Wertheim

Theater Badische Landesbühne zeigte das Stück „Der Illegale“ / Beeindruckende und aufwühlende literarische Revue / Konstantin Wecker vertonte Texte

Unrecht als Gesetz macht Recht illegal

Archivartikel

Die Badische Landesbühne zeigte ein Stück über einen fast vergessenen Widerstandskämpfer: beeindruckend und aufwühlend.

Wertheim. „Wo das Unrecht Gesetz ist, wird das Recht illegal.“ Dieses Zitat aus dem Stück „Der Illegale“ in der Inszenierung von Carsten Schramm fasst die Beweggründe der Widerstandsgruppe rund um Günther Weisenborn zusammen.

Der Intendant der Badischen Landesbühne entdeckte den direkt nach dem Zweiten Weltkrieg häufig gespielten Stoff dieses vergessenen Widerstandskämpfers und Autors wieder und machte eine beeindruckende und aufwühlende literarische Revue daraus, die am Dienstag in der Aula Alte Steige zur Aufführung kam. Unterstützt wurde das Theatererlebnis durch die von Konstantin Wecker vertonten Texte Weisenborns, die die Schauspieler und Musiker mit großem musikalischen Geschick vortrugen.

Einmarsch verhindert Hinrichtung

Die Grundgeschichte ist rasch zusammengefasst: Die Werke des Schriftstellers Günther Weisenborn, der bereits in der Weimarer Republik Erfolge mit Antikriegsstücken hatte und unter anderem mit Bertolt Brecht zusammenarbeitete, werden 1933 von den Nazis verboten. Er schließt sich 1937 der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen an, die 1942 auffliegt. Daraufhin kommt er ins Zuchthaus Luckau.

Letztlich verhindert der Einmarsch der Russen, dass er wie seine Kameraden aus dem Kreis hingerichtet wird. Er wird sich bis zu seinem Tod 1969 der Aufarbeitung des Dritten Reichs und der Warnung vor Militarismus und Faschismus widmen.

Die Mitglieder des Ensembles bringen die schwierige Thematik emotional und ansprechend auf die Bühne: Man fühlt mit, wenn die Gefangene einer vermeintlichen Mitgefangenen ihre Taten verrät, nur um dann festzustellen, dass sie gerade mit einer Gestapo-Mitarbeiterin gesprochen und damit ihr eigenes Todesurteil besiegelt hat.

Misstrauen und Verrat

Man kann sich in die Situation versetzen, wenn man die Aufmärsche der Nazis 1933 und letztlich die zerstörten Städte 1945 an die hintere Wand des kargen Bühnenbilds projiziert sieht. Man spürt die Verbundenheit einer Gruppe, die sich bedingungslos vertrauen muss in einer Welt des Misstrauens und des Verrats.

Wer nun denkt, es habe sich bei der collagenartig angelegten Revue um ein rein historisches Stück gehandelt, der irrt. Gerade die Entscheidung, kein klassisches Theaterstück zu gestalten, sondern die fünf beteiligten Schauspieler in wechselnde Rollen schlüpfen zu lassen, ließ Raum für viel Übertragung in die Gegenwart.

Zeitlose Warnungen

„Sie geben dir ein Gewehr, um auf Fremde zu schießen, die Krücken kommen hinterher“, heißt es in einem der Songs. Spätestens hier merkt man die Zeitlosigkeit von Weisenborns Warnungen.

Weckers Musik gelingt es, die verschiedenen Stimmungen gekonnt herauszuarbeiten. Sanfte Melodien bei Aussagen der Verzweiflung, dagegen lustige Tonfolgen, wenn es darum geht, dass sich hauptsächlich die Industriellen am Krieg bereichern. Diese Fröhlichkeit unterstützt den satirischen Duktus.

Man könnte nun meinen, es habe sich um ein Stück gehandelt, dass vor allem herunterzog. Dies war nicht der Fall. Denn Weisenborn vermochte es, in seinen Texten nicht nur zu mahnen und zu erinnern, sondern zum Handeln aufzufordern und dafür Mut zu machen. Etwa in dem Lied, das den frohen Feierabend beschreibt für die, „die nach uns kommen“, dann, wenn der Krieg abgeschafft ist. Wer das bewerkstelligen soll? Das machen die Bühnenakteure deutlich: Wir alle.

Und deshalb war dieses Stück nicht nur eine erschreckende Erinnerung an eine dunkle Zeit, sondern vor allem ein Mutmacher im Gedenken an eine Gruppe, die beim Einsatz für ihre Überzeugungen nie die Hoffnung verlor: „So groß wie unser Mut und Zuversicht, sind Hitlers ganze Schergen nicht.“ Ein Stück, das die zahlreichen Besucher in der Aula Alten Steige sicherlich noch einige Tage gedanklich beschäftigen wird.

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