Wertheim

Nachruf Ehrenbürger Helmut Schöler gestorben / Lange Jahre an der Spitze der Brand Gruppe / Als Mäzen mit seiner Stiftung kulturelle, soziale und karitative Zwecke verfolgt

Unternehmer prägte Entwicklung Wertheims

Archivartikel

Wertheim.Helmut Schöler ist am vergangenen Mittwoch gerstorben. Der leidenschaftliche Unternehmer prägte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Wertheim mit großem persönlichem Einsatz und Ideenreichtum.

Der Ehrenbürger der Stadt Wertheim und langjährige geschäftsführende Gesellschafter der Brand Gruppe hat mit seinem unternehmerischen und sozialen Engagement die Entwicklung seiner Wahlheimat maßgeblich geprägt. Im sozialen Bereich war sein Leitmotiv, sich vor allem dort zu engagieren, wo Not zu lindern und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben waren.

Helmut Schöler wurde am 30. März 1930 in der nordböhmischen Glasstadt Haida geboren und wuchs als Sohn eines Fabrikanten böhmischer Kunstgläser auf. Einschneidende wie prägende Erlebnisse seiner Jugend waren Krieg, Enteignung und Vertreibung.

Helmut Schölers beruflicher Lebensweg war über 70 Jahre hinweg eng mit der Brand Gruppe und der wirtschaftlichen Entwicklung Wertheims verbunden. 1949 trat er als erster Lehrling in das Unternehmen Rudolf Brand ein. 1954 wurde Helmut Schöler Mitglied der Geschäftsleitung und 1967 geschäftsführender Gesellschafter.

Helmut Schöler führte das Unternehmen bis Anfang der 1990er Jahre, als er die Leitung an seinen Sohn Christoph Schöler übergab. Bis 2009 blieb er Geschäftsführer, bis zu seinem Tode Gesellschafter.

In den Jahren seines Wirkens legte er mit hohem persönlichen Einsatz, Weitsicht und Weltoffenheit den Grundstein für die Entwicklung des Unternehmens zu einem international erfolgreichen Hersteller von Laborgeräten. Darüber hinaus engagierte er sich gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten für den Aufbau der Wertheimer Industrie, die den wichtigsten Wirtschaftsstandort im Norden Baden-Württembergs bis heute prägt.

In seiner Zeit an der Spitze der Brand GmbH & Co KG traf er wichtige Zukunftsentscheidungen. So war er verantwortlich für den Ausbau des Produktprogramms, den Aufbau starker Marken und die strategische Ausrichtung der Unternehmensgruppe mit der Ausgründung der Vacuubrand GmbH & CO KG als Schwesterunternehmen. Die Vacuubrand ist heute ein weltweit führender Hersteller von Vakuumtechnologie für das Labor.

Seine langjährigen Beziehungen zu Kunden weltweit waren geprägt von Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung. Menschlichkeit, Engagement und Leidenschaft kennzeichneten ihn als Mensch und Unternehmer. Sein Wirken hat eine Unternehmenskultur ausgeprägt, die gute und langfristige Arbeitsplätze für viele geschaffen hat. Bis zuletzt war er in den Unternehmen präsent und pflegte den Kontakt zu Mitarbeitern.

Seine Überzeugung, dass man es immer noch besser machen kann, prägt bis heute die Unternehmensgruppe. Helmut Schöler war für viele seiner Mitarbeiter Vorbild, Motivator und Ideengeber. Er hat sich als Unternehmer um die Brand Gruppe und deren Mitarbeiter nachhaltig verdient gemacht. Die Gruppe beschäftigt heute weltweit etwa 1000 Mitarbeiter in 15 Ländern auf vier Kontinenten. Die Gesellschafter sind nun Helmut Schölers Söhne Christoph und Florian Schöler sowie in der nächsten Generation sein Enkel Constantin Schöler.

Auch im sozialen Handeln und im Ehrenamt war Helmut Schöler außerordentlich engagiert. 1973 gründete Helmut Schöler gemeinsam mit Rudolf Brand die Stiftung Rudolf Brand - Helmut Schöler Gemeinnützige Gesellschaft mbH zur Förderung kultureller, sozialer und karitativer Zwecke. Beide wollten sich als Unternehmer über ihr persönliches Engagement und über ihre eigene Lebenszeit hinaus für gemeinnützige und soziale Zwecke einsetzen.

Zu gleichen Teilen statteten sie ihre Stiftung mit Gesellschaftskapital aus, beteiligten sie am Ertrag ihrer Unternehmen und bedachten sie in ihren Nachlässen. Nach dem Tod Rudolf Brands im Jahr 1987 übernahm Helmut Schölers Sohn Christoph dessen Anteile am Kapital der Stiftung. Bis zuletzt gestalteten Vater und Sohn gemeinsam als Kuratoren die gemeinnützige Arbeit der Stiftung. Die Zukunft der Stiftung wird nun in den Händen der beiden Söhne Christoph und Florian liegen.

In fünf Jahrzehnten unterstützte die Stiftung gemeinnützige Empfänger und Institutionen mit einem mittleren siebenstelligen Euro-Betrag. Der größte Anteil der Stiftungstätigkeit entfiel auf Hilfe für Menschen in Not, die Alten- und Jugendhilfe, das Gesundheits- und Wohlfahrtswesen und soziale Dienste.

Weitere Felder der Stiftungstätigkeit waren Kunst, Kultur und Museen, wie das Glas- und Grafschaftsmuseum, der Historische Verein und das Schlösschen im Hofgarten. Ebenfalls bedacht wurden Institutionen zur Förderung der Völkerverständigung und der Aussöhnung mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sowie der Denkmal-, Umwelt- und Tierschutz.

Der Rettung des Schlösschens im Wertheimer Hofgarten galt Helmut Schölers besonderes Engagement. Bis zu seinem Rücktritt setzte er sich als Vorsitzender des gleichnamigen Förderkreises dafür ein. Durch Überzeugungsarbeit, eigenen finanziellen Beitrag und die Gewinnung von Kunstsammlern, die ihre Sammlungen dem Museum im Schlösschen zur Verfügung stellten, konnte im Jahr 2000 der drohende Abriss verhindert werden. So konnten der Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer wieder beachtenswerte Ausstellungen präsentiert werden.

Der Förderkreis „Schlösschen im Hofgarten“, dessen Ehrenvorsitzender Helmut Schöler bis zuletzt war, hat das Bürgerengagement in Wertheim auf eine breite Basis gestellt und damit den städtischen Haushalt in außergewöhnlicher Weise geschont. Das Rokokoschlösschen mit seinem besonderen Charme und der dazugehörige Park mit seinen Kieswegen, alten Bäumen und Pavillons werden heute über die Stadtgrenzen hinaus von vielen als wertvoller Teil des kulturellen Angebots der Stadt Wertheim geschätzt.

Helmut Schöler wünschte sich zuletzt ganz besonders, dass die Bürgerschaft, die Stadt Wertheim und der Förderkreis gemeinsam das Nutzungskonzept für das Schlösschen so weiterentwickeln mögen, dass das Gebäude und der Park einen dauerhaften und wesentlichen Platz im kulturellen Leben einer breiten Öffentlichkeit der Stadt Wertheim und ihrer Besucher einnehmen.

Im Jahr 1979 war Helmut Schöler Gründungspräsident des Rotary Clubs in Wertheim. Für seine bleibenden Verdienste wurde er von Rotary International 2001 mit der höchsten rotarischen Auszeichnung, der Paul Harris Medaille, geehrt. Der Rotary Club Wertheim ernannte ihn 2019 zum Ehrenmitglied.

Im Jahr 2010 hat die Große Kreisstadt Wertheim Helmut Schöler mit der Ehrenbürgerwürde die höchste Auszeichnung verliehen, die sie vergeben kann. Diese Würdigung seines Wirkens als Unternehmer und Förderer des kulturellen und sozialen Lebens hat Helmut Schöler mit großer Freude und Dankbarkeit angenommen.

Nun ist Helmut Schöler im Alter von 89 Jahren verstorben. Sein ältester Sohn Stephan war 1981 auf tragische Weise verunglückt. Helmut Schöler hinterlässt seine Frau Christina, die ihm in 62-jähriger Ehe Weggefährtin und Gesprächspartnerin in allen Dingen war, und seine beiden Söhne Christoph und Florian Schöler mit ihren Familien.

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