende des Auftrittes „Wenn alle Brünnlein fließen“ intoniert wurde, stimmten alle mit ein.

Historischer Treffpunkt

Das „Geburtstagkind“ selbst war, dem Anlass entsprechend, festlich geschmückt und von einem Hasen „gekrönt“. Der sei, stellte der Ortsvorsteher klar, nicht etwa von Ostern übrig geblieben. „Das ist unser Sandhase.“ Ralf Tschöp hatte in seiner kurzen Ansprache erinnert, dass der Standort des Brunnens historisch ein Versammlungsplatz gewesen sei. Noch vor 50 Jahren hätten sich die Bettinger hier versammelt, um die neuesten Nachrichten zu hören und ein Pläuschchen zu halten.

„Im Grunde genommen war der Platz am Dorfbrunnen das ‚Facebook’ oder ‚Instagram’ von damals. Hier wurden reale Soziale Netzwerke gesponnen.“ Und Tschöp hatte noch tiefer in der Vergangenheit gegraben. Er informierte, dass bereits vor gut 400 Jahren an der Stelle ein Baum gestanden habe. Seinerzeit sei es eine Ulme gewesen, „die aber von allen als Linde bezeichnet wurde“.

Schicksal des alten Brunnens

Und er ging auch auf das „Schicksal“ des Vorgängerbrunnens ein. Der sei häufig das „Ziel von Rennfahrern“ im Dorf gewesen und 1969 als Verkehrshindernis entfernt worden. Dass es nun wieder einen Dorfbrunnen gibt, dessen runden Geburtstag mein feiern konnte, war auch ein Verdienst des langjährigen Ortsvorstehers Philipp Diehm, würdigten dessen heutiger Nachfolger Tschöp und Ingo Nenner im Gespräch.

Gebaut wurde der Brunnen mit Sandsteinen aus dem Bettinger Steinbruch, die zur Bearbeitung erst nach Maulbronn geschafft und dann wieder ins Dorf zurücktransportiert wurden. „Über den ‚ökologischen Fußabdruck’ wollen wir da lieber nicht nachdenken“, schmunzelte Tschöp. Und auch heute fänden sich wieder die Spuren verschiedenster Fahrzeuge um den Brunnen, an dessen Standort mehrere Straßen und Gassen zusammentreffen. Rennfahrer nehmen ihn allerdings weniger ins Visier. „Er dient eher der Entschleunigung.“

Nenner freute sich unterdessen über die große Resonanz, die dieses Fest erfuhr. Die rund 150 zur Verfügung stehenden Sitzplätze waren fast immer besetzt und auch Linde und Brunnen waren gern genutzte Treffpunkte, um der Musik von Julia Brümmer, Gitarre und Gesang, und Fabian Nenner, Keyboard, zu lauschen. „Es ist übrigens das erste Fest, das in der Hinteren Dorfstraße stattfindet“, so Ingo Nenner.

Aber selbst wenn es, wie es sich früh abzeichnete, ein Erfolg war, „es ist nicht angestrebt, das jedes Jahr zu machen“. ek

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