Wertheim

Leserbrief Zum Artikel „Nur wenige Verstöße bei Kontrolle“ (FN, 14. November)

Messergebnisse werden von der Stadt ignoriert

Archivartikel

Schon im Jahr 2017 gab es Berichte über Geschwindigkeitsüberschreitungen an den Ortseinfahrten Vockenrots.

Fachleute der Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen mbH hatten im Auftrag der Stadtverwaltung Wertheim im März 2017 eine Woche lang 24 Stunden pro Tag die Geschwindigkeit an den Ortseinfahrten Vockenrots gemessen. Die Überschreitungen dort seien im Gegensatz zu Messungen im Bereich Wartberg, Reinhardshof und Bestenheider Höhe auffällig gewesen.

Der verantwortliche Verkehrsplaner Richard Baumert hatte die Ergebnisse sogar im Wertheimer Gemeinderat erläutert. Am Ortsschild Vockenrot von Nassig kommend seien mehr als 84 Prozent aller Fahrzeuge schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer gefahren.

Diese von der Stadt Wertheim bezahlten Ergebnisse werden von der Stadtverwaltung ignoriert. Messungen an einem Ortschild hätten gerichtlich keinen Bestand so Amtsleiter Volker Mohr damals. Man würde deshalb immer mehrere hundert Meter hinter einem Ortsschild messen.

Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez wurde vergangene Woche in den Fränkischen Nachrichten an einem Geschwindigkeitsmessgerät mit zwei weiteren Mitarbeitern auf Höhe des Briefkastens innerorts an der L 508 abgelichtet. Die Messungen (nur von 8 bis 11 Uhr) hätten kaum Geschwindigkeitsüberschreitungen ergeben. Es gebe also kein Problem. Sogar das Wort „subjektiv“ fiel in der Berichterstattung über den Termin in Vockenrot.

Hierzu muss man entgegnen, dass vor 8 Uhr erheblich schneller gefahren wird, wenn Fahrzeuglenker zur Arbeit oder die Kinder zur Schule fahren.

Auch frühmorgens messen

In der Bürgerfragestunde erklärte der Oberbürgermeister auf meine Rückfrage, er kenne entsprechende Gutachten.

Er äußerte, Anwohner würden wohl gefahrene 50 Stundenkilometer höher einschätzen. Es gäbe vor 8 Uhr keine Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgrund von Kolonnenverkehr.

Die objektive Logik der Anwohner lautet, dass die Ausfahrt des Neuhofes unmittelbar nach dem Ortsschild liegt. Auch die Ausfahrt aus den Reinhardswiesen ist noch im Bremsbereich mancher zu schneller Autofahrer aus Richtung Nassig.

Wenn man sich freilich mit dem Messgerät, teils sichtbar, so tief im Ort platziert, dass bis dort selbst Raser abgebremst haben, dann ist der Begriff „subjektiv“ über uns Anwohner unpassend und alles andere als bürgernah.

Gerne sind die städtischen Mitarbeiter auch morgens um 5 Uhr zu Messungen in Vockenrot willkommen. Bei der Recherche zur Verkehrssituation in Vockenrot sind auch Planungsunterlagen zum von der Bevölkerung abgelehnten Kreisverkehr am anderen Ortseingang zu finden.

Diese waren sicherlich mit erheblichen Kosten ohne vorherige Befragung der Vockenroter verbunden. Laut Herrn Herrera Torrez seien die Planungen (vorläufig?) gestoppt. Die Frage ist nun, ob und welche Geldmittel für weitere Planungen im kommenden Haushalt enthalten sind.

Ein ehrlicher Umgang mit uns Bürgern wäre, keine weiteren Geldmittel zu vergeuden.

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