Wertheim

„Blech und Pfeifen“ Nordbadische Blechbläserensemble und der Bezirksposaunenchor Wertheim und Adelsheim-Boxberg spielten

Vielfältige Musik aus fünf Jahrhunderten

Archivartikel

Wertheim.„Blech und Pfeifen“ lautete der Titel des Konzerts, das am Sonntagabend in der Stiftskirche stattfand. Das Nordbadische Blechbläserensemble und der Bezirksposaunenchor Wertheim und Adelsheim-Boxberg wurde von Landesposaunenwart Armin Schaefer geleitet. Bezirkskantorin Katharina Wulzinger (Wertheim) und ihr Kollege, Bezirkskantor Hyun Soo Park (Adelsheim), spielten solistisch und gemeinsam mit den Bläsern, sodass die große Rensch-Orgel auf vielfältige Weise zu hören war.

Der Bezirksposaunenchor eröffnete das Konzert mit einer Fanfare von Jens Uhlenhoff , das von einer großen dynamischen Bandbreite gekennzeichnet war. „Wenn Bläser beginnen, dann weiß man immer: Jetzt geht’s los“ hatte Katharina Wulzinger begrüßt und so war es auch: Die Aufmerksamkeit des Publikums war jedem Stück gewiss und die abwechslungsreiche Zusammenstellung garantierte ein musikalische Überraschung nach der anderen.

Der ohnehin schon mächtige Klang der Orgelsinfonie Nr. 6 von Charles-Marie Widor wurde durch die Kombination mit dem Bläserensemble zu einem monumentalen Hörerlebnis. Bravourös präsentierte Hyun-Soo Park die virtuosen Zwischenspiele auf der Orgel und passgenau kam die Bläserverstärkung hinzu. Filigran und durchsichtig musizierte der Bezirksposaunenchor „La Banchierina“ von Adriano Banchieri, bei der alle vier Stimmen gleichermaßen gefordert sind.

Höchste Präzision

Eine Hommage an Johann Sebastian Bach war das modernste Werk des Abends, eine Toccata über die Töne B-A-C-H von Kurt Enßle. Katharina Wulzinger spielte mit höchster Präzision und hob das prägnante Thema mit kerniger Pedalregistrierung hervor. Pfarrer Bernhard Ziegler, Vertrauenspfarrer des Kirchenbezirks für Kirchenmusik und selbst aktiver Trompeter, bezeichnete dieses Werk als „Coole Toccata“ und zog die Verbindung von der Moderne über die Barockmusik bis zur Vokalmusik des Mittelalters.

Weich und sanft, beruhigend und behaglich präsentierten die Nordbadischen Bläser, allesamt auch Mitglieder in Posaunenchören, eine Auswahl von Chorälen, von denen das Lied nach einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ besonderen Eindruck hinterließ: Solotrompete und Soloposaune harmonierten perfekt mit der einfühlsamen Begleitung.

Vielfältige Klangmöglichkeiten

Mit einer Suite von Georg Böhm stellte Hyun-Soo Park die vielen verschiedenen Klangmöglichkeiten der Orgel vor. Bei der folgenden „Symphonischen Suite“ von Traugott Fünfgeld, einem weiteren Monumentalwerk für Bläser, Orgel und Pauken, gespielt von Kurt Sitterli, ergänzte der stufenlose Bläserklang die barocke Terrassendynamik der Orgel zu einem großen orchestralen Instrument, das die würdevolle „Königin der Instrumente“ auf interessante Weise weiter vervollständigte.

Armin Schaefer hatte von den ersten Deutschen Posaunentagen mit 15 000 und 17 500 Bläsern berichtet; in der Stiftskirche hatte man einen Eindruck von der Klangpracht eines Posaunentags, auch wenn es „nur“ etwas über 30 Blechbläser waren. Passgenau hatte Pfarrer Ziegler den Psalm 150 für das Abendgebet herausgesucht, der betonte: „Lobet ihn mit Posaunen“.

Das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ konnte das Publikum vierstimmig mitsingen. Als Zugabe erklang der Choral noch einmal in einem vierstimmigen Satz von Johann Sebastian Bach. rl

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