Wertheim

Ausbau der Kinderbetreuung Stadt erweitert für fast eine Million Euro Angebot an Krippen- und Kindergartenplätzen / Lösung für Kembach noch nicht in Sicht

Platz für 141 Kinder und weitere zehn Erzieherinnen

Wertheim.„Die Kinder sind unsere Zukunft und in die müssen wir investieren“, sagte Bürgermeister Wolfgang Stein. Er war es auch, der am Montagabend auf der Gemeinderatssitzung den zahlreichen Anwesenden die Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2019/20 vorstellte.

Die seit Jahren erfreulich steigenden Geburtenzahlen führen auch in der Gemeinde zu einem ständig steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen, vor allem im Bereich der Krippenplätze besteht erhöhte Nachfrage. Längere Betreuungszeiten stehen aber ebenso auf der Wunschliste der Eltern.

89 Plätze schon beschlossen

Bereits im letzten Jahr habe deshalb der Gemeinderat die Erweiterung um 89 Betreuungsplätze beschlossen. Umgesetzt davon sind zehn Plätze im katholischen Kindergarten St. Venantius (Krippe), fünf Plätze im evangelischen Kindergarten Dertingen und 20 Plätze im Kinderhaus auf dem Reinhardshof (unter kommunaler Trägerschaft).

Noch nicht in Betrieb genommen sind zehn Plätze in der kommunalen Kindertagesstätte in Bettingen, 22 Plätze in St. Venantius (verlängerte Öffnungszeiten) und 22 Plätze in der katholischen Kindertagesstätte St. Elisabeth. Diese werden im Januar und März zur Verfügung stehen.

Eine Analyse hat jedoch weiteren Bedarf aufgedeckt. Für das Kindergartenjahr 2019/20 will die Stadt deshalb nun weitere 52 Plätze schaffen, davon zehn in der Kita Bettingen, 22 im Kinderhaus auf dem Reinhardshof, zehn Plätze in der Tagesstätte in Lindelbach und zehn Plätze in der evangelischen Kita in Sonderriet. Die Inbetriebnahme ist zwischen Januar und Mai 2020 vorgesehen. Die Anzahl der Gruppen steigt damit um acht auf insgesamt 63. In der Tagespflege stehen weitere 38 Plätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren zur Verfügung. Das sind drei mehr als in diesem Jahr.

Besonderheit Kembach

Eine Besonderheit stellt die Einrichtung in Kembach dar, die auch von Kindern aus Dietenhan besucht wird. Wie Stein sagte, ist hier noch keine Lösung für den gestiegenen Bedarf in Sicht. Eine „Kurzfristlösung“ habe sich nach seiner Aussage leider zerschlagen. Dennoch laufen auch für diese Einrichtung diverse Prüfverfahren, wie Stein versicherte.

„Wir sind eine familienfreundliche Stadt und wollen einen bunten Strauß an Betreuungsmöglichkeiten anbieten“, so Stein.

Für diesen Ausbau des Angebots sind im Vermögenshaushalt knapp 950 000 Euro eingestellt. Der Bund unterstützt diese Entwicklung voraussichtlich mit 140 000 Euro.

Der Zuschussbedarf für alle 23 Wertheimer Einrichtungen wird auf 5,6 Millionen Euro (ohne Landeszuschuss) beziffert. Der Landeszuschuss richtet sich nach verschiedenen Parametern, unter anderem der Kinderzahl und der wöchentlichen Betreuungszeit.

Mit den zunehmenden Betreuungsplätzen geht auch eine Steigerung des Personalbedarfs einher. Für das Kindergartenjahr 2019/20 sind 9,8 Personalstellen zusätzlich anvisiert. Dies hat eine Erhöhung der Personalkosten von 420 000 Euro pro Jahr zur Folge.

Um diese Stellen bei bekanntem Fachkräftemangel besetzen zu können, ergreift die Stadt verschiedene Maßnahmen, wie beispielsweise praxisintegrierte Ausbildungsplätze, Schulpraktikumsplätze und aktive Werbung auf verschiedenen Plattformen.

„Die zehn neuen Stellen werden sich im Haushalt eindeutig niederschlagen“, so Udo Schlachter (CDU), der die Entwicklung der Kinderzahlen als positiv wertete. „Die Bedarfsplanung ist ein funktionierendes Instrument“, wertete Patrick Schönig (SPD). So werden seiner Meinung nach recht schnell Defizite erkannt und pragmatisch gehandelt.

Die Auslastung

Die Zahlen zur nachgefragten Auslastung lieferte Uwe Schlör-Kempf, zuständig für die Abteilung Kinder, Jugend, Sport und Vereine bei der Stadtverwaltung. So ist beispielsweise bei den „Unterdreijährigen“ eine Auslastung von 90 Prozent erreicht. Vor allem in diesem Bereich erwartet Schlör-Kempf in den nächsten Jahren noch eine weitere Zunahme der Nachfrage nach Krippenplätzen.

Sonderriets Ortsvorsteher Kurt Kraft brachte seine Freude zum Ausdruck, dass bei der Planung die kleinen Orte nicht vergessen werden. „Für uns ist das Vorhandensein von Kindergartenplätzen existenziell“, sagte er.

Pfarrer Jürgen Banschbach verwies darauf, dass die Personalfrage sich in Zukunft noch schwieriger gestalten werde.

Der Gemeinderat stimmte der Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2019/20 einhellig zu.