Wertheim

Einkaufsservice Hilfsangebote wie die des Freudenberger Seniorenbeirats sind nicht nur, aber gerade während der Coronakrise wichtig

Rausgehen für die, die drin bleiben sollen

Archivartikel

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen in der Region engagiert, um ältere Mitbürger zu unterstützen. Durch die aktuelle Krise werden es immer mehr Helfer.

Wertheim/Freudenberg/Kreuzwertheim. Rückblick: Dankbar nimmt Margot Will aus Boxtal die Lebensmittel und andere Waren entgegen, die ihr Ralf Kern vom Einkaufsservice des Seniorenbeirats Freudenberg mitgebracht hat. Diese hatte der ehrenamtliche Helfer zuvor im Freudenberger Supermarkt für die Seniorin eingekauft. Neben Mineralwasser trägt er unter anderem Blumenerde, Blumen und Brötchen die Treppe hinauf. „Wir liefern aktuell nur bis zur Haustür, nicht ins Haus“, betont er mit Blick auf den Infektionsschutz.

Die 74-jährige Boxtalerin nutzt den Service zum ersten Mal. Sie freut sich, dass sie vor allem schwere Sachen geliefert bekommt. Die Angst vor Corona sei nicht der Grund, weshalb sie nicht selbst einkaufen gehe: „Ich kann aktuell nicht mit dem ÖPNV oder Auto fahren“, erklärt sie. Sie findet „es sehr gut, dass es das Angebot gibt“.

Anfang März gestartet

Gestartet hat der Seniorenbeirat den Einkaufsservice Anfang März. Die Idee dazu war im November bei einer Vorstandssitzung entstanden. Vorstandsmitglied Leo Rauch berichtete von einem Gespräch mit einer Seniorin aus der Kernstadt, die den Wunsch nach einem Lieferservice geäußert hatte.

„Wir waren uns einig, wir machen das“, erklärte der stellvertretende Vorsitzender des Beirats, Ralf Kern, im Gespräch mit den FN. Das Angebot richte sich an Senioren und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen. Dabei arbeitet man mit dem Sozialen Helferkreis Freudenberg zusammen, der bereits einen Einkaufsservice angeboten hat.

Neben den ehrenamtlich tätigen Bürgern unterstützt auch Johannes Hösch, Inhaber des örtlichen Rewe-Markts, die Aktion. Bei steigender Nachfrage will er kostenlos sein Firmenfahrzeug für die Lieferungen zur Verfügung stellen.

Bislang gilt für das Projekt folgendes Verfahren: Die Senioren kaufen dienstags selbst im Freudenberger Rewe-Markt ein und bezahlen die Waren. Dann wird sie dort mit einem Adressaufkleber hinterlegt. Mittwochs holen die Helfer die Einkäufe ab und bringen sie zwischen 10 und 12 Uhr zu den Adressaten.

„Wir haben diesen genau festgelegten Zeitraum, weil die Belieferten ja auch zu Hause sein müssen“,nennen die Verantwortlichen einen wichtigen Grund für die Festlegung.

Für die Zukunft kann sich Kern vorstellen, dass der Seniorenbeirat auch telefonisch Bestellungen entgegennimmt und dann liefert. Dies wäre vor allem für die Senioren in den Ortsteilen hilfreich. Doch „das Interesse an unserem Lieferangebot ist bisher gering“, bedauert er. Es seien bislang nur zwei bis drei Kunden in der Woche gewesen, vor allem aus der Kernstadt. Ausgeliefert wurden vor allem schwere Waren wie Wasserkästen.

Ältere Helfer müssen pausieren

Inzwischen sieht die Lage ganz anders aus: Momentan ruht der Lieferservice des Seniorenbeirats auf Anweisung der Stadt Freudenberg. Grund ist das neue Coronavirus. Das städtische Familien-, Senioren- und Integrationsbüro (FSI) Freudenberg hat den Aktiven mitgeteilt, dass die Stadtverwaltung sich große Sorgen um das Wohl vor allem der Senioren in Freudenberg und den Ortschaften mache. Menschen ab 65 Jahren sollten zuhause bleiben. „Unsere Helfer gehören alle zur Risikogruppe der Älteren“, begründete Kern den Stopp des Angebots.

Das FSI-Büro organisiert einen Einkaufsservice für alle ab 65 Jahren und für sonstige Risikogruppen. Freiwillige zwischen 15 und 64 Jahren gehen für diese Mitbürger in allen Ortsteilen einkaufen. Dieser von der Stadt organisierte freiwillige Service wird nur solange aufrechterhalten, wie es die „Virus-Situation“ es erfordert, wurde vom FSI mitgeteilt. Kern betont: „Nach der Coronakrise wird unser Lieferangebot auf jeden Fall weitergehen.“

Auf Nachfrage der FN beim Seniorenbeirat Wertheim erklärte dessen Vorsitzender Jürgen Küchler, dass man momentan kein Lieferangebot für ältere Einwohner plane. Die Stadtverwaltung Wertheim organisiere jedoch für die Zeit der Coronakrise ein Hilfsangebot mit Freiwilligen. Dazu arbeite man mit den Ortsvorstehern und Stadtteilbeiratsvorsitzenden zusammen.

Helfer sind willkommen

Nassigs Ortsvorsteher Volker Mohr erklärte, er persönlich sehe für die Ortschaft keinen großen Bedarf für das neue Hilfsangebot, da man im Ort die komplette Infrastruktur zum Einkaufen habe: „Viele, die nicht raus wollen, haben Familie oder gute Nachbarn, die für sie einkaufen.“ Das neue Hilfsangebot der Stadt stehe natürlich den Betroffenen offen, betonte Mohr. Man freue sich über Helfer, die sich für die Nachbarschaftshilfe melden. „Wir müssen abwarten, ob das neue Angebot genutzt wird.“

Ortsvorsteher Eberhard Roth berichtete, dass das neue Projekt in Mondfeld durch eine Ergänzung beziehungsweise Umwandlung des bereits seit längerem bestehenden Seniorenfahrservice’ umgesetzt werde. Die ehrenamtlichen Helfer, die bisher die älteren Einwohner unter anderem zum Einkaufen fuhren, übernehmen jetzt für diese Einkäufe auf Bestellung.

In Kreuzwertheim koordinieren die Mitarbeiter des Pfarrbüros der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde eine „Corona-Nachbarschaftshilfe“. Angeboten werden sollen Einkäufe und Botengänge. Die Teams vom Bürgerbusverein Kreuzwertheim und „Gemeinsam gegen einsam“ sind mit Fahrern und Helfern mit dabei.

In Wertheim übernimmt die Koordination der Nachbarschaftshilfe die Tourist-Information Wertheim unter Leitung von Christiane Förster. Dabei werden Helfer zu Gruppen zusammengeführt, die dann für bestimmte Ortschaften und Stadtteile zuständig sind. Nach einer Mitteilung der Stadtverwaltung laufen die Absprachen mit den Ortsvorstehern und Stadtteilbeiratsvorsitzenden, so dass auch hier die Vernetzung vor Ort gewährleistet werde.

Die Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen durch die Nachbarschaftshilfe soll in der Großen Kreisstadt am Dienstag, 24. März, starten.

Private Initiativen

Auch in den sozialen Medien bilden sich auf Privatinitiative hin Helfergruppen. So hat die Facebookgruppe „Corona-, Quarantäne-, und Nachbarschaftshilfe Main Tauber Kreis“ bereits rund 700 Mitglieder. Zudem bieten verschiedene Gruppen und Vereine Betroffenen ihre Unterstützung an. Ein Beispiel dafür sind die Bestenheider Ministranten.

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