Wertheim

Lesung Erich Langguth zitierte aus den Werken der Wertheimer Mundartdichterin und berichtete über ihre Familie

Rosa Müller: eine kleine, agile, stets fröhliche Natur

Archivartikel

Wertheim.Den 150. Geburtstag hätte Mundartdichterin Rosa Müller am Dienstag feiern können. Eine schönere Würdigung als die Lesung ihrer Werke durch Erich Langguth an diesem Tag, konnte es nicht geben.

Lag es nun an Rosa Müller oder am Stadtarchivar i.R. Erich Langguth? Wahrscheinlich war es die Kombination dieser beiden Wertheimer Originale, die am Dienstagabend zu dem Ansturm führten. Der Modersohn-Saal des Grafschaftsmuseums war auf jeden Fall bis auf den sprichwörtlich letzten Platz besetzt, als Museumsleiterin Stefanie Arz und Ursula Wehner, die die Veranstaltung seitens des Hauses betreute, sich daran machten, die Gäste zu begrüßen. Darunter natürlich vor allem Hans-Peter und Klaus Müller, die beiden Enkel der Dichterin.

Die wurde am 19. November 1869 als Johanna Rosina Dorothea Schneider geboren wurde. „Über ihren Geburtsort gibt es verschiedene Lesarten“, sogar Kreuzwertheim werde genannt, erklärte Langguth. Aber das stimmt genauso wenig, wie die Rathausgasse. In der damaligen Eichelgasse 2 kam sie auf die Welt, lautete das Ergebnis der jüngsten Forschungen des langjährigen Stadtarchivars. Erst 1887 sei sie mit ihrer Familie in die Rathausgasse, „in das Haus mit der goldenen Nummer 5“ gezogen.

Natürlich ließ es sich der Redner nicht nehmen, auch ein wenig den Stammbaum der Jubilarin zu beleuchten: Vater Christoph Wilhelm Schneider war Schneider von Beruf und wurde deshalb im Volksmund der „Schneider-Schneider“ genannt. Von ihm erbte Rosa Müller wohl ihr dichterisches Talent. Der Großvater Johann Georg war erster Mechaniker in der Stadt. Er repariere alles, was zu reparieren war, und in seiner Todesanzeige war vom „Tausendkünstler“ die Rede war.

Immerhin, mütterlicherseits über die Familie Eisenhauer, hatte sie Ur-Wertheimer Vorfahren. Er selbst habe das Glück gehabt, Rosa Müller, die am 21. Januar 1944 starb, noch gekannt zu haben, berichtete Langguth, der in wenigen Tagen seinen 96. Geburtstag feiert. Er erzählte, wie er alle zwei Wochen im Wechsel mit seinem Bruder Rosa Müller und anderen, die am Samstag schon wissen wollten, welche Lieder am Sonntag in der Kirche gesungen würden, handgeschriebene Zettel mit den entsprechenden Informationen vorbeibrachte.

„Sie war eine kleine, agile, stets fröhliche Natur, die sich als waschechte Wertheimerin gefühlt hat“. Allerdings wohnte sie eine Zeitlang, nach der Hochzeit mit Johann Ludwig Müller – einem Schneidermeister – einige Jahre nicht hier.Sie bewahrte eine große Anhänglichkeit, wie die Ode „Mein Werde“ bewies, die Langguth dann als erstes ihrer Werke vorstellte. „Und das Städtle, des heißt Werde – ist das Schönste auf der Erde“, heißt es darin.

Welcher Wertheimer kennt diesen Satz nicht und würde ihm bedenkenlos und jederzeit zustimmen. Obwohl es immer wieder vom Hochwasser heimgesucht wird, etwa 1920.

Diesem Ereignis widmete sich die Dichterin ausführlich, schilderte dramatisch anmutende Szenen und vergaß dabei doch den Humor nicht. Nicht nur Gedichte hatte Erich Langguth für seine Lesung herausgesucht, auch einige der wenigen Prosatexte. Und diese sogar sehr gerne, wie er einräumte, weil sie weniger bekannt seien. So sind sie auch nicht in dem „Soondkörnli und Muscheli“, der 1937 erstmals erschien.

Die Schönheiten Wertheims, die Lage an Main und Tauber, das Leben in den Gassen, die Michaelismesse, aber auch der Bau der Kanalisation und, wie schon erwähnt, das Hochwasser – das waren die Themen, derer sich Rosa Müller in ihren Mundartgedichten vor allem annahm. Sie berichtete vom Arztbesuch und von der Grünenwörter Kindstaufe und manch weiteren, mal alltäglichen manchmal eher skurril anmutenden Begebenheiten. Das alles wurde von Erich Langguth so perfekt dargebracht, verbunden mit dem ihm eigenen verschmitzten Lächeln und kundigen Kommentaren, dass man den Abend nur ein Vergnügen nennen konnte. ek

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