Wertheim

Kabarett Philipp Weber präsentierte in Freudenberg sein Programm „KI: Künstliche Idioten“ und nahm den technischen Fortschritt aufs Korn

Masern als Treuepunkte vom Heilpraktiker

Archivartikel

Freudenberg.Mit seinem Rundumschlag über den technischen Fortschritt und seine skurrilen Auswirkungen begeisterte der Kabarettist Philipp Weber sein Publikum. Endlich wieder Kultur erleben – diese Chance ließen sich fast 200 Gäste am Sonntagabend am Freudenberger Badesee nicht nehmen. Damit war die Veranstaltung nahezu ausverkauft.

Kabarettist Philipp Weber war dann auch ein Garant für gute Stimmung und viele Lacher. Als Bühne diente ihm der Anhänger des Lkw einer örtlichen Spedition. Damit hatte man in Freudenberg wieder einmal eine pragmatische Lösung gefunden.

In seinem Programm „KI: Künstliche Idioten“ ging Weber auf die Auswirkungen des technischen Fortschritt auf die Menschheit ein. Seine Interpretationen und Witze, die vor allem im zweiten Teil erotisch angehaucht waren, sorgte für Lachsalven beim Publikum, das am Ende stehend applaudierte. Bürgermeister Roger Henning freute sich in seiner Begrüßung, dass so viele Gäste kamen und den Künstler unterstützen. Er dankte den Sponsoren der „Kulturwoche+“, in dessen Rahmen der Abend stattfand. Sie seien dabei geblieben, auch wenn man Corona-bedingt Veranstaltungen absagen musste. Caroline Becker, Leiterin des Kultur- und Tourismusbüros, dankte dem Kabarettisten, dass er sich auf den Auftritt unter freiem Himmel eingelassen habe. Dies sei eine ganz andere Sache im Kabarett als in einer Halle.

„Digitaler Detox“

Die Verlegung aus der Raubachhalle an den See war erfolgt, um mehr Publikum zulassen zu können. Weber berichtete einleitend, das gezeigte Programm sei noch sehr neu. Nach den ersten Auftritten damit, habe die Corona-Krise weitere Shows verhindert. „Wir machen heute Abend Urlaub von Corona“, verkündete er und bekam laute Zustimmung des Publikums.

Deutschland sei zur innovativsten Region der Welt erklärt worden, stellte er zum Thema technische Entwicklungen fest. Anschließend nahm er verschiedene Erfindungen aus unterschiedlichen Bundesländern aufs Korn. „Der Duden kommt aus Hessen, nicht weil sie dort so gut Deutsch können, sondern weil sie ihn am nötigsten haben.“ Kulturveranstaltungen seien für Männer „digitaler Detox“. Sie seien der einzige Ort, an dem man durchschlafen könne, ohne vom Handy gestört zu werden. „Das Funkloch ist der Schützengraben des digitalen Zeitalters.“ Sein Erfindungsreichtum mache den Menschen erst zu etwas, denn als Tier tauge er nicht viel.

Es gebe aber auch nicht so sinnvolle Erfindungen, verwies er auf laute Gartengeräte. Mit seiner Version des Frühlingsgedichts von Eduard Mörike verdeutlichte er, wie das Gedicht wohl gelautet hätte, wenn Mörike all die lauten Gartengeräte hätte ertragen müssen. „Ich bin nicht technikfeindlich, auch wenn ich so klinge“, betonte Weber.

Eigentlich sei es auch egal, denn Fortschritt passiere, ob man es wolle oder nicht. Er ging auf die Herausforderungen bei der Nutzung von Handys, Computern und Rauchmeldern ein. „Wir alle besitzen Dinge des Fortschritts, ohne zu wissen wie sie funktionieren.“

Aufs Korn nahm er auch die Impfgegner. Wenn diese gegen etwas immun seien, dann gegen Humor. Ein Gespräch mit einem Impfgegner könne zum Beispiel so aussehen: „Sind das die Masern? Nein, das sind die Treuepunkte vom Heilpraktiker.“

Der Mensch erschaffe sich eine künstliche Umwelt, die Kultur, und passe sich dann dieser an, verdeutlichte er an der antrainierten Laktoseintoleranz. Weiter witzelte er über den Gesundheitswahn mit Sport und Smoothies und Studenten die Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung nutzen.

Intelligente Toiletten

Auch über das Smarthome hatte er einiges zu berichten. Es gebe zum Beispiel intelligente Toiletten. Diese würden je nach Art des Stuhlgangs unterschiedliche Musik spielen. Über die moralische Instanz von selbstfahrenden Autos via Künstlicher Intelligenz kam er zu den Sprachassistenten.

Diese seien nicht immer eine Hilfe, vor allem wenn man im Schlaf rede. Dies habe dafür gesorgt, dass ein Bekannter von ihm dank des Assistenten Stützstrümpfe geliefert bekam, ohne zu wissen warum. Generell gelte: „Je dümmer die Idee einer Erfindung, desto größer ihr Erfolg.“ Dort wo das Geld hinfließe entstünde Innovation, auch wenn sie sinnlos sei. Dies zeige sich unter anderen an den Autos mit zahlreichen Assistenten und besonderen Massagefunktionen: „Autos werden zum fahrenden Tempel der Lust.“ Nach der Pause zeigte er auf, das Künstliche Intelligenz (KI) zwar lernfähig sei, aber nur Varianten des Vorhandenen selbst entwickeln könne. Wie sich dies auswirkte, machte er an Witzen deutlich, die von der KI stimmen könnten: „Ich erzähle gute und schlechte Witze, die schlechten schiebe ich der KI unter.“

Einen längeren Beitrag widmete er der Online-Liebe und der digitalen Erotikdienstleistung. Dabei begeisterte so mach schlüpfriger Witz die Zuschauer. Auch das Thema Gentechnik und Genanalyse beim Menschen ließ er nicht aus. Letztendlich führten seine Ausführungen bis hin zum fast ewigen Leben und dem Sinn des Lebens überhaupt.

„Träume Mensch, aber pass höllisch auf, was du träumst“, gab er den Gästen abschließend mit auf dem Weg. Vor seiner Zugabe nutzte er die Gelegenheit, dem Publikum für seine Unterstützung zu danken. Für Künstler sei es aktuell eine schwierige Zeit, auch da es keine staatliche Unterstützung gebe, obwohl die Branche wirtschaftlich sehr bedeutend sei. Dann zeigte er , was passiert wenn nicht nur ein Flugzeug sondern auch dessen Pilot vollgetankt sind. bdg

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