Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt

Verfahren wegen Krankheit eingestellt

Wertheim.Eine in Wertheim wohnhafte Türkin ist nach eigenen Angaben von einem 55-jährigen Mann aus der Altstadt schon mehrfach beleidigt worden, zuletzt im August 2018 im Kaufland-Markt. Da in diesem Fall ihr einjähriges Kind betroffen war, entschloss sie sich zur Anzeige und Polizei ermittelte.

Die Staatsanwaltschaft beschränkte aus Beweisgründen den Vorwurf auf den Kaufland-Fall, gegen den Mann verhandelte jetzt das Amtsgericht Wertheim. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe und sprach von Lügen der Türken. Die Aussage der Belastungszeugin erschien jedoch glaubwürdig.

Rassistische Bemerkungen

Die Zeugin ist 37 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Rassistische Bemerkungen seitens des Beschuldigten wie „Scheiß Türken“ hätten vor zwei Jahren begonnen. Im Kaufland habe er, bezogen auf ihr Kleinkind, gesagt:“Halt Dein Maul, Kannake!“ Sie habe zudem erfahren, dass der Beschuldigte auch andere Personen beleidigte.

Der Angeklagte behauptete:“ Was mir vorgeworfen wird, würde ich niemals tun.“ Er bezeichnete sich als „zu den armen Menschen“ gehörig, und sprach von Lügen und Drangsalierung durch die Türken.

Das Gericht vermutete, der Beschuldigte gebe Sachverhalten manchmal eine unzutreffende Bedeutung, und war überzeugt, dass ihm niemand etwas Böses wolle. Die Richterin erklärte, der Mann sei psychisch krank und das Betreuungsverfahren laufe.

Sie regte an, das Verfahren einzustellen, und die Staatsanwaltschaft stimmte zu. Die Einstellung erfolgte wegen geringer Schuld infolge der Erkrankung. Die Alternative wäre die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens gewesen, was zeitaufwendig und kostspielig gewesen wäre und möglicherweise mit dem Ergebnis „Schuldunfähigkeit nicht ausschließbar“ geendet hätte. Das würde Freispruch bedeuten. goe