Wertheim

Konzert „Volkstümlicher Abend der Musikkappelle Dertingen und seiner Nachwuchsmusiker war wieder ein voller Erfolg

Von „Magischen Momenten“ bis „Happy“

Archivartikel

Mit dem Eingangsstück Egerländer Marsch machte die Musikkapelle Dertingen den gespannten Gästen in der nahezu voll besetzten Mandelberghalle klar, wohin die musikalische Reise gehen wird.

Dertingen. Seit über 20 Jahren präsentiert das Blasmusikorchester aus dem Aalbachtal, unter Leitung von Michael Geiger, seinen traditionellen „Volkstümlichen Abend“. Dieses Jahr stand er unter dem Motto „Böhmischer Herbst“. Das Konzert bildet im zweijährigen Rhythmus den musikalischen Höhepunkt im laufenden Jahr der Musikapelle Dertingen.

Der „Böhmische Herbst“ wurde mit einem abwechslungsreichen und gehaltvollen Repertoire klangstark dokumentiert. Der Moderator Joachim Hettinger und seine hübsche Begleitung, die Dertinger Weinprinzessin Sophie Österlein, präsentierten kundig, witzig und charmant die dargebotenen Musikstücke in der herbstlich geschmückten Mandelberghalle.

Nach dem Eröffnungsmarsch begrüßten beide Moderatoren die Gäste und die geladene Prominenz. Diese hatten sich erfreulicherweise für den musikalischen Abend in Dertingen entschieden, gab es doch in Wertheim und naher Umgebung zahlreiche weitere Veranstaltungen. Unter anderem wurden Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez Bürgermeister Wolfgang Stein, der Präsident des Blasmusikverbandes Tauber-Odenwald-Bauland Herbert Münkel aus Mudau und Vizepräsident Alois Schreck aus Königheimwillkommen geheißen. Für den Musikverein ist es eine große Ehre, wenn so viele prominente Gäste dem Musikverein, den Musikanten und der gespielten volkstümlichen Musik gegenüber mit ihrer Anwesenheit, ihre Wertschätzung zeigen.

Nach der Begrüßung ging es mit „Böhmisch klingt’s am schönsten“, einer Polka von Kurt Pascher, weiter. Es folgte ein Walzer von Ernst Mosch und Hettinger bat die Zuhörer, ihre Augen zu schließen und sich vorzustellen, man begäbe sich auf einen Spaziergang am frühen Morgen. Melancholisch, fast schon konzertant erreichte „Böhmisches Gold“ die Ohren der Gäste. So wie die Musikerhochkonzentriert jeder Bewegung ihres Dirigenten Michael folgten, so konzentriert waren auch die Besucher bei „Magische Momente“, einer Polka von Alexander Pfluger, bekannt durch die Gruppe „Schwindlige 15“.

„Wer war schon einmal am Bodensee und hat die Alphörner von der Schweizer Seite gehört?“ Mit diesen Worten leitete Joachim Hettinger die nächste Polka ein. Dieses Alpen-Feeling vermittelte Tobias Diehm. Als fabelhafter Tenorhornspieler war es für ihn keine Frage, eigens für die Polka Alphorn Galopp ein Alphorn zu kaufen. Allerdings war es kein langes Alphorn, auch kein elektronisches E-Alphorn, sondern ein „Kniegelenk-Alphorn“, das praktisch zu transportieren ist, aber doch hundertprozentigen Alphorn-Sound von der Bühne erschallen ließ. Nicht nur Genuss, sondern auch ein Augenschmaus und Gänsehaut für alle Bergfreunde war das Resultat dieses gelungen Vortrages. Nach dem Walzer „Himmelblau“ von Kurt Gäble und der Polka „Ein junger Egerländer“ von Daniel Fischinger folgte ein weiterer Leckerbissen des Abends.

Thomas Dietzenbach,, erster Trompeter unter den Musikern, beflügelte das Kopfkino der Zuhörer mit seinem perfekten Soli in „My Dream“, komponiert von Peter Leitner. Trompete spielen in Perfektion – kein Problem für diesen erfahren Musiker. Mit langanhaltendem Applaus belohnten die Gäste die Musikanten.

An einen Sonnenuntergang in den Bergen, Nebel in den Tälern und glühende Alpengipfel, so beschrieb Joachim Hettinger die abwechslungsreiche Polka „Alpenglühen“ von Daniel Fischinger. Sophie Österlein schilderte den Traum einer Marketenderin, eine Polka von Franz Meierhofer, die lustig und mit Schwung beginnt und den Schein hat, zum Ende hin langsam einzuschlafen.

Beim „Bozener Bergsteigermarsch“ kamen nicht nur die Sänger der Kapelle Joachim Hettinger und Gerhard Holtröhr zum Zuge. Der ganze Saal stand auf, klatschte und sang lautstark mit. Beide Moderatoren hatten Mühe, den jetzt schon tobenden Saal zu beruhigen und zum Auftritt der Jugendkapelle und Nachwuchsmusiker überzuleiten.

26 Jungmusiker zählt die Nachwuchsgruppe der Musikkapelle Dertingen. Auf diese Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahre ist der Verein besonders stolz. Trotz ihrer relativ kurzen Zeit im Musikerleben bringen sie es fertig, ein eigenes kleines Konzert zu geben. Michael Geiger, der auch die Bläserklasse der Grundschule und Musikschule Wertheim leitet, hat einige Sonderschichten für dieses Konzert eingelegt. Sahra Mattern, Julius Schmidt und Nico Kaufmann moderierten die 20 minütige Darbietung in cooler Manier, als hätten sie schon langjährige Erfahrung. Mit „Majestic March“, „Happy“ und „Power Rock“ von Queen rissen sie die begeisterten Zuhörer von den Stühlen und durften ohne Zugabe auch nicht von der Bühne.

Nach einer 30-minütigen Pause folgten die Musiker der Südtiroler Tradition mit dem Marsch von Karl Mühlberger. Mit unverkennbarem Sound von Robert Payer folgte die Polka „In der Weinschänke“ – besonders passend für das Weindorf Dertingen, könnte es doch dessen Hymne sein. Es folgten unter anderem Stücke wie „Im Zauberland“, die Nepomuk-Polka, „Erinnerungen an Brennberg“ (ein Dorf am Neusiedler See) Joachim Hettinger kündigte mit dem Auftritt des Solotrompeters Thomas Dietzenbach die nächste Attraktionen: „Trumpet Hearts“ von Joachim Pfluger, ist eine Melodie, die zum Träumen verführt. In Gedanken an den Oberkrainer Musiker Slavko Avsenik, spielte Bianca Diehm ein Klarinettensolo in Perfektion. „Das Hirtenlied“, eines der bekanntesten Musikstücke der Original Oberkrainer, gefühlvoll, mit leisem Orchester, harmonischen Passagen und dazu dieses Klarinettensolo – da stellte sich bei fast jedem Konzertgast Gänsehaut ein.

Beim Udo-Jürgens-Medley wurden Hits wie „Aber bitte mit Sahne“oder „Ich war noch niemals in New York“ vom Publikum natürlich kräftig mitgesungen. Mit dem „Wittmanns Franz“ von Ernst Mosch nahm die Stimmung keinen Abbruch. Zu dieser Zeit saß wohl niemand mehr auf seinem Stuhl. Für die Stremtal-Polka, oder „Aus Böhmen kommt die Musik“ brauchten die meisten Gäste keinen Text, sie klatschten alle kräftig mit. Mit Zugaben, wie den „Gablonzer Perlen“, der „Böhmische Traum“, die „Vogelwiese“ und „Bis bald und auf Wiedersehen“ verabschiedete sich die Musikapelle Dertingen von ihren Gästen, Joachim Hettinger übersetze für Zugezogene, wie den Oberbürgermeister, noch den Wunsch „gesund und satt wollen wir uns wieder sehen“ vom Dertinger Dialekt ins Hochdeutsche.

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