Wertheim

Sozialarbeit Beschränkungen wirken sich stark auf die Jugendarbeit aus / Städtische Einrichtungen zum Teil geöffnet / Kirchen und Vereine online

Nicht jeder Wunsch kann erfüllt werden

Die aktuellen Corona-Beschränkungen wirken sich auch massiv auf die Jugendarbeit aus. Anders als beim Shutdown im Frühjahr sind jedoch auch Präsenzaktionen unter Auflagen möglich.

Wertheim/Freudenberg. Einerseits sollen physische Kontakte soweit wie möglich reduziert werden, um die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus zu bremsen. Auf der anderen Seite ist sich die baden-württembergische Landesregierung bewusst, wie wichtig Angebote der Kinder- und Jugendarbeit für die Entwicklung der Heranwachsenden sind.

Deshalb ermöglicht die aktuelle Verordnung für die Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendsozialarbeit in Baden-Württemberg Präsenzaktionen der außerschulischen Jugendbildung und der Jugendsozialarbeit unter Corona-Auflagen. Verboten sind hingegen bis 30. November 2020 alle Aktivitäten der Jugenderholung. Das praktische Problem der Vereine besteht nun darin, dass die Verordnung keine weitere Ausdifferenzierung enthält.

„Das bedeutet für die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit, ihre Angebote in eigener Verantwortung in den jeweiligen Feldern zu verorten und diese Einordnung begründen zu können“, erklärte Jürgen Dorn, Vorsitzender des Landesjugendring Baden-Württemberg.

Jugendhäuser offen

Die Möglichkeit weiterhin Jugendsozialarbeit anbieten zu können, nutzen die beiden Wertheimer Jugendhäuser „ Soundcafé“ in der Kernstadt und „Jugendtreff 114 „ auf dem Reinhardshof . Sie haben unter Beachtung von Hygieneauflagen weiterhin Mittwoch bis Freitag geöffnet.

Auch die angekündigte Samstagsaktion am 21. November von 14 bis 18 Uhr im Jugendhaus soll stattfinden. Kinder und Jugendliche von acht bis 16 Jahren werden sich dann zu Bastelaktivitäten unter dem Motto „Do it yourself“ treffen.

Markus Landeck von der kommunalen Jugendarbeit Wertheim erklärte im FN-Gespräch: „Die Jugendlichen sind sehr dankbar für die Angebote der kommunalen Jugendarbeit. Zum Teil können aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen nicht alle Kinder und Jugendlichen bedient werden, die das Angebot wahrnehmen möchten.“

Aus der Nutzung der Angebote ließe sich schließen, dass es gerade jetzt wichtig sei, Kinder und Jugendliche nicht komplett zu isolieren, ihnen den Kontakt zu Gleichaltrigen zu ermöglichen und ihnen ein offenes Ohr anzubieten.

In Freudenberg hingegen bleiben die Jugendräume in Kernstadt und Ortsteilen geschlossen. Bürgermeister Roger Henning begründete dies in der jüngsten Gemeinderatssitzung damit, dass man keine betreute offene Jugendarbeit habe, bei der man die Schutzregeln sicher umsetzen könne.

Bei den Kirchen und Vereinen werden die Möglichkeiten der aktuellen Verordnung für Jugendbildungsmaßnahmen in Präsenz wenig genutzt. Der Stadtjugendring Wertheim bietet seine Kurse des Forscherkids Schülerlabors nur online an. Als Maßnahmen der Jugendbildung wären diese zwar Präsenzveranstaltungen möglich, die Teilnehmer kämen jedoch aus vielen verschiedenen Orten und Schulen, heißt es dazu vom Vereinsdachverband.

Vorsicht geboten

Wegen des Infektionsschutzes habe man sich deshalb für eine reine Onlinelösung entschieden. Diese würde von den Kindern und Jugendlichen sehr gut angenommen. Aus der Arbeit der evangelischen Jugend im Kirchenbezirk Wertheim berichtete Bezirksjugendreferent Alex Kirchhoff: „Gemeindlich sieht das in der Regel so aus, dass die Gruppen eher nicht oder wenn möglich online stattfinden, als dass alle Möglichkeiten der jeweils geltenden Regeln ausgenutzt werden.“ So finde in zumindest den meisten Gemeinden kein Kindergottesdienst statt. „Konfirmandengruppen durften sich bislang unter großen Auflagen auch noch treffen, aber auch da wird möglichst auf Präsenz verzichtet.“

Es seien zwar kleinere feste Gruppen mit klar umrissenen Teilnehmern, aber auch dort würden sich Jugendliche aus den unterschiedlichsten Schulen treffen. „Deshalb sind wir da sehr vorsichtig.“

Bei Freizeit-Nachtreffen bekommen alle Teilnehmer einen Umschlag mit Material und kleine Verpflegung per Post bekommen. „Wir arbeiten dann mit diesem Material über Zoom.“ Ähnliche Konzepte gebe es in der Konfirmandenarbeit. Dort setzt man in der Videokonferenz unter anderem auf virtuelle Diskussionen, Umfragen und Kleingruppenarbeit. „Reale Treffen finden, solange Gottesdienst unter den Auflagen noch möglich sind, zu Andachten in der Kirche statt.“ Musikarbeit dürfe seit November nicht mehr stattfinden.

Virtuelle Kommunikation

„Wir versuchen, jetzt studiomäßig zu arbeiten. Jeder spielt seine Spuren einzeln ein.“ Zusammenfassend sagt Kirchhoff: „Wir versuchen, in Kontakt zu bleiben und wo möglich und verantwortbar reale Erlebnisse zu ermöglichen.“ Man werde aber nicht um jeden Preis die Regeln ausschöpfen. „Wir sind uns nicht nur unserer Verantwortung für Kinder- und Jugendliche, sondern auch unserer Vorbildfunktion bewusst.“

Auch Vereine setzten auf die virtuelle Kommunikation. So führt die THW Jugend laut ihrer Facebookseite „Onlinedienste“ anstelle des Jugenddienstes vor Ort durch. Die DLRG Jugend Wertheim hat das Laternenbasteln nach Hause verlegt. Dazu erhielten die Kinder ein Materialpaket und schickten ihren Betreuern die Fotos der gelungen Werke anschließend per Mail.

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