Wertheim

Im Hofgartenschlösschen Cellist, Dirigent und Pädagoge David Geringas konzertierte mit seinem langjährigen Ausnahmeschüler

Meisterkonzert, das seinen Namen ehrte

Archivartikel

Wertheim.Zu einem Meisterkonzert mit dem international renommierten Cellisten, Dirigenten und Pädagogen David Geringas und seinem langjährigen Wertheimer Ausnahmeschüler Joel Blido hatte der Kulturkreis Wertheim am Sonntag ins Hofgartenschlösschen eingeladen.

Wunsch, in Wertheim zu spielen

Der in Vilnius (Litauen) geborene Geringas kann auf eine jahrzehntelange internationale Konzert- und Lehrtätigkeit zurückblicken. Nach mehreren Konzerten im Hofgartenschlösschen, zuletzt im Jahr 2019, war es sein Wunsch, mit Joel Blido wieder in Wertheim zu konzertieren. Das Konzert begann mit dem Concert Nouveau Nr. 13 G-Dur für zwei Celli von François Couperin (1668 bis 1733), des berühmten Organisten und Hofkomponisten von Ludwig XIV. Die vier Sätze spiegelten barocken Glanz und Festlichkeit wider.

Einen musikalischen Schwerpunkt setzte Joel Blido mit einer seiner frühen Kompositionen für Cello-Solo „Rapture“ („Entrückung“). Interessante und effektvolle Einfälle ließen Kontraste erfahren und stimmten auf die vielfältigen musikalischen Möglichkeiten des Cellospiels ein.

Anatolijus Enderovas (1945 bis 2019), Sohn von Geringas’ erstem Cellolehrer, gehört zu den bekanntesten Komponisten Litauens. Einige seiner Solo-Stücke widmete er Geringas. Vier davon spielte er nach interessanten Worten zur Entstehungsgeschichte und zur Zusammenarbeit mit dem Komponisten. „So war unsere Beziehung“ und „alles, was das Cello zu bieten hat“, forderte der Komponist und setzte der Virtuose um: Mehrstimmige Tonfolgen mit sich nacheinander dezent verändernden Akkordtönen, in höchster Tonlage singende Pianissimopassagen, aber auch energische orchestrale Einwürfe sorgten für kontrastreiches Erleben der modernen Klänge.

Joel Blidos „Star Chasing“ für zwei Celli war im Jahr 2019 im Hofgartenschlösschen uraufgeführt worden. Gewidmet Helmut Schöler und Wolfgang Schuller, hat die von Filmmusik inspirierte Komposition durch seinen Einfallsreichtum und die Kombination von rhythmischen und melodischen Elementen seitdem nicht nur in Wertheim viel Anklang gefunden.

Leise und stimmungsvoll

Ein weiterer Höhepunkt des Programms waren die folgenden drei Stücke für zwei Violoncelli des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov (1937), vor allem die Verbindung der Sarabande aus der Bachschen Cello-Suite c-moll mit der nahtlos folgenden „Nachklänge einer Sarabande“. Leise, stimmungsvoll und mit viel Feingefühl zeigten die fünf Serenaden des gleichen Komponisten eine nochmalige Steigerung des bewundernswerten Zusammenspiels der beiden Künstler, aber auch der individuellen technischen und musikalischen Aussagekraft der Solisten. Herrlich feinfühlige Klang- und Tonnuancen, die stufenlos bis in die Unhörbarkeit mündeten, hinterließen Bewunderung und mündeten schließlich in langen Applaus.

Nach Zugaben von Jean-Baptiste Barrière (1707 bis 1747) in virtuoser Ausprägung und von Camille Saint- Saëns („Der Schwan“) als gefühlvollem Abschluss ging wiederum ein Meisterkonzert zu Ende, das seinem Namen in jeder Beziehung alle Ehre machte.

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