Wertheim

Geschichte Projektgruppe Wolfram von Eschenbach initiiert anlässlich des 800. Todestages das Aufhängen der „Parzival-Banner“ auf der Burg

Von Mitleid, einem Tor und „Diemüet“

Anlässlich des 800. Todestages von Wolfram von Eschenbach wird dessen Wirken in Wertheim mit dem Aufhängen der „Parzival-Banner“ auf der Burg wieder lebendig.

Wertheim. Wolfram von Eschenbach (um 1770 - um 1220) ist bis heute einer bekanntesten mittelalterlichen Dichter. Er stand unter anderem im Dienst des Wertheimer Grafen Poppo II, wie er im vierten Buch seines Vers-Epos „Parzival“ selbst schreibt: „min herre, der graf von Wertheim“.

Anläßlich des 800. Todestages griff Burgmanager Christian Schlager jetzt die Idee von Wolf Wiechert und Marianne Tazlari aus der Projektgruppe Wolfram von Eschenbach auf, die bereits vorhandenen „Parzival-Banner“ in der Burg anlässlich des 800. Todesjahrs von Wolfram von Eschenbach aufzuhängen.

Bis voraussichtlich Ende Juli hängen nun 14 Spruchbänder mit Versen, die den Lebensweg von „Parzival“ beschreiben, im Muschelgraben der Wertheimer Burg.

Das Besondere

Wolf Wiechert stellte die Verse auf den Bannern zusammengestellt und berichtete, was für ihn das Besondere am „Parzival“ ist: „Mich … hat besonders immer wieder die zentrale Frage beschäftigt, die auch im ’Parzival’ den Knackpunkt ausmacht, die ein zeitloses, hoch aktuelles Problem auf den Begriff bringt. Ich meine die Mitleidsfrage. Als Parzival, der ’tumbe tor’, der er war, zum ersten Mal auf die Gralsburg gelangt und den kranken Gralskönig sieht, fragt er ihn nicht nach seinem Leiden. Er hatte nämlich gelernt, möglichst keine Fragen zu stellen. Und er hält sich strikt an diese Regel, obwohl er durchaus Mitleid empfindet mit dem König. Er versteht dann auch überhaupt nicht, was er falsch gemacht haben soll. Erst nach vielen Erfahrungen, Verirrungen begreift er, dass er die Regeln, die ansonsten durchaus ihre Berechtigung haben, in Grenzsituationen überwinden muß und mit dem Herzen entscheiden, ’diemüet’, Demut üben sollte…“.

Das Zweite, was Wolf Wiechert durch Wolframs Parzival klar geworden ist, sind die vielen Möglichkeiten, die oft genug Unmöglichkeiten sind.

„Dass einem etwas vorgespiegelt wird, was man nicht verwirklichen kann, ja, was auch gar nicht zu einem passt, was einen nur verbiegt, wenn man es sich aufzwingt.“

Deswegen hält Wichert die folgende Bemerkung Friedrich Nietzsches für bedenkenswert: „Du wirst, was du bist. Die Geschichte des Parzival bestätigt genau das.“

Diese Worte Wolf Wiecherts stammen aus dem Jahr 2011 und haben bis in die „Corona-Zeit“ nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Im Gegenteil.

Die Projektgruppe

Im Jahr 2011 begann die Wertheimer Projektgruppe mit ihrer ersten Aktion: die Parzival-Spirale. Gespendet von Axel Zitzmann, die künstlerische Idee stammt von Isolde Brödermann und bewirkte eine Zusammenarbeit des Glasmuseums Wertheim und des Autors Wolf Wiechert) direkt hinter dem Torbogen der Burg.

Es folgten Vorträge des Archivbundes, Theateraufführungen von den Gewölbegauklern und die Aufhängung der 14 Parzival-Banner (gespendet von der Volksbank Wertheim) in der Wertheimer Altstadt in den Jahren 2012 und 2014.

Mit den Parzival-Versbannern auf der Wertheimer Burg, wird, wie Wolf Wiechert es formulierte: „dieses alte Gemäuer beredt und hat spannende Geschichten…zu erzählen von uns, damals vor 800 Jahren wie heute, von unseren Leiden den Freuden, unseren Verirrungen, aber auch unseren Errungenschaften, unseren Fragen und Antworten“.

Vor einigen Tagen sollte zu diesem Thema eine Lesung mit Schülern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und Wolf Wiechert auf der Burg stattfinden.

Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie musste diese Lesung ausfallen. Sie wurde jedoch lediglich in das Jahr 2021 verschoben.

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