Wertheim

Lesung In der Eichler Veitskirche berichtete Seelsorgerin Christiane Bindseil über die Arbeit mit Sterbenden

Unaufhaltsames Schicksal akzeptieren

Eichel.Für viele Menschen ist es ein Thema, mit dem sie sich nicht gerne beschäftigen; für manche ist es gar ein Tabuthema. Den Umgang mit Sterben und Tod thematisierte am Donnerstagabend eine Lesung der Heidelberger Pfarrerin und früheren Klinikseelsorgerin Christiane Bindseil in der Veitskirche in Eichel. Musikalisch umrahmt wurde die im Rahmen des Projekts „Goldene Minuten“ veranstaltete Lesung durch die Musikerin Amandine Affagard an der Laute.

„Mir geht es gut, ich sterbe gerade“ lautet der Neugier und zugleich Irritation auslösende Titel des Buches, in dem Pfarrerin Bindseil gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Lackus über die Erfahrungen als Klinikseelsorgerinnen berichtet.

Die beiden Autorinnen wollen ihr Buch als einen „narrativen Beitrag“ zu der vor fünf Jahren aufgekommenen Debatte um den ärztlich assistierten Suizid verstanden wissen. Dabei seien die Geschichten authentisch, die Personenangaben lediglich aus Datenschutzgründen verändert worden.

Aus den Geschichten wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen auf die Nachricht einer schweren Erkrankung reagieren oder ihre letzten Tage verbringen. Es geht um die Enttäuschung, wenn der Lebensgefährte nicht mit im Krankenhaus übernachtet. Oder um die Angst vor dem Tod. Es geht aber auch um den bunten Blumenstrauß auf dem Nachttisch einer nahezu blinden Frau. Oder um die lang ersehnte Reise an die Nordsee.

Diese Mischung aus Verzweiflung und später Freude, aus Hadern und Akzeptanz des Schicksals, aus unerfüllten Träumen und Versöhnung bewegten die rund 40 Zuhörer sichtlich. „Es geht nicht um Beschönigung“, stellte die Autorin klar. Letztlich, und das wurde durch die vielseitigen Lebensgeschichten deutlich, steckt hinter jeder Geschichte ein einzigartiger Mensch mit seinen eigenen Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen.

Und so liegt der Gewinn der Geschichten unter anderem darin, eigene Haltungen zu reflektieren. Sie regen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens oder den „richtigen Zeitpunkt an, und betonen gleichzeitig den Wert einer vertrauensvollen Beziehung gerade auch zum Lebensende. Und vor allem auch über den Wert eines Gesprächs als Mittel gegen die Angst und das Alleinsein.

Das Projekt „Goldene Minuten“ der Evangelischen Sozialstation Wertheim hat die Förderung des diakonisch-seelsorglichen Profils zum Ziel.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen sich Zeit, die über die reine Pflege hinausgeht. Da diese Zeit nicht von den Pflegekassen bezahlt wird, übernehmen die Trägergemeinden die Finanzierung, die sich aus Spenden zusammensetzt.

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