Wertheim

Kultur Das Klavierduo Franziska und Florian Glemser trat im Schlösschen nach langer Corona-Pause wieder vor Publikum auf

Schöne Melodien, kunstvoll verziert

Der Kulturkreis Wertheim veranstaltete ein „Meisterkonzert im Schlösschen“. Franziska und Florian Glemser freuten sich, nach langer Corona-Pause wieder aufzutreten zu können.

Hofgarten. Die am Sonntag begrenzt verfügbaren Plätze im Konzertsaal des Hofgartenschlösschens waren frühzeitig ausverkauft, so dass auch Zusatzstühle in der Zwischenetage und im Vorraum begehrt waren und die dortigen Zuhörer – wenn auch ohne direkte Sichtverbindung – einen erfüllten Abend genießen konnten.

Mit dem Rondo A-Dur op. 107 von Franz Schubert (1797 bis 1828) begann ein festlicher, schwungvoller und vielfarbiger Abend der vierhändigen Klaviermusik. Zunächst sanft und weich einsetzend wurde das Thema vorgestellt, auf das man sich nach kunstvollen Zwischenspielen immer wieder neu freuen konnte, bis zum feierlich anmutenden Abschluss, der mit einer genussvoll zelebrierten Aufwärtstonleiter eingeleitet wurde.

Als Beitrag zum Beethovenjahr (250 Jahre Beethoven: 1770 bis 1827) hatte sich das Duo etwas Besonderes einfallen lassen: Die letzte, sehr selten gespielte Klavierkomposition des Meisters, „Beethovens letzte Worte am Klavier“, so Florian Glemser, ist eine eigenständig weiterentwickelte Originalkomposition nach einem monströsen Finalsatz, der eigentlich einem Streichquartett zugedacht war.

Hilfreich war Florian Glemsers „Kompass, der das Ohr durch das Stück führen kann“. So waren die relativ abstrakten Fugenthemen leichter mitzuverfolgen und in der Einbettung im komplexen Klangumfeld gut zu identifizieren. Eines der Themen erinnerte an die von Barock bis Liszt immer wieder verwendete Tonfolge B-A-C-H.

Dramatisch und düster

Aber auch melodiöse Wendungen wurden immer wieder kontrastreich den orchestral-monumentalen Akkordfolgen gegenübergestellt, manchmal unvermittelt und übergangslos, die dann aber über große Crescendi immer wieder in mächtige Fortissimoklänge mündeten.

Fünf Liedbearbeitungen für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert aus der Feder von Florian Glemser (geboren 1990) vermittelten den Zuhörern ein komplex vergrößertes Bild bekannter Lieder.

Der „Erlkönig“ wirkte dramatisch und düster, auch in Verbindung mit dem bekannten und vielen Zuhörern sicherlich präsenten Text der Goethe-Ballade („in seinen Armen das Kind war tot“).

Modern kontrastiert

Schöne Melodien, kunstvoll umspielt und verziert, erklangen volksliedhaft und romantisch, tänzerisch und fröhlich. Modern kontrastierte die Bearbeitung von „Der Leiermann“ mit zeitgenössischen pianistischen Klangeffekten und Motiven wie „Am Brunnen vor dem Tore“, zuerst nur leise im Hintergrund anklingend, dann nach variierten Tonfolgen deutlich und bestätigend wieder zur Kernmelodie zurückkehrend.

Mit den sechs Fantasien „Souvenir de la Russie“ von Johannes Brahms (1833 bis 1897) präsentierte das Duo eine Folge vierhändiger Stücke, die die ganze Vielfalt der Möglichkeiten zeigte, die mit einem Klavier und vier begnadeten Händen darstellbar sind: feurige Rhythmen, feierliche Choräle, wiegende Mandolinenklänge, schöne, gesangliche Melodiebögen und rasante, hochvirtuose Läufe führten zu einem festlichen, genussvollen Abschluss.

Ruhige Zugabe für den Nachhauseweg war die unsterbliche Brahmsmelodie „Guten Abend, gute Nacht“ in der wohl eher selten zu hörenden aber wunderschönen Ausprägung für vier Hände, wiederum gefühlvoll dargeboten vom Klavier-Duo und Ehepaar Franziska und Florian Glemser.

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