Wertheim

Kommunalwahlkampf SPD strebt „sieben plus x Sitze“ im neuen Gemeinderat an / Kandidaten stellen sich bei Rundgang und Bürgergespräch in Kembach vor

SPD setzt auf Impulse des neuen OB

Die Wertheimer SPD will auf der Erfolgswelle des Oberbürgermeisters mitschwimmen und kämpft auf vielen Ebenen um Stimmen. In Kembach ging es um die Herausforderungen vor Ort.

Wertheim. Die Wertheimer SPD feuert mit voller Breitseite im Kampf um die Mandate im Gemeinderat. Flächendeckend haben die Helfer ihre Botschaften plakatiert. In den sozialen Medien sind die Sozialdemokraten emsig unterwegs. Hier werden Videos der einzelnen Kandidaten und Berichte über Veranstaltungen gezeigt. Der Impuls hierfür kam, wie der Ortsvereinsvorsitzende und Kreisrat Thomas Kraft sagt, vom erfolgreichen OB-Wahlkampf. Besondere Veranstaltungsformate wie etwa das „Rote Sofa“ ergänzen die Aktivitäten.

Ambitioniertes Ziel

„Sieben plus x Sitze“ sollen dabei für die Genossen herausspringen, so Kraft gegenüber den Fränkischen Nachrichten. Ein ambitioniertes Ziel, denn bisher waren es derer sechs und im künftigen Kommunalparlament ist wegen der gegen den SPD-Willen beschlossenen Verkleinerung nur Platz für 22 statt 26 Gemeinderäte.

Die Sozialdemokraten setzen im Wahlkampf weiterhin auch auf klassische Methoden: Ortsrundgänge und Bürgersprechstunden in den Ortschaften und Stadtteilen.

So auch am Montag. Kembach stand auf dem Programm. Im Vorfeld waren Wahlkämpfer von Tür zu Tür gegangen und hatten einen Fragebogen verteilt. Die drängendsten Aufgaben der Stadt insgesamt und die speziell für Kembach wichtigste Aufgabe für die Ortschaft sollen die Bürger auf diesen hinterlassen.

Ortsvorsteherin Tanja Bolg empfängt die Delegation (14 Kandidaten) und interessierte Kembacher vor dem Rathaus, gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten Anliegen des Orts. Thomas Kraft eröffnet den Rundgang. Erstes Ziel ist der evangelische Kindergarten. Für diesen wird eine Lösung gesucht, denn er bietet zu wenig Platz angesichts der steigenden Geburtenzahl.

Zudem liegt er ungünstig an einer Straße. Die Stadt prüft derzeit, ob ein Anbau sinnvoll ist, oder man doch besser einen Neubau an der Kembachtalhalle errichtet. Karina Zeidler, die Leiteren der Kita, zeigt den Teilnehmern des Ortsrundgangs die Räumlichkeiten, erläutert die Herausforderungen. Die SPD-Kandidaten fragen nach, wie es mit den Öffnungszeiten und der Gruppenstärke der Kita aussieht.

Sozialer Gedanke

Dann geht es zu Fuß weiter zur Kembachtalhalle. Der Weg ist laut Tanja Bolg für Rollatornutzer ungeeignet, auch für Radfahrer nur bedingt. Vor der Halle schildert die Ortsvorsteherin, dass dringend Sanierungsarbeiten notwendig seien. Fehlende Dämmung verursacht hohe Energiekosten. Die Heizung funktioniere nicht, der Fußboden sei 40 Jahre alt.

Während der Stationen des Ortsrundgangs stellen sich die einzelnen Kandidaten persönlich vor und gehen auf ihre Schwerpunkte ein. Die Jura-Studentin Olga Neb aus Sachsenhausen etwa: Ihr seien die „Jugend und junge Erwachsene, bezahlbarer Wohnraum wichtig. Der „soziale Gedanke“ stehe für sie im Vordergrund.

Jonathan Klüpfel, selbständiger Dachdeckermeister aus Bettingen legt Wert auf „unternehmerisches Denken“, damit die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt weiter fließen. Er stehe für das Handwerk und die Ortschaften. Joachim Hettinger, Staplerfahrer und Ortschaftsrat aus Dertingen. lobt die Vielfalt der SPD-Truppe, die sich durch eine „Vielzahl an Ideen“ auszeichne. „Wir sind die 22 Leute, die zuhören, aber nichts versprechen können, da wir wissen, dass man viel Geld“ benötige, um all die dringenden Projekte umzusetzen.

Bürgerbeteiligung

Im anschließenden Bürgergespräch, an dem etwa 15 Bürger im Rathaus teilnahmen, kamen dann einige dieser Projekte auf den Tisch. Der Neu- oder Ausbau des Kindergartens müsse zeitig erfolgen, sagte ein Bürger mit Nachdruck. Der Standort an der Halle sei besser geeignet, weil es dort keinen Straßenverkehr gebe. Fraktionschef Patrick Schönig versicherte: „ Wir sind auf Ihrer Seite.“

Auch der Radweg, der auf der bayerischen Seite fertiggestellt ist und an der Landesgrenze endet, wurde heiß diskutiert. Die fehlende Transparenz in Bezug auf Entscheidungen des Gemeinderates und der Verwaltung waren ebenfalls Thema.

Mirco Göbel regte an, Gemeinderatssitzungen künftig auch auf den Ortschaften abzuhalten und die Bürger dort vor Ort einzubeziehen. Das Kernthema des neuen OB, die Bürgerbeteiligung, schimmert auch hier durch.