Wertheim

Von Wahlen, Reaktionen und Versprechern

Die Frist läuft. Noch bis zum 11. März, 18 Uhr, können Bewerber ihre Unterlagen abgeben und stehen dann, Zulassung vorausgesetzt, auf dem Stimmzettel für die Wahl des Bürgermeisters am 7. April – in Külsheim. Schon in zwei Wochen, am 24. Februar, entscheiden die Wahlberechtigten in der anderen, der zweiten, Großen Kreisstadt des Main-Tauber-Kreises, in Bad Mergentheim, über ihren künftigen Oberbürgermeister. Udo Glatthaar wird es wohl bleiben, er ist der einzige offizielle Aspirant.

Und in Wertheim? Es liegt nun auch schon wieder fast eine Woche zurück, was als – wahlweise – „Erdbeben“, „Erdrutsch“, mindestens aber als „Sensation“ in die Geschichte der Stadt eingehen wird. Wobei der Sieg von Markus Herrera Torrez von vielen gar nicht so als „die Überraschung“ angesehen wird. Der war für möglich gehalten worden. Gut, von manchen natürlich nicht. In (kleinen?/exklusiven?) Kreisen der CDU war man am Sonntag noch kurz vor Schließung der Wahllokale überzeugt, dass alles gut gehen wird.

Ging es bekanntlich nicht, sondern voll daneben. Und die Höhe des Ergebnisses war – mindestens – die Sensation, die so wohl von kaum jemandem erwartet wurde. Und die noch immer, auch fast eine Woche danach, für Gesprächsstoff sorgt. Auf den wenigen Fotos vom Wahlabend, auf denen Wolfgang Stein zu sehen ist, kann man deutlich erkennen, dass ihn das Resultat bis ins Mark getroffen hat, dass er mit allem, aber nicht damit gerechnet hat.

So ist vielleicht auch die eine oder andere harsche Reaktion in den Stunden danach zu erklären – selbst Menschen gegenüber, die ja eigentlich Parteifreunde sind. Immerhin, Stein hat sich am Sonntagabend noch gestellt, wenn auch nur kurz und ohne wirklich viel sagen zu wollen. Was hätte er aber auch sagen können? Nicht gestellt hat sich, und das bis weit in diese nun zu Ende gehende Woche hinein, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, Udo Schlachter.

Heute kommt er in dieser Zeitung nun ausführlich zu Wort, doch was er sagt, lässt einen – in Teilen zumindest – ratlos zurück. Heißt es wirklich, wir haben im Prinzip nichts oder fast nichts falsch gemacht, nur die – undankbaren – Wähler haben das nicht erkannt und nicht gewürdigt? Es ist aber nun einmal keine neue Erkenntnis, dass die Wahlkabine kein Ort ist, an dem Dank abgestattet wird. Viel eher wird sie genutzt, um das Mütchen zu kühlen, (alte) Rechnungen zu begleichen.

Das mag bedauerlich sein für jemanden, der sich ja durchaus Verdienste erworben hat. Aber so ist es nun mal. Konsequenzen ziehen will Schlachter aus dem desaströsen Abschneiden vor einer Woche offensichtlich nicht. Jedenfalls keine persönlichen. Mal sehen, ob es dabei bleibt – bleiben kann. Es soll ja durchaus nicht wenige geben, die es bedauern, dass die Kandidatenlisten für die Gemeinderatswahl schon vor der Abstimmung über den OB-Posten aufgestellt worden sind. Sie fürchten, im Mai womöglich ein zweites Mal „abgestraft“ zu werden.

Und ob der Rückhalt in Fraktion und Partei wirklich so stark ist, wie Schlachter ihn zu spüren glaubt, sei einmal dahingestellt. Mindestens mangelnde Transparenz, diesen internen Vorwurf gibt es bei den Christdemokraten schon lange. Alt-Oberbürgermeister Stefan Gläser war nur derjenige, der ihn jetzt öffentlich formuliert hat. Er hat ja auch nichts mehr zu befürchten.

Im benachbarten Kreuzwertheim wiederum hat man in dieser Woche nun wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass man sich über nichts so trefflich streiten kann, wie über Kunst. Siehe „Quätschichplatz“. Und dass es einen Kommunalpolitiker gibt, der offensichtlich Anleihen beim amerikanischen Präsidenten nimmt. „Kreüz first“. Ob er sich, wie er das bei der Bürgerversammlung tat, mit der geplanten Notwasserversorgung von Wertheim und Kreuzwertheim aber wirklich das richtige Thema ausgesucht hat?

Für den Versprecher der Woche sorgte indessen der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirates. „Das Krankenhaus hat zugemacht“, meinte Walter Ruf – und alle hielten den Atem an. Gemeint und dann auch ganz schnell richtiggestellt hat er, dass die Rotkreuzklinik zugesagt hat, sich an der fünften Seniorenmesse in Wertheim zu beteiligen.