Wertheim

Jubiläum Friseursalon von Ulli und Bernd Kolb besteht seit 50 Jahren / Stammfriseur in den „Schweizer Stuben“ / Zu Hochzeiten bis zu 13 Angestellte beschäftigt

Vom „KaDeWe“ über Monte Carlo nach Wertheim

Archivartikel

Wertheim.Er hat schon vor dem „Kaufhaus des Westens“, dem berühmten „KaDeWe“ in Berlin, frisiert. Auf dem Wertheimer Marktplatz hat er Kunden „die Haare schön“ gemacht. Als Höhepunkt der beruflichen Laufbahn nennt er einen erfolgreichen Auftritt in Monte Carlo bei der Europameisterschaft.

Dabei hätte es den Friseur Bernd Kolb fast nicht gegeben, denn als Jugendlicher wollte er eigentlich Automechaniker werden. Fand aber keine Ausbildungsstelle. „Also habe ich bei meinem alten Herrn gelernt“, dem Friseurmeister Bertl Kolb, Obermeister der Innung, in Bad Mergentheim. Auch dass er sich einmal selbstständig machen würde, war so im Prinzip nicht geplant und genau genommen die Konsequenz einer schweren Erkrankung. Von dieser geheilt, erwies es sich als gar nicht so einfach, wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Schritt in die Selbstständigkeit

Also wagte Bernd Kolb, nach erfolgreicher Meisterprüfung, den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Brummgasse 16 in Wertheim eröffnete er am 9. Oktober 1969, gemeinsam mit einem Partner, seinen Spezial-Herrensalon. „Dort zierte ein riesiger Merian-Stich von Wertheim eine Wand“, erinnert sich der Jubilar. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass das keine Reminiszenz an die neue Heimat war. „Man konnte in diese Wand einfach keinen Nagel reinschlagen“, schmunzelt Kolb.

Inzwischen längst mit seiner Frau Ulrike, besser bekannt als „Uli“, verheiratet, machte der Friseur beruflich aber Nägel mit Köpfen und die Kunden stets eine gute Figur. Schon nach wenigen Jahren Selbstständigkeit wurde ein Damen- und Herrensalon in Bestenheid eröffnet, kurze Zeit später folgte ein weiterer Laden in Tauberbischofsheim.

Man veranstaltete Schulungen für Friseure in Bayern und Baden-Württemberg, frisierte bei Modenschauen, nahm an Berufswettkämpfen im In- und Ausland teil. „Basel, Antwerpen, Paris und Prag“, nennt Bernd Kolb einige Stationen. Monte Carlo wurde ja schon genannt. Mit dem Wohnmobil fuhren die Kolbs und ihr Personal in die deutsche und französische Hauptstadt zur jeweiligen Weltmeisterschaft der Friseure. Aber die Ausflüge dienten nicht nur der beruflichen Weiterbildung.

Stammfriseur war Bernd Kolb in den legendären „Schweizer Stuben“. Er erzählt: „Wenn von da nachts um elf Uhr ein Anruf kam, habe ich mich in Nassig in mein Auto gesetzt und bin hingefahren.“ Denn die meist prominenten Kunden erwarteten einen 24-Stunden-Service – und bekamen ihn auch. Gegen gute Bezahlung natürlich. „Wenn ich täglich drei von der Sorte gehabt hätte, hätte ich meinen Laden zumachen und davon leben können.“

Hatte er aber nicht und tat er auch nicht. Stattdessen wurde umgezogen, von der Brummgasse in die Bahnhofstraße. Wo man heute noch beruflich zu Hause ist. Bis zu 13 Beschäftigte arbeiteten zu Hochzeiten für die Kolbs, gut 40 Lehrlinge wurden hier ausgebildet. Längst gibt es die Salons in Tauberbischofsheim und Bestenheid nicht mehr. „Wir haben uns vernünftigerweise verkleinert. Das heißt, schon bevor das Benzin so teuer geworden ist, habe ich das Hin- und Her-Fahren aufgegeben. Der Fünfer-BMW hat einfach zu viel geschluckt und die Kosten für die Strafzettel waren auch nicht ohne.“ Heute werden vor allem Stammkunden bedient. „Wir haben viele und damit können wir leben.“

Die Chemie stimmt

Damals in der Kreisstadt hat sich Bianka Hemmerling vor mehr als 20 Jahren bei Kolb beworben, „aber in Wertheim habe ich dann angefangen – zum Glück“. Nach einer Pause ist sie jetzt seit über fünf Jahren wieder dabei. Noch sehr viel länger ist Birgit Betzold-Keller im Salon Kolb tätig. Und wenn man Bernd Kolb glauben will, ist sie sogar einer der Gründe, warum man das Geschäft überhaupt noch betreibt. „Ich will einfach nicht, dass die Birgit noch einen anderen Chef kennenlernt. Wer weiß, wie das ausgeht? Am Ende findet sie den noch besser als mich?“. Am kürzesten im und „ein Segen“ für das Team ist Irene Segovia-Martinez. Nicht zu vergessen Uli Kolb, die Chefin. „Und den Hausmeister.“ Man muss nicht lange rätseln, wen Bernd Kolb damit meint.

Eines wird schnell deutlich: man versteht sich, die Chemie untereinander stimmt. Und es ließe sich noch viel erzählen, schließlich sieht – und vor allem hört – man in so einem Friseursalon einiges. Aber es gibt ja nicht nur für Rechtsanwälte oder Ärzte eine Schweigepflicht. Sie gilt, zumindest inoffiziell, für gute Friseure auch. Nur so viel noch: „Ich bin schon ziemlich stolz, dass es uns nach 50 Jahren noch gibt. Schließlich bin ich ja kein Wertheimer und da soll das ja angeblich gar nicht so einfach sein.“

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