Wertheim

Amtsgericht Junger Mann verfiel seiner Spielsucht / 14-monatige Freiheitsstrafe unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt

Teilzeit-Kassierer einer Tankstelle verzockte mehr als 70 000 Euro

Wertheim.Der Teilzeit-Kassier einer Wertheimer Tankstelle schädigte im Zeitraum Juli bis Dezember 2018 seinen Arbeitgeber in erheblichem Maße. Im Besitz eines Spielerpasses, in dem die Häufigkeit der Spiele aufgezeichnet wird, und seiner Sucht zum Glücksspiel erliegend orderte er an einem im Tankstellen-Verkaufsraum aufgestellten Terminal Wetten, zahlte die damit verbundenen Einsätze aber nicht an der Tankstellenkasse ein.

Diese Untreue gegenüber dem Arbeitgeber musste auffliegen. Als es soweit war, hatten sich die nicht bezahlten Einsätze von ihm und seiner damaligen Freundin auf über 93 000 Euro summiert. Zur Rede gestellt war der Kassier geständig und übergab erzielte Gutscheine für Wettgewinne. Deren Betrag deckte bei weitem nicht die Einsätze, und es blieb ein Schaden von 74 000 Euro.

Schuldanerkenntnis

Der 27-Jährige unterzeichnete dem Arbeitgeber eine Schuldanerkenntnis, so dass bisher kein Zivilverfahren notwendig war, und zahlt nach eigenen Angaben den Schaden monatlich mit 500 Euro ab. Das Amtsgericht Wertheim verurteilte ihn jetzt zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, setzte sie aber unter Auflagen zur Bewährung aus. Bereits in der Vergangenheit hatte der Angeklagte wegen seiner Sucht zum Glücksspiel Schulden gemacht, diese zurückgezahlt und 2017/2018 an einer Suchtberatung teilgenommen. Er ist nicht vorbestraft.

Starke Sucht

Im vorliegenden Fall waren der übergeordneten Buchhaltung der Tankstelle die Gewinne aufgefallen, nicht die fehlenden Einzahlungen. Sie verständigte den Wertheimer Tankstellenleiter, und er konfrontierte den Kassier. Dieser entschuldigte sich auch bei der obersten Tankstellenleitung und zwar persönlich. In der Verhandlung trug er vor, anfänglich habe er nur ein bisschen Geld verdienen wollen, dann sei die Sucht stärker gewesen. Inzwischen verwaltet seine Mutter seine Finanzen.

Auflagen

Das Gericht sah „in gewissem Grad“ eine Einschränkung der Schuldfähigkeit durch die Sucht zum Glücksspiel, aber nicht in dem Maß, wie der Verteidiger. Die Bewährungsauflagen sind Tilgung des Schadens mit monatlich mindestens 400 Euro, Fortsetzung der Suchtberatung und Nachweis der Teilnahme. Auch die damalige Freundin hatte einen Spielerpass.

Auch Freundin beteiligt

Die nicht gezahlten Einsätze ihrer Wetten erreichten 4900 Euro und sind in den 93 000 Euro enthalten. Vermutlich lief gegen sie ein Strafverfahren ohne Verhandlung – mit Strafbefehl und Geldstrafe. goe

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