Wertheim

Corona-Krise Funkamateure vom Ortsverband A 23 „Alte Grafschaft Wertheim“ gehen neue Wege / Kontakt bis nach Mexiko-Stadt

Vereinsleben auf UKW-Frequenz 145,275

Archivartikel

Die Corona-Krise hat das Vereinsleben fest im Griff. Das trifft auch auf die Wertheimer Funkamateure des Ortsverbands A 23 zu. Die Mitglieder pflegen soziale Kontakte nun über lokale Frequenzen.

Wertheim/Höpfingen. „CQ, CQ – hier Delta Delta Eins Uniform November“, Uwe Böhrer sitzt vor seinen Funkgeräten, den Kopfhörer auf den Ohren dreht er ganz leicht am Regler. Plötzlich ist das Rauschen weg und eine fremde Stimme ist zu hören: „Delta Delta eins Uniform November hier ruft dich Delta Kilo Acht India Foxtrott“.

Uwe Böhrer (DD1UN) ist mit Leib und Seele Funkamateur, 1990 erhielt er seine Lizenz bei der Bundesnetzagentur und ist seit vier Jahren Vorsitzender des Ortsverbands (OV) A 23 „Alte Grafschaft Wertheim“. Gerade versucht er den Clubabend des A 23 zu organisieren.

Der findet normalerweise jeden dritten Freitag im Monat in Gasthaus in Wiebelbach statt. Dort werden alle Neuigkeiten besprochen und die Belege über den stattgefundenen Funkverkehr (die sogenannte QSL-Karte) für die Erfassung abgegeben. Doch seit dem Ausbruch der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen fallen diese Clubabende aus.

„Jeder muss diese Visitenkarten erst einmal für sich sammeln“, erklärt Böhrer. Weil der direkte soziale Kontakt der Amateurfunker nicht stattfinden kann, hat dieser sich sozusagen komplett auf die Kurzwelle verlagert. Fast täglich sitzt Böhrer in Höpfingen deswegen vor seinen Geräten . „Das ist natürlich mehr als üblich“, fügt er hinzu. Und nicht nur bei ihm ist dies der Fall. Die Konsequenz daraus: Hat ein Funker einen besonders weiten oder exotischen Kontakt gehabt, macht dies jetzt wesentlich schneller die Runde unter den Frequenz-Fans.

Kleine Einschränkungen müssen die Funker auch bei den wöchentlich stattfindenden Wettbewerben, wie anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Dachverbands, in Kauf nehmen. Dass die beiden großen Amateurfunkmessen in Kassel und Friedrichshafen abgesagt wurden, ist ein weiterer, kleiner Wermutstropfen. Die größte Einschränkung erleben die Funker jedoch in Sachen „Field Day“. Dabei treffen sie sich vor Ort auf einem Berg oder einer Anhöhe, bauen eine Funkantenne auf und versuchen den Ruf unter dem Motto Völkerverständigung so weit wie möglich in die Welt hinaus zu schicken und Antwort zu erhalten. „Bei dem vorherrschenden schönen Wetter fällt es richtig schwer, sich nicht zu treffen“, sagt Uwe Böhrer.

Ganz sicher hätten die Funker bei so einem „Field Day“ wieder versucht, Kontakt zu ihrem A 23-Mitglied „Delta Lima Six November Echo Mike“ aufzunehmen. Peter ist ausgewandert und wohnt inzwischen in Mexiko. „Klar reden wir dann auch über Corona und die Auswirkungen, wenn der Kontakt zustande kommt, allerdings nur kurz.“

Mehr Informationen tauschen die Amateurfunker auf digitalem Weg aus. Da wird dann schon genauer nachgefragt, wie sich die Krise im jeweiligen Gebiet oder Land darstellt.

Kontakt nach Mexiko

Und so erfahren die Wertheimer Amateurfunker vor ein paar Tagen, dass in Mexiko nun Phase Drei eingeleitet wurde. „Vorher waren schon fast alle Geschäfte geschlossen, die nicht mit der direkten Versorgung zu tun hatten. Kirchen, Hotels, Strände, touristische Zentren, alles ist geschlossen. In der Stadt ist ab sofort auch nur noch eingeschränkter Autoverkehr möglich. Das bedeutet, an jedem Wochentag dürfen Autos mit bestimmten Endziffern nicht fahren. Ein Teil der Metro- und Metrobusstationen sind zu. Ansonsten sollen die Leute Abstand halten und einen Schutz tragen. Landesweit beträgt die Anzahl der registrierten Infizierten knapp 11 000, hier in der City 3300. Verstorbene knapp 1000“, lässt Funker Peter (XE/DL6NEM) aus Mexiko-Stadt beim letzten Kontakt vor einiger Zeit übermitteln.

Dass man sich hilft, versteht sich bei den Funkern von selbst. Allerdings sind Engpässe in der Versorgung nicht unbedingt Gegenstand der Gespräche. Jedoch weiß Böhrer von diversen Begebenheiten aus anderen OVs zu berichten.

Für ihn liegen die Vorteile des etwas ausgefalleneren Hobbys ganz deutlich auf der Hand. „Gerade in dieser schweren Zeit bietet der Amateurfunk insbesondere den älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen die Möglichkeit, durch den engen Austausch ein Teil der Gesellschaft zu bleiben.“ Nicht jeder könne beispielsweise durch Sport dem eingeschränkten Alltag entkommen. „Aber wir können unserem Hobby ohne Ansteckungsgefahr nachgehen“, schmunzelt er. Mit den vergleichsweise kleinen Auflagen käme man gut zurecht, versichert Böhrer. Eines hat sich jedoch geändert. Früher haben sich die Funker am Ende eines Gesprächs mit „73“ verabschiedet (das Kürzel für: Auf Wiederhören). Seit dem Ausbruch der Pandemie wird, wie überall, noch der Satz „Bleib gesund“ vorangestellt.

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