Wertheim

Vortragsreihe der Senioren-Union Ellen Heibach referierte über das Schicksal des Naziopfers Jochen Klepper

„So wollen wir uns drei mit Gas vergiften“

Wertheim.Im Rahmen der Vortragsreihe der Senioren-Union sprach Ellen Heibach über das prominente Naziopfer Jochen Klepper. Mit einfühlsamen Worten berichtete sie über dessen Leben und die Familientragödie. Um ihre Worte eindrucksvoll zu untermauern, zitierte sie häufig aus seinen Tagebüchern.

Jochen Klepper, Sohn einer schlesischen Landpfarrerfamilie studierte zunächst Theologie, Geschichte und Gerichtspsychiatrie, beendete diese Studien aber nicht sondern wandte sich früh dem Journalismus zu. Er schrieb Berichte und Essays über historische Persönlichkeiten für mehrere Zeitschriften und war damit sehr erfolgreich. Später bekam er eine wichtige Position im Rundfunk.

Seine große Liebe fand er 1928 in Johanna Stein-Gerstel, einer jüdischen Journalistin, die ihn bei seiner künftigen Arbeit stark inspirierte.

Seine Stellung beim Rundfunk verlor er unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazis, die alle wichtigen Positionen sofort mit linientreuen Anhängern besetzte. Als Göbbels zum Propagandakommissar ernannt wurde, schrieb Klepper in sein Tagebuch „ziemlich die schlechteste Lösung“ . 1931 heiratete er Johanna gegen den Wunsch beider Familien. Von da an wurde er wegen seiner jüdischen Ehefrau in seiner journalistischen Tätigkeit stark eingeengt. In dieser Zeit entstanden viele christliche Gedichte von denen er eine Vertonung erhoffte.

Sein erster Roman

Für seinen ersten Roman fand er leider keinen Verleger. Sein zweiter „Der Vater“ dagegen, in dem er Leben und Wirken des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., den Vater von Friedrich dem Großen, beschreibt, wurde zu einem riesigen Erfolg. Die Lektüre wurde sogar offiziell vom Reichskriegsministerium empfohlen, obwohl die Hauptfigur als pflichtbewusster und aufopferungsvoller Herrscher unter dem Gesetz seines Gottes geschildert wurde und somit im Gegensatz zu dem tyrannischen Regiment Adolf Hitlers stand.

Aber die Lage der jüdischen Bevölkerung und damit seiner eigenen Familie wurde immer prekärer. Die älteste Tochter aus einer früheren Ehe seiner Frau konnte noch nach England fliehen, die jüngere leider nicht, weil sie unter 18 war. 1940 wird Klepper noch zum Russlandfeldzug eingezogen, bald darauf aber wegen seiner jüdischen Familie wieder entlassen. Nun reifte der Plan der gemeinsamen Selbsttötung. Kleppers schreibt in sein Tagebuch: „So wollen wir ... uns drei mit Gas vergiften“. Und so geschah es, am 10. Dezember 1941 vergiften sich Jochen Klepper, seine Frau Johanna Stein-Gerstl und die Tochter Renate mit Gas in der eigenen Wohnung in Berlin.

Die vom Vortrag und der Tragödie dieses Naziopfers und seiner Familie sehr beeindruckten Zuhörer diskutierten anschließend noch lange über diese Zeit und ihre Auswirkungen.

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