Wertheim

Weihnachtsausstellung „Die Entwicklung des historischen Christbaumschmucks in Thüringen“

Ursprünge der Wertheimer Glasindustrie

Archivartikel

Wertheim.Bunt, üppig und luxuriös begrüßt der vier Meter hohe „Thüringer Baum“ mit seinen 500 im Licht funkelnden Glasfiguren die Besucher in der traditionellen Weihnachtsausstellung „Christbaumschmuck aus Glas“ vom 30. November bis 6. Januar.

Gigantische Vielfalt

Geschmückt mit Engeln, Vögeln, Früchten, Autos, Spielzeug und Kugeln sowie mit Kinderbuchfiguren wie Max und Moritz zeigt er die gigantische Vielfalt gläsernen Christbaumschmucks, mit der die Glasbläser aus Lauscha in Thüringen Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug in alle Teile der Welt begannen. Mit der Ausstellung der über 100 Jahre alten historischen Christbaumschmuck-Sammlung („Kleines Haus“) mit rund 1000 Exponaten von 1860 bis heute erinnert das Glasmuseum an die Herkunft der Wertheimer Laborglasindustrie.

In Thüringen verarbeiteten Ende des 19. Jahrhunderts Thüringer Glasbläser Glasröhren und Glasstäbe „vor der Lampe“. Aus der anfänglichen Herstellung von Glasperlen, Früchten und Hohlglastieren für die Modeschmuck- und Spielzeugindustrie entwickelte sich durch verbesserte Fertigungsmethoden, den Bau einer Gasanstalt in Lauscha (1867) und den Einsatz der neuen ungiftigen Versilberungsmethode (ab 1870) eine florierende Christbaumschmuckindustrie.

Nachvollziehbar ist diese Entwicklung an zehn kleinen Weihnachtsbäumchen in zwölf Vitrinen. Beginnend mit dem „Früchte-Baum“ mit noch sehr spärlich bemaltem und „gezuckertem“ Formschmuck (um 1860) über den „Art Déco“-Baum der 1920er Jahre mit aus weißem Milchglas frei „vor der Lampe“ geblasenen Hirschen, Hunden und anderen Tieren, dem umgekehrt an der Decke hängenden Weihnachtsbaum der Glasbläserfamilien bis hin zu den beiden „Nachkriegs-Bäumchen“ mit den ersten maschinell hergestellten Kugeln aus Ost und West.

Geschmack der Zeit

Im Gegensatz zu den zehn Weihnachtsbäumchen in der historischen Christbaumschmuck-Sammlung, deren Schmuck sich an den technischen Neuerungen der Christbaumschmuck-Industrie orientiert, spiegeln die acht freistehenden Weihnachtsbäume („Großes Haus“) den Geschmack und die Mode der jeweiligen Epoche wider: unter anderem der mit goldenen und silbernen Girlanden geschmückte „Leonische Baum“, der „Musterkugel-Baum“ der Textilglasfabrik Schuller oder der mit Silberkugeln geschmückte „Wertheimer Glasröhrenbaum“ aus Laborglasstäben. In der Museumswerkstatt lädt ein Glasbläser die Besucher ein, sich ihre eigene Christbaumkugel vor der heißen Flamme zu blasen.

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