Wertheim

Vortrag Ehemaliger Häftling erzählt Haupt- und Realschülern aus seinem Leben und stellt sein Buch vor / „Bibelraucher“ beeindruckte alle

Tief gefallen – bis die Wende kam

Kurz bevor die Corona-Krise keine größeren Zusammenkünfte mehr zuließ, kam eine Veranstaltung an der Comenius-Realschule (CRW) auf Initiative einer Schülerin zustande.

Bestenheid. Nele Tschöp, Schülerin einer zehnten Klasse zeigte ihrem Religionslehrer ein handsigniertes Buch mit dem Titel „Der Bibelraucher“, geschrieben von Wilhelm Buntz, der sich im Untertitel selbst als „Ex-Knacki“ bezeichnet. Nele kannte den Autor von einer früheren Veranstaltung. der Autor wurde in die Aula der der Realschule eingeladen.

So wie in dem Buch erzählte Wilhelm Buntz den Schülern von seinem Leben, das von Geburt an schwer belastet war. Er von seinen Eltern verstoßen worden und habe deshalb irgendwann beschlossen, nichts mehr fühlen zu wollen. Nur so hätte er sich vor weiteren seelischen Verletzungen schützen können. Als Mensch ohne Gefühle habe er aber schließlich schwere Straftaten begangen. Im Gefängnis habe er eine Bibel erhalten und sie zwar gelesen, aber dann doch nur die Seiten als Papier zum Zigarettendrehen benutzt.

Authentisch und vollkommen offen zeigte „der Bibelraucher“ auf, wie unendlich tief er in diesem Moment gefallen war. Aber er zeigte auch, dass es keine noch so düstere Lebenslage gibt, aus der heraus nicht doch noch die Wende zu einem guten Leben möglich ist. Bei ihm habe diese Veränderung das Neue Testament bewirkt, besonders die Lektüre der Bergpredigt, die ihm gesagt habe, dass er das „Salz der Erde“ und nicht „bitteres Gift“ sei. Und im ersten Johannesbrief habe ihn in Kapitel neun die Rede von der Vergebung beeindruckt. Er selbst habe seine Veränderung zum Guten erst gar nicht bemerkt, seine Zellennachbarn im Gefängnis allerdings. Sie taten dies jedoch als „Krankheit“ ab.

Die Schüler waren sehr beeindruckt, besonders von der Offenheit, mit welcher „der Bibelraucher“ über sein Leben sprach und seiner durchweg angenehmen Art. Auf die Frage von Konrektor Dieter Fauth, wie die Schule ihren Schülern aus unteren sozialen Milieus besser helfen könne, meinte Wilhelm Buntz, wichtiger als Wissen zu vermitteln sei die Zuwendung. Dabei ist es wichtig, den Schüler als Einzelnen ernst zu nehmen, der eben nicht hinter der Schülergruppe verschwinden dürfe. df

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