Wertheim

„Daddinga Weipfadla“ Veranstaltung lockte viele Besucher an / Weinhoheiten und Oberbürgermeister genossen besondere Atmosphäre / Vorschriften wurden eingehalten

Von Schoppen, Schnaps und schöner Aussicht

Archivartikel

Das „Daddinga Weipfadla“ ist eine der wenigen Veranstaltungen, die derzeit stattfinden konnten. Entsprechend groß war der Besucherstrom am vergangenen Sonntag.

Dertingen. Normalerweise geben sich beim „Daddinga Weipfadla“, wie der Tag der offenen Höfe in Dertingen heißt, die vielen Besucher die Klinke in die Hand. Doch in Zeiten von Corona ist vieles anders. Bis vor vier Wochen war noch nicht einmal klar, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann. Dank der Lockerungen der Vorschriften und einem ausgefeilten Hygienekonzept, das die vier beteiligten Weinbaubetriebe dem Landratsamt vorgelegt hatten, konnte die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder stattfinden.

Durch die Aufteilung der Gäste auf mehrere Höfe war es eben keine Großveranstaltung, sondern jeder Betrieb konnte bei entsprechendem Platzangebot bis zu 250 Gäste aufnehmen. Nachdem schon das Dertinger Weinfest im Mai ausfallen musste, waren alle Veranstalter gespannt, wie sich die Veranstaltung am entwickeln würde. Um es vorwegzunehmen, alle Gäste hielten sich an die Vorgaben des jeweiligen Betriebs und feierten „Corona-gerecht“. Bei Betreten des Hofs gaben die Besucher ihre Personalien an und warteten, bis sie an einen freien Platz geleitet wurden.

Da hatte beispielsweise Lothar Klüpfel, Inhaber des Weingutes Oesterlein, viel zu tun, um alle Gäste möglichst gleichmäßig an den Tischen zu verteilen. Ähnlich weite Wege musste Silvia Friedrich vom Winzerhof Friedrich zurücklegen, bis jeder Gast an seinem Platz saß. Die besucher des Festes trugen es mit Fassung und Geduld. Die meisten waren froh, endlich wieder mit anderen Menschen unter freiem Himmel einen oder auch zwei Schoppen trinken zu können.

Man hatte das Gefühl, die Menschen sind ausgehungert nach der Begegnung mit anderen Menschen. Das konnte auch Wertheims Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez erleben, der zusammen mit seiner Verlobten dem Ortsteil einen Besuch abstattete. Im Weingut von Jochen Hörner wurden die beiden von den umliegenden Weinhoheiten empfangen, die Dertingens aktuelle Weinprinzessin Sophie Österlein eingeladen hatte. Die Hoheiten geleiteten das Stadtoberhaupt von Weingut zu Weingut.

Herrera Torrez beglückwünschte die Dertinger für ihren Mut, die Veranstaltung durchzuführen und auch die Besucher, die sich strikt an die Hygieneauflagen hielten. Der Oberbürgermeister besuchte übrigens zum ersten Mal das „Weipfadla“. Die Freude über die Veranstaltung merkte man ihm deutlich an, wie er es auch Ortsvorsteher Egon Beuschlein mitteilte.

Jedes Weingut hatte seine Spezialitäten im Angebot. Bei Hörners gab es beispielsweise eine Vorstufe zum echten Dertinger Whisky aus Dinkelschrot. Noch muss das Destillat im Eichenfass für ein weiteres Jahr reifen, so Jochen Hörner, erst dann darf es sich Whisky nennen. Derzeit brennt Hörner einen Gerstenschnaps, der ebenfalls zum Whisky in Holzfässern reifen wird.

Beim Weingut Baumann konnten die Besucher an einer Kollektionsweinprobe teilnehmen, also sämtliche Weine, die zum Verkauf stehen probieren, darunter auch ein ungefilterter Wein, der vor allem für Menschen mit Schwefelallergie gut zu genießen ist.

Im Winzerhof Friedrich hatte der Uettinger Landgasthof Heunisch ein warmes Mittagessen für die Gäste bereitet und weitere Spezialitäten vom Grill am Nachmittag und Abend. Silvia Friedrich und ihre Familie hatten bereits am Abend vorher zum traditionellen Haxenessen geladen. Auch zu dieser Veranstaltung waren viele Menschen gekommen.

Im Weingut Oesterlein hatten die Veranstalter für dieses Wochenende sowieso seine Hecken- oder Besenwirtschaft geplant und hätte diese auch ohne das „Weipfadla“ durchgezogen. Am gesamten Wochenende waren fast immer alle Plätze belegt – ein weiterer Beweis, dass es die Menschen nach Wein in geselliger Runde drängt.

Letztlich zog zog der Veranstalter ein positives Resümee. Das Wagnis habe sich gelohnt, wenn man in die Gesichter der zufriedenen Gäste blickte.

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