Wertheim

Schüler erinnern an die Verbrechen des NS-Regimes

Archivartikel

Wertheim.Die Deportation der badischen Juden jährt sich in diesem Monat zum 80. Mal. In der ersten Massendeportation im NS-Regime wurden am 22. Oktober 1940 rund 6500 Juden aus Baden und der Saarpfalz in Konzentrationslager bei Gurs nahe den Pyrenäen verschleppt.

Auch 19 Wertheimer wurden dabei ohne jede Ankündigung aus ihrem gewohnten Leben gerissen. 15 von ihnen wurden knapp zwei Jahre später in den Vernichtungslagern des Ostens ermordet. Wie das Wertheimer Gedenkbuch „Stolpersteine“ zeigt, wurden insgesamt 36 Heimbewohner und über 100 Juden aus Wertheim ermordet sowie weitere 450 Wertheimer schwer verfolgt. Seit einigen Jahren erinnern Wertheimer Schüler in einem Erinnerungsdienst an diese Vorgänge. Mit selbst angefertigten Plakaten (Bild) zu einem der Ermordeten werden sie am Donnerstag, 15. Oktober, von 14 bis 15 Uhr an den Stolpersteinen verweilen und Passanten das Plakat zeigen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. In diesem Jahr beteiligen sich 50 Schüler aus den Klassen 9 und 10 der Comenius Realschule und der Hauptschule Urphar-Lindelbach. Koordiniert wird dieser Dienst vom Wertheimer Projekt Stolpersteine. Im Anschluss bleiben die Plakate zwei Tage an den Stolpersteinen liegen, bevor sie am Sonntag wieder geordnet entfernt werden. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Plakate bei der Bevölkerung auf großes Interesse stoßen.

Mit dem Erinnerungsdienst sollen die Verbrechen im NS-Regime an Heimbewohnern und an Juden in Erinnerung bleiben und das Wissen an die nächste Generation weitergegeben werden. Dies soll Mahnung sein, auch heute gesellschaftlich schwach gestellte Personen oder Randgruppen zu schützen und nicht auszugrenzen oder gar zu verfolgen. pm

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