Wertheim

Urpharer Abendmusik Armin Rosin ließ Alphorn erklingen / Domorganist Martin Bernreuther mit spielerischer Leichtigkeit

Orgel wirkte wie Echoinstrument

Armin Rosin spielte Posaune und Alphorn bei der Abendmusik in der Urpharer Jakobskirche. Domorganist Martin Bernreuther zeigte spielerische Leichtigkeit.

Urphar. „Vom Alphorn zum Negro Spiritual“ lautete das Programm der 118. Abendmusik in der Urpharer Jakobskirche, das am Abend des Erntedanksonntags „den grauen Tag vergoldete“. Mit diesen Worten aus dem „Herbstgedicht“ von Theodor Storm hatte Pfarrerin Annegret Ade die Besucher begrüßt und einen interessanten Abend versprochen. Dieser war dann nicht nur musikalisch vielseitig und genussreich, sondern darüber hinaus durch Armin Rosins fachkundige Erläuterungen auch höchst informativ und lehrreich.

So sei das Alphorn bei weitem nicht nur in den Alpen, sondern in allen Hoch- und Mittelgebirgen weltweit verbreitet. Die Zunft der Stadtpfeifer hätten im Mittelalter nicht nur mit Trompeten und Posaunen, sondern auch mit Alphörnern zu besonderen Anlässen musiziert. Ein Beispiel hierfür sei die „Egerer Stadttürmer-Fanfare“, die nun mit anderen traditionellen Originalmelodien in Bearbeitungen Rosins für Alphorn und Orgel erklang.

„Wie man auf einem Baumstamm spielt“ erläuterte Prof. Armin Rosin, Wegbereiter der Posaunensolomusik mit jahrzehntelangem Erfahrungsschatz, den interessierten Zuhörern und brachte sie zum Staunen: Das Holz für ein Alphorn werde in einer Vollmondnacht von Bäumen eines Berghanges (wegen der Form des Schalltrichters) geschlagen. Spielen müsse man es wie eine Posaune, nur dass man ohne Ventile ausschließlich Naturtöne spielen könne. So habe man nur wenige Dreiklangstöne zur Verfügung und müsse bei Melodien in sehr hoher Lage spielen – mit erhöhtem Fehlerrisiko, von der körperlichen Anstrengung abgesehen.

Die Orgel wirkte anfangs wie ein Echoinstrument, das die Alphornmelodien dann immer mehr ergänzte und schließlich mit eigens komponierten Zwischenspielen die Originalmelodien ergänzte und bereicherte.

Die „SMS aus den Alpen“, eine Komposition von Hans-Jürg Sommer (geb. 1950) war ein besonderes Schmankerl, das rhythmisch und dissonant, schräg und ironisch, pfiffig und neckisch die klanglichen Möglichkeiten der Urpharer Orgel und auch des Alphorns ganz neu kombinierte und so zu einem Highlight des Konzerts wurde.

Wohl auch aus Platzgründen war das Alphorn im Chorraum gespielt worden, zum zweiten Teil des Konzerts konnte Armin Rosin nun auf die Empore kommen. Domorganist Martin Bernreuther hatte mit der „Toccata undecima“ von Georg Muffat (1653 bis 1704) ein zur Urpharer Orgel optimal passendes Werk ausgesucht, aber auch die einhundert Jahre später entstandene „Sonate F-Dur“ des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel klang festlich-virtuos, im langsamen Satz auch filigran und sanft.

In der Wahl der Register und dem eleganten Schwung im Dreiertakt des Allegretto meinte man die spielerische Leichtigkeit des legendären „Maitre“ Jean Guillou, dem Anfang 2019 verstorbenen, langjährigen Titularorganisten an St. Eustache (Paris) zu erkennen. Ihm hat Martin Bernreuther einen wichtigen Teil seiner Ausbildung zu verdanken. Frank Wolz assistierte dem Domorganisten beim Umblättern und Registrieren an der historischen Orgel.

„My Lord, what a morning“ und „Josuah fit the battle of Jericho“ bildeten den beeindruckenden Abschluss des Konzerts, bei dem Armin Rosin neben der Posaune auch seine ausgebildete, sonore Bariton-Singstimme erschallen ließ. Mit dem Segen beschloss Pfarrerin Annegret Ade das Konzert.

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