Wertheim

Zaubershow Varieté-Künstler Michael Parléz zu Gast in der Aula Alte Steige / Berichterstatter wurde zum unfreiwillig Freiwilligen

Publikum fragt sich: „Wie hat er das nur gemacht?“

Wertheim.Eigentlich ist doch völlig klar, dass die „zufällig“ aufgerufenen Zuschauer, die bei einer Zaubershow auf die Bühne gerufen werden, vorher instruiert wurden. So dachte auch der Schreiber dieser Zeilen – bis ihn der Freiburger Varieté-Künstler Michael Parléz bei seinem Auftritt in der Wertheimer Aula Alte Steige am vergangenen Samstag – natürlich mit Mundschutz – selbst auf die Bühne komplimentierte. Und so wurde aus dem, der eigentlich aus der neutralen Beobachterposition berichten soll, plötzlich ein unfreiwillig Freiwilliger.

Aus dem Leben eines Zauberers

Was bisher geschah: Nun, Parléz zog das Publikum, das bei dieser zweiten „Kleinkunst im Gewölbe“-Veranstaltung in Coronazeiten schon wesentlich zahlreicher erschienen war als drei Wochen zuvor, mit seinen Geständnissen aus dem Leben eines Berufszauberers ebenso in seinen Bann wie mit seinen Zauberkunststücken. Wie schon beim letzten Künstler der Veranstaltungsreihe des Convenartis-Kleinkunstvereins gehörte der Wertheimer Abend zu den allerersten Auftritten des Künstlers seit Beginn der Pandemie.

Anders als seinem Vorgänger gelang es Parléz jedoch recht schnell, sich mit der ungewohnten Situation des Kleinkünstlers im großen und coronabedingt halb leeren Haus zu arrangieren, ist er doch gewohnt auch als Teil einer abendfüllenden Show auf einer großen Bühne zu stehen. Und so „funktionierte“ seine Kunst auch in der Aula, dem Ausweichquartier des Kleinkunstvereins, sehr gut.

Dass das auf Abstand sitzende Publikum trotzdem eine Weile benötigte, um in Fahrt zu kommen, überspielte Parléz mit scheinbar spontanen Einwürfen wie: „Ich kann Applaus und Mitleid durchaus voneinander unterscheiden“.

Geboten wurden zahlreiche Sparten der Bühnenzauberei von magischen Spielchen über Kartentricks, dem klassischen Seiltrick und telepathische Illusionen bis hin zu verschwindenden und wieder auftauchenden Bällen, Tomaten oder Orangen. Außerdem gab es eine kleine Bauchrednereinlage mit dem schokoladesüchtigen Piepmatz.

Auf zersägte Jungfrau verzichtet

Lediglich auf die zersägte Jungfrau verzichtete Parlez, nicht weil keine anwesend gewesen wäre (oder vielleicht doch), sondern weil er lieber Geld in eine Flasche zaubern wollte. Und – für die anwesenden Schwaben besonders wichtig – wieder daraus hervor.

Natürlich gehört zu den Einblicken in das geheimnisvolle Leben eines Profizauberers auch der Blick auf dessen Hobbies. So erfuhr das Publikum von Parléz’ Leidenschaft als Hobby-Philosoph, der sich mit Fragen beschäftigt wie: „Darf jemand, der eine Erkältung hat, eigentlich eine Ansteck-Nadel tragen?“ Auch wenn diese hochaktuelle Frage bedauerlicherweise unbeantwortet blieb, ging das Publikum nach einem sehr unterhaltsamen Abend zufrieden und – wie die Kinder des Autors – fachsimpelnd auf Harry Potter verweisend wieder nach Hause. Nur der Schreiber dieser Zeilen fragt sich immer noch: „Wie hat er das nur gemacht?“

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