Wertheim

Amtsgericht Mann wegen Körperverletzung und Beleidigung zu Geldstrafe verurteilt

Nächtlicher Kneipenbesuch einer 16-Jährigen erzürnte den Onkel

Wertheim.Dass seine 16-jährige Nichte im August gegen 1 Uhr noch am Tisch vor einer Gaststätte in der Bahnhofstraße saß, dabei ein 35-jähriger Mann, ärgerte den Onkel. Er begann einen verbalen Streit. „Was machst Du da mit meiner Nichte?“, rief er, beleidigte den Mann und schlug ihn sowie zwei weitere Personen, die schlichten wollten. Die Verletzungen waren nicht schwerwiegend und sind ausgeheilt.

Wegen Körperverletzung in drei Fällen und Beleidigung verurteilte jetzt das Amtsgericht Wertheim den Arbeiter zur Strafe von 90 mal 40 Euro. Die Strafe liegt am „unteren Rand“, denn wegen der Vorstrafen wäre auf eine Freiheitsstrafe „begründbar“ gewesen. Der Beschuldigte blickt auf eine Drogenkarriere mit zahlreichen Strafen zurück, die er teilweise auch absitzen musste, weil er erneut straffällig wurde oder gegen Bewährungsauflagen verstieß. Die letzte Bewährungsstrafe, zwei Jahre vom Amtsgericht Tauberbischofsheim, erhielt er vier Wochen vor dem jetzigen Fall. Schon davor oder danach machte er eine Therapie in einer Einrichtung am Bodensee, und die Behandlung läuft jetzt bei der Caritas im Kreis ambulant weiter.

Der Angeklagte hat sich eine Woche vor der Verhandlung beim Hauptgeschädigten entschuldigt und legte nun ein Geständnis ab. Die 16-Jährige befand sich damals in Begleitung ihrer 18-jährigen Schwester. Der Geschädigte betonte, er kenne beide und die Mutter gut. Er habe selbst drei Kinder. Die Situation vor Ort sei nicht so gewesen, wie der Angeklagte in seinem alkoholisierten Zustand dachte. Neben der kurzen Zeit vom letzten Urteil bis zu dieser Straftat kam für die Staatsanwältin der Alkohol als andere Droge erschwerend hinzu. Da könne man Konsum oder Abstinenz nicht so langfristig nachweisen wie bei Rauschgift mit Haarprobe und Blutspiegel.

Um die Gefahr für den Widerruf der zweijährigen Bewährungsstrafe gering zu halten, verzichtete die Staatsanwältin auf die Beantragung einer Freiheitsstrafe und schlug die Geldstrafe von 90 mal 40 Euro vor. Damit war für den Verteidiger viel erreicht. Er nannte als Wichtigstes, dass der Mandant nicht einsitzen muss, da er Wohnung und Arbeitsplatz hat. Die Richterin betonte, eine Strafe von 3600 Euro tue auch weh. Im Übrigen bezeichnete sie es als irritierend, wenn eine 16-Jährige nach Mitternacht noch in der Kneipe sitze. Sie habe aber keine Probleme damit, wenn die Eltern Bescheid wussten. Das Urteil ist rechtskräftig. goe