Wertheim

Leserbrief Zum Artikel „Sternstunde des Miteinanders in der Stadt““ (Fränkische Nachrichten, 12. September)

„Von Solidarität ist heute nichts mehr zu spüren“

Eine Sternstunde des Miteinanders – dies sei laut Oberbürgermeister Herrera Torrez 2015 die Unterbringung der Flüchtlinge in der Landeserstaufnahme gewesen.

Ich stimme ihm gerne zu.

Aber war dies umgekehrt nicht der Preis für das „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin?

Mit ihrem deutschen Alleingang stellte Angela Merkel schlagartig zahlreiche Landräte und Bürgermeister vor die Aufgabe: Bitte übernehmen Sie! „Solidarität ist angesagt“ lautete 2015 die Devise von Alt-OB Mikulicz.

In Wertheim hat sie funktioniert. Doch heute, fünf Jahr später, ist in Europa von dieser Solidarität noch immer nichts zu spüren. Im eigenen Land sprechen selbst Mitglieder der Bundesregierung davon, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe. Bei allem Lob für das Engagement 2015 muss man offensichtlich eingestehen, dass Merkels Flüchtlingspolitik nicht durchweg ein Gewinn gewesen ist. Die Gesellschaft ist gespalten wie kaum zuvor - hier die „Gutmenschen“, dort das „Pack“ und „Dunkeldeutschland“. Wer das „Wir schaffen das“ kritisch hinterfragt, gehört sofort in die Kategorie „Nazi“. Das Vertrauen vieler Bürger in die innere Sicherheit ist nachhaltig zerstört. Ein Wahn in der politischen Korrektheit hat eingesetzt, sodass der Eindruck entsteht, jeder werde irgendwie von irgendetwas diskriminiert.

Nach den Worten des Parteigenossen von Herrn Herrera Torrez, Kanzlerkandidat Olaf Scholz, habe Deutschland 2015 seine „moralische Verantwortung“ wahrgenommen. Welches historische Gewissen ihn (Jahrgang 1958) oder Angela Merkel (Jahrgang 1954) auch immer plagen möge: Aus der Verantwortung, Nationalsozialismus und Holocaust künftig zu verhindern, lässt sich für mich noch lange nicht der unkontrollierte und unbegrenzte Zuzug von Flüchtlingen ableiten.

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